Kettner Edelmetalle
25.03.2026
06:01 Uhr

ZDF-Hofberichterstattung: Wie der Staatsfunk das AuswÀrtige Amt in Watte packt

Man stelle sich vor, ein öffentlich-rechtlicher Sender produziert eine vierteilige Dokumentationsreihe ĂŒber eines der umstrittensten Ministerien der vergangenen Jahre – und vergisst dabei schlicht, auch nur eine einzige kritische Frage zu stellen. Was klingt wie eine Satire aus der Feder eines besonders zynischen Kabarettisten, ist seit wenigen Tagen in der ZDF-Mediathek RealitĂ€t geworden. „Die Diplomaten – Inside AuswĂ€rtiges Amt" nennt sich das Werk, das ĂŒber zweieinhalb Stunden lang den Zuschauer mit einer Mischung aus Imagefilm und politischer EinschlĂ€ferung beglĂŒckt.

Schwimmen am Beckenrand statt journalistischer Tiefgang

Die Pressemappe des Senders verspricht vollmundig einen Blick in eine „verborgene Welt hinter verschlossenen TĂŒren". Über ein Jahr lang habe man Diplomaten rund um den Globus begleitet – von Washington ĂŒber Jerusalem bis zu den Fidschi-Inseln. Doch wer sich nun auf investigativen Journalismus freut, wird bitter enttĂ€uscht. Statt eines echten Tiefgangs paddeln die Reporter vorsichtig am Beckenrand entlang, peinlich darauf bedacht, niemandem auf die FĂŒĂŸe zu treten. Die wirklich brisanten Fragen? Werden konsequent ausgespart.

Wo bleibt etwa die Aufarbeitung der Visa-AffĂ€re, bei der es um die Einreiseermöglichung nach Deutschland trotz gefĂ€lschter PĂ€sse ging? Wo die kritische Beleuchtung dubioser Aufnahmezusagen fĂŒr vermeintliche afghanische OrtskrĂ€fte, in deren Zusammenhang immerhin die Staatsanwaltschaft ermittelte? FĂŒr die ZDF-Macher offenbar ein zu heißes Eisen. Man könnte ja jemanden verĂ€rgern – und dann womöglich beim nĂ€chsten Mal nicht mehr mitfliegen dĂŒrfen.

Das ĂŒbliche Feindbild: Amerika und Israel

Was die Dokumentation an journalistischer Substanz vermissen lĂ€sst, macht sie durch ideologische Schlagseite mehr als wett. Die erste Episode widmet sich fast vollstĂ€ndig dem deutsch-amerikanischen VerhĂ€ltnis – und gerĂ€t dabei zur erwartbaren Abrechnung mit Donald Trump. Der US-PrĂ€sident wird als unberechenbarer Störenfried gezeichnet, wĂ€hrend die Frage, ob sich nicht vielleicht Europa von den USA entfernt hat und nicht umgekehrt, gar nicht erst gestellt wird.

Besonders entlarvend: WĂ€hrend der deutsche Botschafter in Washington, Jens Hanefeld, sich tatsĂ€chlich diplomatisch zurĂŒckhĂ€lt, dĂŒrfen diverse Journalisten und Kommentatoren unwidersprochen behaupten, die USA seien „kein verlĂ€sslicher BĂŒndnispartner mehr" und verhielten sich „manchmal wie ein Gegner". Antiamerikanische AusfĂ€lle deutscher Politiker? Kein Thema. Die Tatsache, dass Deutschland weltpolitisch lĂ€ngst am Katzentisch sitzt und sich Bedeutung eben nicht mit noch so vielen Milliarden Euro kaufen lĂ€sst? Wird allenfalls am Rande gestreift, ohne die eigentlichen Ursachen zu benennen.

Israel-Berichterstattung mit gefÀhrlicher Schieflage

Noch problematischer wird es in der zweiten Folge, die sich dem Nahen Osten widmet. Dem Terrorangriff vom 7. Oktober, der den gesamten Gaza-Krieg auslöste und bei dem ĂŒber tausend israelische Zivilisten bestialisch ermordet wurden, werden weniger als 60 Sekunden eingerĂ€umt. Die PalĂ€stinenser in der Westbank hingegen bekommen fast zehn Minuten – natĂŒrlich ausschließlich als Opfer dargestellt.

Besonders bemerkenswert: Die stellvertretende Leiterin der deutschen Vertretung in Ramallah, Ulrike Borrmann, vergleicht an der israelischen Grenzanlage diese allen Ernstes mit der Berliner Mauer. Dass die Anlage als Reaktion auf den mörderischen Intifada-Terror der PalĂ€stinenser errichtet wurde, wĂ€hrend die Berliner Mauer ein Volk einsperrte, das in die Freiheit wollte – dieser fundamentale Unterschied bleibt unerwĂ€hnt. Ein Vergleich, der an Geschichtsvergessenheit kaum zu ĂŒberbieten ist.

Dass der ehemalige Botschafter Steffen Seibert – ein Quereinsteiger ohne jede diplomatische Erfahrung, der seinen Posten als Belohnung fĂŒr treue Regierungssprecherdienste unter Angela Merkel erhielt – die israelische Regierung mehrfach derart brĂŒskierte, dass er einbestellt wurde, erfĂ€hrt der Zuschauer ebenfalls nicht. Ebenso wenig wie die Tatsache, dass Annalena Baerbock 17 Israel-Hasser ins AuswĂ€rtige Amt einlud.

Baerbocks Scherben im Weichzeichner

Teil drei der Reihe hĂ€tte die Chance geboten, die desaströse Amtszeit der grĂŒnen Außenministerin kritisch aufzuarbeiten. Stattdessen darf Baerbock im Weichzeichner glĂ€nzen. Sie habe das AuswĂ€rtige Amt „moderner, diverser, wertebasierter" machen wollen, heißt es wohlwollend. FĂŒr die einen sei sie „zu moralisch, zu belehrend" gewesen, fĂŒr die anderen „nicht konsequent genug". Eine diplomatische Formulierung, die den tatsĂ€chlichen Schaden elegant kaschiert.

Denn was alles gnĂ€dig unter den Tisch fĂ€llt, ist beachtlich: Baerbocks öffentliche Aussage „Wir befinden uns im Krieg mit Russland", die diplomatisch einer Bombe gleichkam. Ihre Bezeichnung des chinesischen Staatschefs als „Diktator Xi". Die lautstarke Auseinandersetzung mit Israels Premierminister Netanjahu. Die ideologisch motivierte Umbenennung des traditionsreichen Bismarck-Zimmers im AuswĂ€rtigen Amt. Die Abschaffung essenzieller Eignungstests fĂŒr Bewerber, wodurch die einst hohen Standards der deutschen Diplomatenauswahl geschleift wurden. All das – kein Wort.

Stattdessen sehen wir minutenlange Szenen, in denen Baerbock ihrem Nachfolger Johann Wadephul ihr BĂŒro bei den Vereinten Nationen zeigt. Ein Herz und eine Seele, als hĂ€tte es nie Kritik gegeben. Was fĂŒr ein Armutszeugnis fĂŒr den öffentlich-rechtlichen Journalismus.

Die Klima-ErzĂ€hlung darf natĂŒrlich nicht fehlen

Damit auch wirklich jedes ideologische KĂ€stchen abgehakt wird, verschlĂ€gt es die Dokumentation in der vierten Folge auf die Fidschi-Inseln. Dort darf eine indigene Frau dem deutschen Botschafter erklĂ€ren, sie sei â€žĂŒberzeugt, dass wir Menschen fĂŒr den Klimawandel verantwortlich sind". Das musste offenbar unbedingt noch sein – schließlich wĂ€re eine ZDF-Produktion ohne die große KlimaerzĂ€hlung so unvollstĂ€ndig wie ein GrĂŒnen-Parteitag ohne Gendersternchen.

Immerhin blitzt kurz ein interessanter Aspekt auf: die Mechanik internationaler Diplomatie nach dem Prinzip „Gibst du mir, geb' ich dir". Pazifische Inselstaaten unterstĂŒtzen bei den Vereinten Nationen Resolutionen gegen Russland, dafĂŒr erhofft sich Deutschland UnterstĂŒtzung fĂŒr eigene Kandidaturen bei wichtigen Posten. Doch kaum wird es spannend, wendet sich die Kamera schon wieder ab. Tiefgang? Nicht mit dem ZDF.

Katzbuckeln vor der Macht – auf Kosten der GebĂŒhrenzahler

Was bleibt nach zweieinhalb Stunden? Die ernĂŒchternde Erkenntnis, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland lĂ€ngst nicht mehr als kritisches Korrektiv der Politik fungiert, sondern als deren willfĂ€hriger Hofberichterstatter. Man katzbuckelt vor den MĂ€chtigen, damit man weiterhin mitreisen darf – und produziert dann solch verzichtbare Lobhudeleien, fĂŒr die der BĂŒrger auch noch zwangsweise bezahlen muss.

Die 13.000 Mitarbeiter des AuswĂ€rtigen Amtes werden als fleißige, kompetente WeltbĂŒrger portrĂ€tiert, die keinen „Nine-to-five"-Job machen und hart arbeiten. Mag sein. Doch ein Journalismus, der sich darauf beschrĂ€nkt, die Selbstdarstellung eines Ministeriums ungeprĂŒft zu ĂŒbernehmen, hat seinen Namen nicht verdient. Er ist nichts anderes als staatlich finanzierte Propaganda – verpackt in hĂŒbsche Bilder von Fidschi-Inseln und New Yorker Jogging-Runden.

Einen Ausstrahlungstermin im linearen Fernsehen gibt es ĂŒbrigens noch nicht. Sollte er kommen, wĂ€re ein Sendeplatz gegen halb eins nachts wohl die angemessenste Wahl. Dann stört die Sendung wenigstens niemanden beim Einschlafen.

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