Kettner Edelmetalle
12.09.2025
14:33 Uhr

Belgischer Kulturskandal: Wenn Antisemitismus als Kunstkritik getarnt wird

Die Ausladung der MĂŒnchner Philharmoniker und ihres israelischen Dirigenten Lahav Shani von einem Musikfestival im belgischen Gent offenbart eine erschreckende Entwicklung im europĂ€ischen Kulturbetrieb. Was sich als politische Stellungnahme tarnt, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als blanker Antisemitismus im Gewand der vermeintlichen Israelkritik.

Diplomatische Verstimmungen zwischen Berlin und BrĂŒssel

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) kĂŒndigte an, die skandalöse Ausladung zum Gegenstand eines GesprĂ€chs mit seinem belgischen Amtskollegen Bernard Qintin zu machen. Der CSU-Politiker bezeichnete die Situation als "absolut inakzeptabel" und kĂŒndigte an, den Vorfall als zwischenstaatliches Problem zu behandeln. Dass ein deutscher Innenminister sich genötigt sieht, auf dieser Ebene zu intervenieren, zeigt die Tragweite des Vorfalls.

Die Festivalleitung hatte ihre Entscheidung mit dem absurden Vorwurf begrĂŒndet, Israel begehe in Gaza einen Völkermord. Besonders perfide: Die Ausladung Shanis wurde damit gerechtfertigt, dass er Chefdirigent des Israel Philharmonic Orchestra sei und seine Position zum Nahostkonflikt "unklar" sei. Seit wann mĂŒssen KĂŒnstler politische Bekenntnisse ablegen, um auftreten zu dĂŒrfen?

Kulturstaatsminister spricht von "dunkelsten Zeiten"

Noch deutlicher wurde Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, der bereits am Donnerstag schriftlich bei der belgischen Regierung protestiert hatte. Seine Worte sollten jeden aufrechten Demokraten aufrĂŒtteln: Es erinnere "an die dunkelsten Zeiten des 20. Jahrhunderts", wenn KĂŒnstler Hausverbote bekĂ€men, "weil sie Juden sind, weil sie aus Israel kommen". Diese historische Parallele ist keineswegs ĂŒbertrieben – sie trifft den Kern des Problems.

"Ich habe einen Brief geschrieben an meine belgische Amtskollegin und wir haben auch im AuswÀrtigen Amt die Kommunikation aktiviert, weil wir das nicht akzeptieren wollen, was dort passiert ist"

Der neue Antisemitismus trÀgt das Gewand der "Israelkritik"

Was wir hier erleben, ist die Manifestation eines neuen Antisemitismus, der sich hinter vermeintlich progressiven Positionen versteckt. Die Festivalleitung in Gent reiht sich ein in eine besorgniserregende Entwicklung, bei der jĂŒdische und israelische KĂŒnstler unter dem Deckmantel politischer Kritik ausgegrenzt werden. Es ist die gleiche perfide Logik, die auch hinter der antisemitischen BDS-Bewegung steckt: Kollektivhaftung fĂŒr alle Israelis, unabhĂ€ngig von ihrer persönlichen Haltung.

Besonders absurd wird es, wenn man bedenkt, dass Musik eigentlich BrĂŒcken bauen und Menschen verbinden sollte. Stattdessen wird sie hier zum Instrument der Ausgrenzung. Die MĂŒnchner Philharmoniker, eines der renommiertesten Orchester der Welt, werden behandelt wie Parias – nicht wegen ihrer kĂŒnstlerischen Leistung, sondern wegen der NationalitĂ€t ihres Dirigenten.

Europa muss sich entscheiden

Dieser Vorfall wirft fundamentale Fragen ĂŒber die Zukunft Europas auf. Wollen wir ein Europa, in dem KĂŒnstler nach ihrer Herkunft und vermeintlichen politischen Gesinnung beurteilt werden? Oder stehen wir fĂŒr die Werte der AufklĂ€rung, fĂŒr Kunstfreiheit und gegen jede Form von Diskriminierung?

Die Reaktion der deutschen Bundesregierung ist richtig und wichtig. Es reicht nicht, solche VorfĂ€lle achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen. Wenn in Belgien, im Herzen Europas, wieder Juden ausgegrenzt werden, dann mĂŒssen alle Alarmglocken schrillen. Die Geschichte lehrt uns, wohin es fĂŒhrt, wenn man den AnfĂ€ngen nicht wehrt.

Es bleibt zu hoffen, dass die belgische Regierung zur Vernunft kommt und diesem beschĂ€menden Treiben ein Ende setzt. Andernfalls mĂŒsste man sich fragen, ob Belgien noch zu dem Europa gehört, das aus den Lehren der Geschichte gelernt hat.

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