
Wohnungsbau am Abgrund: Immobilienexperten rechnen mit der Politik ab

Deutschland baut zu wenig, zu langsam und zu teuer â das ist keine neue Erkenntnis, doch die SchĂ€rfe, mit der die sogenannten Immobilienweisen nun der Politik die Leviten lesen, hat es in sich. In ihrem aktuellen FrĂŒhjahrsgutachten, das am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde, zeichnen die Experten ein dĂŒsteres Bild des deutschen Wohnungsmarktes. Und sie machen unmissverstĂ€ndlich klar, wer die Hauptschuld an der Misere trĂ€gt: die politischen EntscheidungstrĂ€ger in Bund und LĂ€ndern.
Nur 235.000 Wohnungen â ein Armutszeugnis fĂŒr den Standort Deutschland
Die nackten Zahlen sprechen eine brutale Sprache. Im laufenden Jahr 2025 dĂŒrften gerade einmal 235.000 Wohnungen fertiggestellt werden. Das sind noch weniger als die ohnehin schon mageren 251.900 Einheiten des Vorjahres. Und es wird zunĂ€chst noch schlimmer: FĂŒr 2026 prognostizieren die Experten einen weiteren RĂŒckgang auf nur noch 215.000 Wohnungen. Erst 2027 könnte es zaghaft wieder aufwĂ€rts gehen. Wohlgemerkt: Der tatsĂ€chliche jĂ€hrliche Bedarf liegt nach Berechnungen der Immobilienweisen bei 257.400 Wohneinheiten â und zwar bis zum Jahr 2040. Die LĂŒcke zwischen Bedarf und RealitĂ€t klafft also immer weiter auseinander.
Besonders dramatisch ist die Situation in den GroĂstĂ€dten. Berlin, das aufgrund des massiven Zuzugs aus dem In- und Ausland zu den StĂ€dten mit dem höchsten Bedarf gehört, kommt bei weitem nicht hinterher. In Stuttgart wurden bislang sogar nur 40 Prozent des benötigten Wohnungsneubaus realisiert. Vierzig Prozent! Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine der wirtschaftsstĂ€rksten Regionen Europas schafft es nicht einmal, die HĂ€lfte des notwendigen Wohnraums bereitzustellen.
Die Politik als Bremsklotz statt als Problemlöser
Zwar rĂ€umen die Gutachter ein, dass die Bundesregierung unter Friedrich Merz einige MaĂnahmen auf den Weg gebracht habe â etwa die Reaktivierung der KfW-Förderung fĂŒr EffizienzhĂ€user mit dem weniger strengen Standard EH55 oder den sogenannten Bau-Turbo, der Abweichungen vom bestehenden Bauplanungsrecht ermöglicht. Doch das Urteil fĂ€llt vernichtend aus: Der Bau-Turbo weise zwar âin die richtige Richtung", sei aber ânoch kein Gamechanger". Weitere wichtige Punkte wĂŒrden nur im Schneckentempo vorangebracht oder schlicht ignoriert.
Besonders hart gehen die Experten mit der Mietregulierung ins Gericht. Die Regierung nehme allein âkurzfristige Mieterinteressen" in den Blick, so die Kritik. SchĂ€rfere Regeln fĂŒr die Mietpreisbremse, neue MietwuchertatbestĂ€nde, Regulierungen fĂŒr möbliertes Wohnen und Kurzzeitvermietungen sowie gedeckelte Indexmieten â all das möge populistisch gut klingen, zerstöre aber systematisch die Anreize fĂŒr private Investoren, neuen Wohnraum zu schaffen. Die Folge sei absehbar: Der Abstand zwischen Bestands- und Neumieten wachse, die MobilitĂ€t auf dem Wohnungsmarkt sinke, und der Angebotsengpass verschĂ€rfe sich langfristig weiter.
âEs ist absehbar, dass keine nennenswerten Impulse zu erwarten sind und sogar die Anreize fĂŒr Bauinvestitionen aufgrund von angekĂŒndigten VerschĂ€rfungen des Mietrechts und Vergesellschaftungsgedankenspielen sinken."
Vergesellschaftungsgedankenspiele â allein dieses Wort sollte jedem marktwirtschaftlich denkenden BĂŒrger einen kalten Schauer ĂŒber den RĂŒcken jagen. Dass im Deutschland des 21. Jahrhunderts ernsthaft ĂŒber die Enteignung privater Wohnungsunternehmen diskutiert wird, ist ein Offenbarungseid fĂŒr den Zustand unserer politischen Debattenkultur. Wer Investoren mit Enteignungsphantasien verschreckt, darf sich nicht wundern, wenn niemand mehr Geld in den Wohnungsbau steckt.
Die Grunderwerbsteuer: Eine Mauer gegen den Traum vom Eigenheim
Einen besonders wunden Punkt sprechen die Immobilienweisen mit der Grunderwerbsteuer an. Diese wirke als regelrechte âMarkteintrittsbarriere", so das Gutachten. Gerade fĂŒr junge Familien, die sich den Traum von den eigenen vier WĂ€nden erfĂŒllen wollen, seien die hohen Erwerbsnebenkosten oft der entscheidende Stolperstein. In manchen BundeslĂ€ndern liegt der Steuersatz mittlerweile bei 6,5 Prozent â ein Betrag, der bei einer durchschnittlichen Immobilie schnell fĂŒnfstellig wird und den ohnehin schon knappen Eigenkapitalpuffer junger KĂ€ufer aufzehrt.
Die konkrete Forderung der Experten: Der Bund solle schnellstmöglich eine Ăffnungsklausel schaffen, damit die LĂ€nder AusnahmetatbestĂ€nde fĂŒr Selbstnutzer, FreibetrĂ€ge und gestaffelte SteuersĂ€tze einfĂŒhren können. Doch obwohl sowohl CDU als auch CSU dem Thema grundsĂ€tzlich aufgeschlossen gegenĂŒberstĂŒnden und selbst Bundesbauministerin Verena Hubertz von der SPD Ende November eingerĂ€umt habe, das Thema mĂŒsse âauf den Tisch", sei bislang nichts Substanzielles geschehen. Die Grunderwerbsteuer ist eine LĂ€ndersteuer, und die LĂ€nder hĂŒten ihre Einnahmequelle wie einen Schatz â auf Kosten der BĂŒrger, die sich kein Eigentum mehr leisten können.
Deutschland: Land der Mieter, nicht der EigentĂŒmer
Es ist ein Trauerspiel, das sich seit Jahren wiederholt. Deutschland hat im europĂ€ischen Vergleich eine der niedrigsten Wohneigentumsquoten. WĂ€hrend in LĂ€ndern wie Spanien, Italien oder Polen die Mehrheit der Menschen in den eigenen vier WĂ€nden lebt, bleibt der Deutsche ein Volk von Mietern. Das hat Konsequenzen â nicht nur fĂŒr die individuelle Vermögensbildung, sondern auch fĂŒr die gesellschaftliche StabilitĂ€t. Wer Eigentum besitzt, hat ein anderes VerhĂ€ltnis zu seiner Umgebung, zu seiner Gemeinde, zu seinem Land. Die Politik scheint das entweder nicht zu verstehen oder bewusst zu ignorieren.
KapazitĂ€tsabbau droht â ein Teufelskreis
Besonders alarmierend ist die Warnung der Gutachter vor einem drohenden KapazitĂ€tsabbau in der Baubranche. Falls bei weiter schwacher Konjunktur verstĂ€rkt Personal und ProduktionskapazitĂ€ten abgebaut wĂŒrden, wĂ€re die kĂŒnftige Fertigstellung neuer Wohnungen zusĂ€tzlich beeintrĂ€chtigt. Ein klassischer Teufelskreis: Weniger AuftrĂ€ge fĂŒhren zu weniger FachkrĂ€ften, weniger FachkrĂ€fte fĂŒhren zu weniger BaukapazitĂ€t, weniger BaukapazitĂ€t fĂŒhrt zu weniger Wohnungen â und die Preise steigen weiter.
Die Zahlen bestĂ€tigen diesen Trend bereits. Im vierten Quartal 2025 lagen die Angebotsmieten bundesweit um 4,1 Prozent ĂŒber dem Vorjahreswert. Die Kaufpreise fĂŒr Eigentumswohnungen stiegen um 3,8 Prozent, fĂŒr Ein- und ZweifamilienhĂ€user um 2,8 Prozent. FĂŒr 2026 werden weitere Anstiege erwartet. Wer heute nicht kauft, wird morgen noch mehr bezahlen mĂŒssen â sofern er es sich dann ĂŒberhaupt noch leisten kann.
Was wirklich nötig wÀre
Die Forderungen der Immobilienweisen sind im Grunde so simpel wie einleuchtend: schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren durch digitalisierte und personell ausreichend ausgestattete BauĂ€mter, eine Reduktion der Baukosten durch den sogenannten GebĂ€udetyp E â der auf ĂŒberzogene Komfort- und Ausstattungsstandards verzichtet â, eine Senkung der Erwerbsnebenkosten und eine Mietregulierung, die nicht nur kurzfristige Mieterinteressen bedient, sondern auch langfristige Investitionsanreize erhĂ€lt.
Doch wer die deutsche Politik der letzten Jahre beobachtet hat, weiĂ: Zwischen Erkenntnis und Umsetzung liegen in diesem Land oft Legislaturperioden. Die Ampel-Koalition ist an ihren eigenen WidersprĂŒchen zerbrochen, und die neue GroĂe Koalition unter Merz scheint bislang nicht den Mut aufzubringen, die strukturellen Probleme des Wohnungsmarktes entschlossen anzupacken. Stattdessen wird an Symptomen herumgedoktert, wĂ€hrend die Krankheit fortschreitet.
In Zeiten, in denen die Bundesregierung ein 500 Milliarden Euro schweres Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur auf den Weg bringt und damit kommende Generationen mit Schulden belastet, wĂ€re es das Mindeste, auch den Wohnungsbau als das zu behandeln, was er ist: eine Frage der sozialen Grundversorgung und der wirtschaftlichen Vernunft. Doch solange ideologische Scheuklappen und fiskalische Egoismen der LĂ€nder den Blick verstellen, wird sich an der Wohnungsmisere wenig Ă€ndern.
Edelmetalle als Anker in unsicheren Zeiten
Angesichts steigender Immobilienpreise, wachsender Unsicherheit auf den WohnungsmĂ€rkten und einer Politik, die mehr Probleme schafft als löst, rĂŒcken physische Edelmetalle wie Gold und Silber einmal mehr als verlĂ€ssliche SĂ€ule der Vermögenssicherung in den Fokus. WĂ€hrend Immobilien zunehmend durch Regulierung, Steuerlast und BĂŒrokratie an AttraktivitĂ€t verlieren, bieten Edelmetalle einen bewĂ€hrten Schutz gegen Inflation und politische UnwĂ€gbarkeiten â ohne die AbhĂ€ngigkeit von staatlichen Genehmigungsverfahren oder Steuererhöhungen.
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