Kettner Edelmetalle
13.07.2026
05:39 Uhr

Zwölf Stunden Todesangst in Berlin: Wenn der Wocheneinkauf zur Geiselnahme wird

Es sollte ein ganz normaler Freitagabend in einer ruhigen Berliner Wohngegend werden. Marienfelde, ein Stadtteil mit EinfamilienhĂ€usern, Schulen, KindergĂ€rten – jene Art von Nachbarschaft, in der man sich noch grĂŒĂŸt und in der die Welt eigentlich in Ordnung sein sollte. Doch gegen 22 Uhr verwandelte sich eine Rewe-Filiale in der Hildburghauser Straße in einen Schauplatz des Grauens, der zwölf lange Stunden andauern sollte.

Ein Messer, eine Geisel, keine erkennbare Vernunft

Ein Mann nahm nach Angaben der Behörden eine Supermarkt-Mitarbeiterin als Geisel. Erst am Samstagmorgen gegen 9:20 Uhr konnte die Polizei die Frau befreien – mithilfe eines Elektroschockers, Schusswaffen mussten offenbar nicht eingesetzt werden. Die Kassiererin stand unter Schock, blieb körperlich aber unverletzt. Ein 22-jĂ€hriger Kollege, der an jenem Abend Dienst hatte, berichtete gegenĂŒber Medien, er habe gesehen, wie der TĂ€ter mit einem „funkelnden Messer“ von betrĂ€chtlicher GrĂ¶ĂŸe gedroht habe. Er und eine weitere Mitarbeiterin seien aus dem Laden geflĂŒchtet und hĂ€tten die Polizei alarmiert.

Und die Motive? Ein RĂ€tsel. Der TĂ€ter soll wĂ€hrend der Geiselnahme wechselnde, kaum nachvollziehbare Forderungen gestellt haben. Ein Polizeisprecher wĂ€hlte hierfĂŒr eine denkwĂŒrdige Formulierung: Es habe sich um „Impulsforderungen“ gehandelt, die sich „im schwer nachvollziehbaren Bereich“ abgespielt hĂ€tten – von einem „akribischen Tatplan“ könne keine Rede sein. TĂ€ter und Opfer sollen sich zuvor nicht gekannt haben.

Ein Wirrwarr bei der Herkunft – und ein bekanntes Muster

Interessant wird die Angelegenheit bei der Frage nach der Person des TĂ€ters. ZunĂ€chst hieß es seitens der Staatsanwaltschaft, es handele sich um einen 29-jĂ€hrigen tĂŒrkischen Staatsangehörigen. SpĂ€ter wurde die Angabe korrigiert: Der Mann besitze die deutsche Staatsangehörigkeit. Ein Detail, das bei der Berichterstattung solcher Taten inzwischen fast schon zur Routine geworden ist – jenes hastige Nachjustieren, das viele BĂŒrger mit einer Mischung aus Resignation und bitterem Zynismus zur Kenntnis nehmen. Der 29-JĂ€hrige war zudem polizeibekannt. Am Sonntag wurde Haftbefehl beantragt.

Wer halb Kalkutta aufnimmt, hilft nicht Kalkutta, sondern wird selbst zu Kalkutta. – Ein Satz des großen Publizisten Peter Scholl-Latour, der heute aktueller klingt denn je.

Wenn der Alltag zum Risiko wird

Man muss es klar aussprechen: Was hier geschah, ist kein bedauerlicher Einzelfall mehr, sondern Teil einer Entwicklung, die immer mehr Menschen in diesem Land zutiefst beunruhigt. Eine Frau, die am „falschen Ort zur falschen Zeit“ war – so beschrieb es der junge Kollege. Doch genau das ist das Problem. Der Supermarkt, die FußgĂ€ngerzone, der Bahnhof: Orte des ganz gewöhnlichen Lebens verwandeln sich zunehmend in Zonen, in denen man nie sicher sein kann, was einen erwartet.

Die KriminalitĂ€tsstatistik in Deutschland verzeichnet Rekordwerte, die Zahl der Messerangriffe steigt Jahr fĂŒr Jahr. Und dennoch scheint die politische Klasse dieses Landes den Ernst der Lage nicht begreifen zu wollen – oder nicht begreifen zu dĂŒrfen. Es ist nicht allein die Meinung unserer Redaktion, sondern die eines großen Teils der Bevölkerung, dass hier ĂŒber Jahre hinweg eine verhĂ€ngnisvolle Fehlpolitik betrieben wurde, deren Folgen nun auf dem RĂŒcken unbescholtener BĂŒrger ausgetragen werden.

Die seelischen Wunden bleiben

Man sollte eines nicht vergessen: Auch wenn die Frau körperlich unversehrt blieb, wird sie zwölf Stunden Todesangst nicht so schnell vergessen. Solche Erlebnisse hinterlassen Narben, die man nicht sieht und die oft schwerer wiegen als jede körperliche Verletzung. Dass Menschen in einem der wohlhabendsten LĂ€nder der Erde beim Broterwerb um ihr Leben fĂŒrchten mĂŒssen, ist ein Armutszeugnis fĂŒr einen Staat, dessen erste Pflicht der Schutz seiner BĂŒrger sein sollte.

Was bleibt?

Deutschland braucht dringend eine Politik, die wieder fĂŒr dieses Land und seine Menschen regiert – und nicht gegen sie. Sicherheit ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht. Solange dieser einfache Grundsatz in Berlin nicht wieder ernst genommen wird, werden Meldungen wie diese leider zur traurigen NormalitĂ€t gehören. Und genau das dĂŒrfen und wollen wir nicht lĂ€nger hinnehmen.

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