Kettner Edelmetalle
31.08.2026
13:47 Uhr
KI-generiert

Bankraub verschwiegen: AfD-Kandidat stürzt über seine Vergangenheit

Bankraub verschwiegen: AfD-Kandidat stürzt über seine Vergangenheit
Symbolbild: KI-generiert

Drei Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern hat der AfD-Landesverband die Reißleine gezogen: Der Direktkandidat Sascha Gläser aus Rostock hatte 2012 eine Bankfiliale in Duisburg überfallen – und die Partei darüber im Unklaren gelassen. Der Landesvorstand spricht von einem erheblichen Vertrauensbruch. Gläser hat sein Amt als stellvertretender Kreisvorsitzender niedergelegt.

Ein Feuerzeug als Waffe – zweieinhalb Jahre Haft

Die Fakten stammen aus einem Bericht der Ostsee-Zeitung: Gläser soll im Duisburger Stadtteil Rumeln eine Volksbankfiliale überfallen und dabei ein Feuerzeug in Form einer Schusswaffe eingesetzt haben. Die Staatsanwaltschaft Duisburg bestätigte der Zeitung eine Verurteilung wegen schwerer räuberischer Erpressung im Jahr 2013.

Das Strafmaß: zwei Jahre und sechs Monate Haft, verbüßt im offenen Vollzug. Gläser selbst nannte die Tat gegenüber der Zeitung „den größten Fehler meines Lebens“. Er habe die Folgen weder für die Betroffenen noch für sich selbst ausreichend bedacht, dafür übernehme er die Verantwortung. Heute führe er ein „unbescholtenes Leben“.

Warum das Führungszeugnis nichts verriet

Der pikante Punkt: Die Partei hätte den Fall bei ordentlicher Prüfung kaum entdecken können. Laut der Mitteilung des Landesverbandes wurde die Eignung der Kandidaten ausdrücklich auch anhand polizeilicher Führungszeugnisse geprüft – das Dokument von Gläser habe schlicht keine Eintragung mehr enthalten.

Das ist kein Skandal, sondern deutsches Recht. Verurteilungen werden nach festgelegten Fristen aus dem Führungszeugnis getilgt, damit Straftäter nach verbüßter Strafe eine zweite Chance bekommen. Wer also glaubt, ein Papier vom Amt liefere lückenlose Biografien, irrt.

Resozialisierung ja – Schweigen nein

Generalsekretär Dario Seifert bekennt sich in der Erklärung ausdrücklich zum Gedanken der Resozialisierung. Wer die vorgesehenen Konsequenzen getragen habe, müsse grundsätzlich wieder vollständig am gesellschaftlichen und politischen Leben teilnehmen können. Voraussetzung sei allerdings ein offener Umgang mit der eigenen Vergangenheit.

„Wer für ein politisches Mandat kandidiert, muss gegenüber den zuständigen Parteigremien bei derart wesentlichen Sachverhalten von Anfang an vollständige Transparenz herstellen“

Gläser hat dem Landesvorstand nach dessen Angaben zugesichert, ein etwaiges Landtagsmandat nicht anzunehmen. Sein Name steht dennoch auf dem Stimmzettel im Rostocker Wahlkreis – Fristen für Kandidatenlisten sind unerbittlich.

Der eigentliche Sprengstoff liegt woanders

Denn die Personalie fällt in einen Wahlkampf, der die politische Statik im Nordosten verschieben könnte. Gewählt wird am 20. September. Nach einer Insa-Umfrage für den Nordkurier liegt die AfD bei 36 Prozent – rund 20 Punkte mehr als bei der Wahl 2021.

  • SPD: 29 Prozent (minus 10,6 Punkte)
  • Linkspartei: 11 Prozent (plus 1,1)
  • CDU: 10 Prozent (minus 3,3) – überholt von der Linken
  • Grüne: 5 Prozent, FDP: 3 Prozent, BSW neu bei 4 Prozent

Bemerkenswert ist aus Sicht unserer Redaktion vor allem das Tempo der Reaktion: Rücktritt, Mandatsverzicht, öffentliche Distanzierung – binnen weniger Tage. Bei manch etablierter Partei zogen sich vergleichbare Vorgänge über Monate hin, oft begleitet von Aussitzen und Sprachregelungen.

Ob die Wähler zwischen Rostock und Schwerin das honorieren oder als Beleg für schludrige Kandidatenauswahl werten, entscheidet sich am 20. September. Sicher ist nur: Die Debatte über die Ernsthaftigkeit von Personalprüfungen in allen Parteien ist mit diesem Fall neu eröffnet.

Wissenswertes zum Thema