Kettner Edelmetalle
25.06.2026
14:23 Uhr

Bahn-Offenbarungseid: Der Staatskonzern kapituliert vor seinen eigenen Versprechen

Bahn-Offenbarungseid: Der Staatskonzern kapituliert vor seinen eigenen Versprechen

Es ist ein bemerkenswertes EingestĂ€ndnis, das aus dem Berliner Bahntower dringt. Die neue Bahnchefin Evelyn Palla rĂ€umt auf – und zwar grĂŒndlich. Mit ihrer frisch prĂ€sentierten Konzernstrategie verabschiedet sich der bundeseigene Koloss von all jenen wohlklingenden Zielen, mit denen man jahrelang die Öffentlichkeit beruhigt hatte. Die Verdopplung der Reisendenzahlen? Gestrichen. Die ambitionierten PĂŒnktlichkeitsversprechen? Auf ein realistisches Maß zusammengestaucht. Man könnte fast meinen, in der Konzernspitze sei endlich der Realismus eingekehrt – allerdings reichlich spĂ€t.

Wenn das Scheitern zum Programm erhoben wird

„Wir verabschieden uns von unerreichbaren Versprechen“, ließ Palla verkĂŒnden. Eine Aussage, die man durchaus fĂŒr ehrlich halten darf – die aber zugleich offenbart, in welch desolatem Zustand sich dieser Staatsbetrieb tatsĂ€chlich befindet. Denn was bedeutet es, wenn ein Konzern seine eigenen Ziele kleinredet, statt sie zu erreichen? Es bedeutet: Die jahrelange Misswirtschaft, die marode Infrastruktur und das Versagen ganzer Politikergenerationen lassen sich nicht lĂ€nger unter dem Teppich verstecken.

Besonders entlarvend ist der zeitliche Horizont. Eine FernverkehrspĂŒnktlichkeit von 80 Prozent peilt der Konzern erst in den 2030er-Jahren wieder an. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Der BĂŒrger, der tĂ€glich am zugigen Bahnsteig auf seinen verspĂ€teten Zug wartet, soll sich also noch ein gutes Jahrzehnt gedulden, bis vier von fĂŒnf ZĂŒgen einigermaßen pĂŒnktlich rollen. Welch ambitioniertes Ziel fĂŒr ein Land, das sich einst seiner Ingenieurskunst rĂŒhmte!

Drei Phasen bis zur Erlösung – frĂŒhestens 2035

Der Umbau soll in drei Etappen vonstattengehen. Das laufende Jahr dient als Fundament, von 2027 bis 2030 will man das verrottete Schienennetz sanieren, und erst in der dritten Phase – pĂŒnktlich zum 200-jĂ€hrigen Eisenbahn-JubilĂ€um 2035 – sollen FahrgĂ€ste „deutliche Verbesserungen“ spĂŒren. Der treffend benannte „Sanierungsmarathon“ wĂ€re dann angeblich weitgehend abgeschlossen.

Die DB schafft mit UnterstĂŒtzung von Politik und Branche eine PĂŒnktlichkeit im Fernverkehr von 80 Prozent.

Man beachte die feine Formulierung: „mit UnterstĂŒtzung von Politik und Branche“. Übersetzt heißt das wohl: ohne weitere Milliardenspritzen aus Steuergeldern wird gar nichts laufen. Und genau hier liegt der wunde Punkt einer Politik, die jahrzehntelang den Verkehr ideologisch verklĂ€rt, statt ihn pragmatisch organisiert hat.

Der Kahlschlag in der Zentrale

Immerhin – ein Ansatz verdient Anerkennung. Palla will die aufgeblĂ€hte Konzernzentrale verschlanken. Von rund 3.500 Stellen in der sogenannten Konzernleitung sollen etwa 30 Prozent verschwinden. Mehr Verantwortung soll kĂŒnftig bei den regionalen Managern liegen, die fĂŒr QualitĂ€t und Kennzahlen geradestehen mĂŒssen. Eine zentrale Steuerungseinheit bleibt zwar bestehen, doch das Wie ĂŒberlĂ€sst man den Regionen.

Dass ein Staatskonzern ĂŒberhaupt erkennt, dass eine fettleibige Berliner VerwaltungsbĂŒrokratie nicht das Problem löst, sondern es vergrĂ¶ĂŸert, ist bereits ein kleiner Fortschritt. Bei der Tochter DB Cargo wiederum sollen bis 2030 fast 6.200 Stellen wegfallen und eine Milliarde Euro eingespart werden – die RealitĂ€t der Marktwirtschaft holt eben auch den staatlich gepĂ€ppelten GĂŒterverkehr ein.

Personalkarussell und finanzielle WunschtrÀume

Auch an der Konzernspitze rotiert es. Zum 1. September ĂŒbernimmt Michael Obrowski, bislang Finanzvorstand bei Volkswagen Nutzfahrzeuge, die Finanzen. Sein VorgĂ€ngerin hatte den Posten nach nur wenigen Monaten ĂŒberraschend gerĂ€umt – Berichten zufolge soll sie sich reihenweise mit FĂŒhrungskrĂ€ften, Politikern und Arbeitnehmervertretern ĂŒberworfen haben. Offiziell sprach man von einer „einvernehmlichen Trennung“. Man kennt diese Sprachregelungen.

Finanziell verspricht die Bahn, im laufenden Jahr erstmals seit Langem ein positives Ergebnis nach Steuern zu erzielen. Bis 2030 soll sich das operative Ergebnis um ĂŒber eine Milliarde auf 1,7 Milliarden Euro verbessern. Schöne Zahlen – doch wer die Geschichte dieses Konzerns kennt, betrachtet solche Prognosen mit gesunder Skepsis.

Was bleibt: Ein Mahnmal staatlicher Misswirtschaft

Die Deutsche Bahn ist und bleibt ein Spiegelbild des Zustands unseres Landes. WĂ€hrend die Politik Hunderte Milliarden in immer neue Sondervermögen und ideologische Großprojekte pumpt, verrottet die elementare Infrastruktur. Ein Land, das einst fĂŒr VerlĂ€sslichkeit und PrĂ€zision stand, muss sich heute von seinem eigenen Staatskonzern eingestehen lassen, dass PĂŒnktlichkeit zum Fernziel geworden ist. Das ist kein Versagen einer einzelnen Vorstandsvorsitzenden, sondern das Resultat jahrelanger politischer Fehlsteuerung.

Wer in solchen Zeiten nach echter BestĂ€ndigkeit sucht, findet sie nicht in den Versprechen staatlicher Großkonzerne. Gerade in einem Umfeld, in dem VerlĂ€sslichkeit zur Mangelware wird und der Wert von Papierversprechen Jahr fĂŒr Jahr schwindet, gewinnen physische Edelmetalle wie Gold und Silber ihre zeitlose Bedeutung als wertstabiles Fundament eines breit gestreuten Vermögens. Sie kennen keine VerspĂ€tung, keine Streichung von Zielen und keine drei Phasen bis zur Erlösung – sie sind einfach da.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt ausschließlich die EinschĂ€tzung unserer Redaktion auf Grundlage der vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Entscheidung eigenstĂ€ndig recherchieren oder fachkundigen Rat einholen.

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