
Angriff auf AfD-Infostand in Berlin-Köpenick: Betrunkener attackiert Parteimitarbeiter

Was sich am vergangenen Samstag in der BahnhofstraĂe im Berliner Stadtteil Köpenick abspielte, ist leider kein Einzelfall mehr, sondern ein erschreckendes Symptom einer politischen Kultur, die zunehmend aus den Fugen gerĂ€t. Ein alkoholisierter 32-JĂ€hriger griff gegen Mittag einen Informationsstand der AfD an, entwendete eine Parteifahne und verletzte bei der anschlieĂenden Auseinandersetzung einen 19-jĂ€hrigen Mitarbeiter. Der junge Mann erlitt SchĂŒrfwunden, nachdem der Angreifer die Standbetreiber geschubst hatte.
2,2 Promille und trotzdem auf freiem FuĂ
Die Polizei bestĂ€tigte den Vorfall gegenĂŒber der Berliner Zeitung. Demnach habe sich der Mann dem Stand gegen 12.15 Uhr genĂ€hert und zunĂ€chst eine Werbefahne gestohlen. Als die Mitarbeiter ihm folgten, lieĂ er die Fahne zwar fallen â doch statt sich zu entfernen, eskalierte die Situation. Er schubste die Standbetreiber, wobei der 19-JĂ€hrige zu Schaden kam. Ein freiwilliger Atemalkoholtest ergab den bemerkenswerten Wert von 2,2 Promille. Trotz des Diebstahls, der Körperverletzung und der offensichtlichen Volltrunkenheit befindet sich der TĂ€ter weiterhin auf freiem FuĂ.
Man muss sich diese Situation einmal auf der Zunge zergehen lassen: Ein schwer alkoholisierter Mann greift am helllichten Tag einen demokratisch legitimierten Parteistand an, verletzt einen jungen Menschen â und darf anschlieĂend einfach seiner Wege gehen. Welches Signal sendet das an potenzielle NachahmungstĂ€ter?
Politisch motivierte Gewalt wird zur NormalitÀt
Der Bezirksvorsitzende der AfD, Martin Trefzer, ordnete den Vorfall nĂŒchtern ein. Es handele sich um einen weiteren Fall, in dem ein âKrawallmacher seine Wut" an einem Infostand der Partei entladen habe. Er dankte der Polizei fĂŒr ihr schnelles Eingreifen und betonte, dass der Zuspruch der BĂŒrger vor Ort die Partei in ihrem Kurs bestĂ€rke. Man lasse sich ânicht abbringen durch einzelne Chaoten".
Doch so gelassen diese Reaktion auch klingen mag â sie kann nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass Angriffe auf politische Akteure in Deutschland mittlerweile eine besorgniserregende RegelmĂ€Ăigkeit erreicht haben. Ob Wahlkampfhelfer, Kommunalpolitiker oder Bundestagsabgeordnete: Die Hemmschwelle zur physischen Gewalt sinkt rapide. Besonders betroffen sind dabei Vertreter der AfD, die sich an ihren InfostĂ€nden immer hĂ€ufiger Pöbeleien, SachbeschĂ€digungen und tĂ€tlichen Angriffen ausgesetzt sehen.
Wo bleibt der Aufschrei der Demokratieverteidiger?
Bemerkenswert ist das ohrenbetĂ€ubende Schweigen jener politischen KrĂ€fte, die sonst bei jeder Gelegenheit die âVerteidigung der Demokratie" auf ihre Fahnen schreiben. Wenn ein GrĂŒnen-Politiker einen Farbbeutel abbekommt, ĂŒberschlagen sich die SolidaritĂ€tsbekundungen. Wird hingegen ein junger AfD-Mitarbeiter von einem Betrunkenen attackiert, herrscht routinierte GleichgĂŒltigkeit. Diese selektive Empörung offenbart ein zutiefst gestörtes DemokratieverstĂ€ndnis, das politische Gewalt offenbar nur dann verurteilt, wenn sie das ârichtige" Opfer trifft.
Die zunehmende Verrohung des politischen Diskurses in Deutschland ist kein Naturereignis. Sie ist das Ergebnis einer jahrelangen rhetorischen Enthemmung, in der politische Gegner systematisch zu Feinden stilisiert wurden. Wer stĂ€ndig das Narrativ pflegt, bestimmte Parteien seien eine existenzielle Bedrohung fĂŒr die Demokratie, darf sich nicht wundern, wenn sich manche Menschen ermĂ€chtigt fĂŒhlen, zur Tat zu schreiten. Demokratie lebt vom Wettbewerb der Ideen â nicht von FĂ€usten und gestohlenen Fahnen.
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