
Wenn das Patriarchat zum Prüfungsstoff wird: Innsbrucker Gymnasium adelt Feminismus zum Abitur-Fach

Es gab eine Zeit, da galt das Abitur – oder in Österreich die Matura – als Krönung schulischer Bildung. Mathematik, Sprachen, Naturwissenschaften, Geschichte: solides Rüstzeug für ein selbstbestimmtes Leben. Heute jedoch dürfen sich Schüler eines staatlichen Gymnasiums in Innsbruck offenbar darüber freuen, ihre Reifeprüfung über „toxische Männlichkeit“, Catcalling und Safe Spaces abzulegen. Willkommen im pädagogischen Zeitalter der ideologischen Selbstvergewisserung.
Vom Wahlmodul zum Prüfungsfach
Am Innsbrucker Reithmanngymnasium können Schüler künftig im Themenbereich Feminismus zur mündlichen Matura antreten. Was vor fünf Jahren als Wahlmodul begann, wurde nun zum aufbauenden Zweiermodul erweitert – und erfüllt damit die formalen Voraussetzungen, um als Prüfungsfach gewählt zu werden. Die Schüler beschäftigten sich, so heißt es, mit dem weiblichen Körper, mit Beziehungsgewalt, mit Catcalling und – man höre und staune – mit der Erstellung eines „feministischen Alphabets“.
Die Mitgründerin des Moduls erklärte gegenüber einer österreichischen Tageszeitung, der Unterricht sei zu einem „Safe Space“ geworden. Die Schüler erkennten, dass ihre negativen Erfahrungen keine persönlichen Probleme seien, sondern mit dem „Patriarchat als System“ zusammenhingen. Das Angebot sei stark nachgefragt und nahezu ausgebucht.
Bildung oder Gesinnungstraining?
Man darf an dieser Stelle eine ketzerische Frage stellen: Seit wann ist es Aufgabe einer staatlichen Schule, Jugendlichen eine politische Weltanschauung als Prüfungsstoff zu verabreichen? Ein Fach, das junge Menschen lehrt, in jeder Begegnung das angebliche Wirken eines unterdrückerischen „Systems“ zu erkennen, betreibt keine Bildung – es betreibt Indoktrination. Wer kritisches Denken fördern will, müsste auch die Einwände gegen den Feminismus zur Diskussion stellen.
Eine Schule, die einen „Safe Space“ verspricht, an dem nur eine Sichtweise gilt, ist das genaue Gegenteil eines Ortes der freien geistigen Auseinandersetzung.
Bezeichnend ist auch, was in solchen Modulen geflissentlich ausgeklammert wird. Wer ernsthaft über Gewalt gegen Frauen, über Unterdrückung und die Verweigerung von Selbstbestimmung sprechen will, müsste die unbequemen Realitäten unserer Zeit benennen: importierte Frauenfeindlichkeit, sogenannte Ehrenmorde, die systematische Ungleichbehandlung von Frauen in bestimmten Kulturkreisen. Doch diese Themen passen nicht ins ideologische Korsett – sie würden die schöne Erzählung vom allgegenwärtigen westlichen „Patriarchat“ empfindlich stören.
Ein Trend mit System
Innsbruck ist kein Einzelfall. Auch ein Wiener Gymnasium bietet die Matura im Themenbereich Feminismus an. Und der Blick über die Grenze nach Deutschland stimmt nicht hoffnungsvoller: Hier werden Schulen mit fragwürdigen Programmen überzogen, während Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen bei einem erschreckend großen Teil der Schüler im Argen liegen. Man fragt sich, ob die Prioritäten unserer Bildungspolitik noch im rechten Lot stehen.
Während die Lehrpläne immer bunter werden, sinkt das Bildungsniveau messbar. Vielleicht sollten wir uns wieder auf das besinnen, was Schule eigentlich leisten sollte: junge Menschen zu mündigen, kritisch denkenden Bürgern zu erziehen – und nicht zu Stichwortgebern einer Ideologie, die in jeder Lebenslage ein neues Opfernarrativ entdeckt. Solide Bildung statt aktivistischer Beliebigkeit: Das wäre ein Abiturthema, über das zu reden sich wirklich lohnte.
- Themen:
- #Grüne










