
Berlin-Marathon: Wenn der Laufsport zum Luxusgut verkommt

Was einst als Volkssport fĂŒr jedermann galt, entwickelt sich zunehmend zum exklusiven VergnĂŒgen fĂŒr Besserverdienende. Der Berlin-Marathon, einst ein Symbol fĂŒr sportliche Teilhabe in der Hauptstadt, verlangt mittlerweile stolze 205 Euro Startgeld â eine Verdoppelung innerhalb von nur zehn Jahren. Damit liegt die deutsche Hauptstadt europaweit auf dem zweiten Platz der teuersten Marathonveranstaltungen, nur noch ĂŒbertroffen vom Londoner Pendant mit 257 Euro.
Eine Preisexplosion, die ihresgleichen sucht
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 2016 kostete die Teilnahme am legendĂ€ren Lauf durch das Brandenburger Tor noch bescheidene 98 Euro. Zwei Jahre spĂ€ter waren es bereits 108 Euro, 2022 dann 150 Euro, und heute muss man mehr als das Doppelte des ursprĂŒnglichen Preises auf den Tisch legen. Diese Entwicklung wirft unweigerlich die Frage auf, ob der Breitensport in Deutschland noch fĂŒr alle zugĂ€nglich ist â oder ob er sich schleichend zu einem Privileg der Wohlhabenden wandelt.
Im Vergleich zu anderen deutschen GroĂstĂ€dten zeigt sich das AusmaĂ der Berliner Preispolitik besonders deutlich. Der Marathon in MĂŒnchen, immerhin auf Platz zwei, kostet mit 145 Euro satte 60 Euro weniger. Frankfurt verlangt 136 Euro, Hamburg 135 Euro und Köln 130 Euro. Der bundesweite Durchschnitt fĂŒr Marathonveranstaltungen liegt bei gerade einmal 63 Euro â weniger als ein Drittel des Berliner Preises.
Europa bietet gĂŒnstigere Alternativen
Wer den Traum vom groĂen Stadtmarathon hegt, aber nicht bereit ist, derart tief in die Tasche zu greifen, findet im europĂ€ischen Ausland durchaus attraktive Alternativen. Paris lockt mit 179 Euro regulĂ€rem Startgeld, bietet aber fĂŒr FrĂŒhbucher sogar Tickets fĂŒr nur 135 Euro an â eine Option, die Berlin seinen LĂ€ufern bezeichnenderweise verwehrt. In Rom und Athen können Early-Bird-KĂ€ufer sogar fĂŒr lediglich 89 beziehungsweise 55 Euro an den Start gehen. Das gĂŒnstigste Angebot unter den europĂ€ischen HauptstĂ€dten findet sich in Riga mit bescheidenen 79 Euro.
âEs klingt schon nicht schlecht, behaupten zu können, man sei den Berlin-Marathon gelaufen."
Was rechtfertigt den stolzen Preis?
Die Veranstalter argumentieren mit einem umfangreichen Leistungspaket: Neben dem Startplatz und der begehrten Finisher-Medaille umfasst die GebĂŒhr die professionelle Zeitmessung, eine aufwendige Streckensicherung und -sperrung, umfangreiche Verpflegungsstationen sowie einen kostenlosen Massageservice. ZusĂ€tzlich erhalten die Teilnehmer ein 4-Tage-Ticket fĂŒr den öffentlichen Nahverkehr in der Tarifzone ABC.
Der Berlin-Marathon genieĂt zweifellos einen herausragenden Ruf. Als Teil der sogenannten âBig Seven", der World Marathon Majors, zĂ€hlt er zu den prestigetrĂ€chtigsten LĂ€ufen weltweit. Das flache Streckenprofil macht ihn bei Profis besonders beliebt â Jahr fĂŒr Jahr werden hier Weltrekorde gebrochen. 2025 erreichte der schnellste LĂ€ufer das Ziel nach beeindruckenden 2:02:16 Stunden.
Ein Trend, der nachdenklich stimmt
Mit rund 48.000 Teilnehmern ist der Berlin-Marathon zwar der gröĂte Lauf Deutschlands, liegt aber europaweit hinter Paris und London, die jeweils 55.000 LĂ€ufer verzeichneten. Die Frage bleibt: Rechtfertigt das Prestige tatsĂ€chlich diese Preispolitik? Oder erleben wir hier eine Entwicklung, die symptomatisch fĂŒr eine Gesellschaft steht, in der selbst der Sport zunehmend nach Geldbeutel sortiert?
Wer die Berliner Preise als ĂŒberzogen empfindet, mag sich mit dem Blick auf die amerikanischen Majors trösten: In Chicago werden bis zu 250 Euro fĂ€llig, in New York ĂŒber 300 Euro und in Boston 260 Euro. Nur Tokio zeigt sich mit 150 bis 190 Euro moderater. Doch dieser Vergleich kann nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass der Laufsport in Deutschland einen bedenklichen Weg eingeschlagen hat â weg von der Breitenpartizipation, hin zum exklusiven Event fĂŒr jene, die es sich leisten können.










