
Weihnachtsbescherung auf Steuerzahlerkosten: Wenn Volksvertreter das iPhone-Fieber packt

Alle Jahre wieder â doch diesmal nicht unterm heimischen Tannenbaum, sondern im Berliner ReichstagsgebĂ€ude. Kurz bevor die Glocken lĂ€uten und die Lichter am Baum flackern, bricht in den BĂŒros unserer Abgeordneten offenbar ein ganz besonderes Fieber aus. Kein Grippe-Virus, sondern das âGeschenke-Fieberâ. Und bezahlt wird die Freude, wie sollte es anders sein, aus der Tasche des braven deutschen Steuerzahlers.
1,46 Millionen Euro fĂŒr die digitale Grundausstattung
Die nackten Zahlen, ĂŒber die zunĂ€chst die Bild-Zeitung berichtete, lesen sich wie ein Katalog der Selbstbedienung: Sage und schreibe 1.670 Smartphones und Tablets wurden im Jahr 2025 ĂŒber die Sachmittelkonten der 630 Bundestagsabgeordneten angeschafft. Darunter 950 iPhones, 420 iPads sowie ein paar Samsung-GerĂ€te zur Abrundung des Sortiments. Gesamtkosten? Stolze 1.464.567 Euro.
Rechnen wir das einmal herunter: Auf jeden einzelnen Volksvertreter entfielen damit rund 2,6 GerĂ€te â und das binnen eines einzigen Jahres. Wer die Rechnung auf eine komplette Legislaturperiode hochrechnet, kommt auf ĂŒber zehn Smartphones oder Tablets pro Kopf. Man fragt sich unweigerlich: Wie viele HĂ€nde hat ein Abgeordneter eigentlich?
Der verrÀterische Blick auf den Kalender
Besonders pikant wird die Angelegenheit, wenn man den Zeitpunkt der Bestellungen betrachtet. Denn 43,5 Prozent aller GerĂ€te wurden erst im letzten Quartal des Jahres geordert. Zwischen Oktober und Dezember gingen 402 iPhones und 191 iPads im Wert von fast 550.000 Euro ĂŒber die Ladentheke. PĂŒnktlich zum Fest der Liebe â welch ein Zufall.
âUnter Mitarbeitern ist bekannt, dass bei einigen Abgeordneten Smartphones â nach kurzer Nutzung oder als NeugerĂ€te â auch an Verwandte oder an Dritte verschenkt oder weitergegeben werden.â
So schilderte es ein langjĂ€hriger BĂŒroleiter. Nach SchĂ€tzungen sollen jĂ€hrlich GerĂ€te im Wert von rund 270.000 Euro abgerechnet werden, ohne dass sie ausschlieĂlich dienstlichen Zwecken dienten. Ein offenes Geheimnis, das seit Jahren durch die Flure des Parlaments geistere: Wer sein Budget bis zum Jahresende nicht ausgeschöpft habe, der greife eben noch schnell zum Apfel-Produkt. FĂŒr den Ehepartner, die Kinder, den Parteifreund.
âDie unselige Pauschale muss wegâ
Rainer Holznagel, PrĂ€sident des Bundes der Steuerzahler, findet deutliche Worte. Das Sachleistungskonto lade geradezu âzum krassen Missbrauch einâ, so seine EinschĂ€tzung. Seine Forderung: Die Pauschale mĂŒsse in dieser Form verschwinden. KĂŒnftig sollten Sachleistungskonto, steuerfreie Kostenpauschale und DiĂ€ten zusammengefĂŒhrt und vollstĂ€ndig versteuert werden. Ein Vorschlag, dem man kaum widersprechen kann.
Die Verwaltung wiegelt ab â âSogar Ikea-Bretter werden geprĂŒftâ
Und wie reagiert der Apparat? Selbstredend mit einem mĂŒden Schulterzucken. Ein Sprecher der Bundestagsverwaltung verweist darauf, dass nach der Bundestagswahl zahlreiche Abgeordnete erstmals eingezogen seien und ihre BĂŒros hĂ€tten neu ausstatten mĂŒssen. Eine Abgeordnete versichert gar, sĂ€mtliche Anschaffungen wĂŒrden penibel geprĂŒft â âsogar die Ikea-Bretterâ, die als Regale dienten. Wie beruhigend. Da werden also die Pressspanplatten aus Schweden akribisch kontrolliert, wĂ€hrend die iPhones zu Dutzenden in privaten Jackentaschen verschwinden.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: In einem Land, in dem der BĂŒrger jeden Cent zweimal umdrehen muss, in dem die kalte Progression zuschlĂ€gt und die Inflation die Ersparnisse auffrisst, gönnt sich die politische Klasse die neueste Technik als WeihnachtsprĂ€sent auf fremde Rechnung. Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist ein Sinnbild fĂŒr die Entfremdung zwischen Regierenden und Regierten.
Ein Symptom eines gröĂeren Problems
Dieser Fall reiht sich nahtlos ein in eine lange Kette von Beispielen fĂŒr den sorglosen Umgang mit öffentlichen Geldern. WĂ€hrend die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz Sondervermögen in dreistelliger Milliardenhöhe auflegt und kĂŒnftige Generationen mit Schulden belastet, obwohl der Kanzler einst das Gegenteil versprach, offenbart sich im Kleinen dieselbe MentalitĂ€t: Es ist ja nicht das eigene Geld. Der Steuerzahler zahlt schon.
Es wĂ€re höchste Zeit, dass sich in Berlin ein neues Bewusstsein durchsetzt â ein Bewusstsein dafĂŒr, dass jeder Euro auf diesen Sachmittelkonten hart erarbeitet wurde. Von Menschen, die morgens zur Arbeit gehen und sich fragen, warum am Ende des Geldes immer noch so viel Monat ĂŒbrig ist. Solange jedoch Systeme bestehen, die Missbrauch geradezu einladen, wird sich nichts Ă€ndern.
Was der kluge BĂŒrger daraus lernt
Wenn selbst gewĂ€hlte Volksvertreter das ihnen anvertraute Geld derart groĂzĂŒgig verteilen, sollte jeder Einzelne umso sorgsamer mit dem eigenen Vermögen umgehen. In Zeiten, in denen der Staat Schulden anhĂ€uft und die Kaufkraft der WĂ€hrung schwindet, gewinnen Sachwerte an Bedeutung. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrhunderte als verlĂ€sslicher Anker in stĂŒrmischen Zeiten bewĂ€hrt â als sinnvolle Beimischung zu einem breit gestreuten Vermögensportfolio und als Schutz vor der Entwertung, die politische Sorglosigkeit mit sich bringt.
Hinweis: Der vorliegende Beitrag stellt keine Anlageberatung dar und gibt ausschlieĂlich die Meinung unserer Redaktion sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigenstĂ€ndig recherchieren. Ebenso handelt es sich bei den AusfĂŒhrungen zu steuerlichen Fragen nicht um eine Steuer- oder Rechtsberatung; wenden Sie sich hierfĂŒr bitte an einen qualifizierten Fachberater.
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