
Zalando-Schock für Thüringen: 2700 Arbeitsplätze vor dem Aus

Die ostdeutsche Wirtschaft wird von einer weiteren Hiobsbotschaft erschüttert. Der Berliner Online-Moderiese Zalando hat am Donnerstag überraschend die Schließung seines Logistikzentrums in Erfurt zum Ende September angekündigt. Rund 2700 Beschäftigte stehen damit vor einer ungewissen Zukunft – ein schwerer Schlag für die thüringische Landeshauptstadt und die gesamte Region.
Schweigen über die wahren Gründe
Was die Ankündigung besonders bitter macht: Der Dax-Konzern hüllt sich in bezeichnendes Schweigen, wenn es um die konkreten Hintergründe der Entscheidung geht. Keine Erklärung, warum ausgerechnet der Erfurter Standort weichen muss. Keine Aussagen zu möglichen Versetzungen an andere Logistikzentren. Keine Details zu einem etwaigen Sozialplan. Die Mitarbeiter wurden lediglich darüber informiert, dass ihre Arbeitsplätze in wenigen Monaten Geschichte sein werden.
Man werde „zeitnah in Gespräche mit Arbeitnehmervertretern treten", ließ das Unternehmen verlauten. Weitere Informationen sollen folgen. Für die Betroffenen klingt das wie blanker Hohn – schließlich müssen sie nun mit der Ungewissheit leben, während die Konzernzentrale in Berlin offenbar längst andere Prioritäten gesetzt hat.
Ein weiterer Tiefschlag für den Osten
Das Erfurter Logistikzentrum gehörte zu den größeren Standorten des Unternehmens in Deutschland und war ein zentraler Arbeitgeber in der Region. Die wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Entscheidung dürften erheblich sein – nicht nur für die direkt Betroffenen, sondern auch für Zulieferer, Dienstleister und den lokalen Einzelhandel.
Diese Entwicklung reiht sich ein in ein besorgniserregendes Muster. Während die Politik nicht müde wird, von „blühenden Landschaften" und wirtschaftlicher Angleichung zu schwadronieren, zeigt die Realität ein anderes Bild. Ostdeutsche Standorte scheinen bei Konzernentscheidungen regelmäßig den Kürzeren zu ziehen. Die strukturellen Unterschiede zwischen Ost und West, mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung, bleiben ein ungelöstes Problem – eines, das die aktuelle Wirtschaftspolitik offensichtlich nicht in den Griff bekommt.
Symptom einer verfehlten Standortpolitik
Die Zalando-Schließung ist mehr als nur eine unternehmerische Einzelentscheidung. Sie ist ein Symptom für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland insgesamt. Hohe Energiekosten, überbordende Bürokratie und eine Steuerlast, die Unternehmen zunehmend in die Flucht treibt – all das macht sich bemerkbar. Dass es ausgerechnet einen ostdeutschen Standort trifft, überrascht dabei kaum noch.
Für die 2700 Beschäftigten in Erfurt beginnt nun ein banger Wettlauf gegen die Zeit. Sie müssen hoffen, dass die angekündigten Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern mehr als nur Lippenbekenntnisse sind. Die Erfahrung lehrt jedoch, dass bei solchen Massenentlassungen die Interessen der Belegschaft selten an erster Stelle stehen.










