
Washingtons Heuchelei: Wenn der Bock zum GĂ€rtner wird
Die jĂŒngsten Drohungen des US-Finanzministers Scott Bessent gegenĂŒber China offenbaren einmal mehr die eklatante Doppelmoral der amerikanischen AuĂenpolitik. Nachdem Peking vergangene Woche umfassende Exportkontrollen fĂŒr Seltene Erden und andere kritische Mineralien angekĂŒndigt hatte, verlor Bessent völlig die Contenance und warf China vor, nach einem "leninistischen GeschĂ€ftsmodell" zu handeln, bei dem es eine gute Idee sei, seinen Kunden zu schaden.
Der wahre Aggressor zeigt mit dem Finger auf andere
Man möchte dem 63-jĂ€hrigen Finanzminister zurufen: Schauen Sie doch einmal in den Spiegel! Wer hat denn in den vergangenen Jahren systematisch das globale Handelssystem mit nahezu universellen Zöllen untergraben? Wer hat chinesische Unternehmen und ganze Industriezweige mit Sanktionen, schwarzen Listen und fragwĂŒrdigen Strafverfolgungen ĂŒberzogen? Die Antwort kennt jeder, der die internationale Politik auch nur oberflĂ€chlich verfolgt: Es sind die Vereinigten Staaten unter Donald Trump, die seit Januar 2025 wieder das Zepter schwingen.
Mit 20 Prozent Zöllen auf EU-Importe, 34 Prozent auf chinesische Waren und 25 Prozent auf Produkte aus Mexiko und Kanada hat Trump ein Handelschaos angerichtet, das seinesgleichen sucht. Und nun beschwert sich sein Finanzminister darĂŒber, dass China auf diese Provokationen reagiert?
Die Entkopplungs-Drohung als Zeichen der SchwÀche
Bessents Drohung, nicht nur die USA, sondern gleich die ganze Welt von China abzukoppeln, klingt wie die verzweifelten Worte eines Mannes, der seine eigene Machtlosigkeit nicht wahrhaben will. "Wenn China ein unzuverlĂ€ssiger Partner fĂŒr die Welt sein will, dann wird sich die Welt entkoppeln mĂŒssen", polterte er diese Woche. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Mit welcher AutoritĂ€t spricht dieser Mann fĂŒr "die Welt"?
"Die Welt will sich nicht entkoppeln. Wir wollen Risiken reduzieren. Aber Signale wie diese Exportkontrollen sind Zeichen einer Entkopplung, von der wir nicht glauben, dass China sie will."
Diese Aussage trieft nur so vor Heuchelei. Wer hat denn jahrelang auf eine Entkopplung hingearbeitet? Wer hat verbĂŒndete LĂ€nder unter Druck gesetzt, sich der EindĂ€mmungspolitik gegen China anzuschlieĂen? Die Antwort ist so offensichtlich wie beschĂ€mend fĂŒr Washington.
Shakespeare hÀtte seine Freude gehabt
Bessents DrohgebĂ€rden erinnern fatal an König Lear aus Shakespeares gleichnamigem Drama: "Ich werde solche Rache an euch beiden nehmen, dass die ganze Welt â ich werde solche Dinge tun â was sie sind, weiĂ ich noch nicht, aber sie werden der Schrecken der Erde sein!" GroĂe Worte eines alten Mannes, der seine Macht schwinden sieht.
Die RealitĂ€t sieht anders aus: China wird sich von solchen theatralischen Drohungen kaum beeindrucken lassen. Zu offensichtlich ist, dass die jĂŒngsten chinesischen Exportkontrollen eine direkte Antwort auf Washingtons jahrelangen Technologie- und Handelskrieg darstellen. Wer Wind sĂ€t, wird Sturm ernten â diese alte Weisheit scheint in den Hallen des US-Finanzministeriums in Vergessenheit geraten zu sein.
Der wahre unzuverlÀssige Partner
Wenn man Bessents Worte nimmt und einfach "China" durch "USA" ersetzt, erhĂ€lt man ein wesentlich treffenderes Bild der RealitĂ€t: Die Vereinigten Staaten sind der wahre "unzuverlĂ€ssige Partner fĂŒr die Welt". Sie haben internationale Abkommen zerrissen, langjĂ€hrige Allianzen aufs Spiel gesetzt und das regelbasierte Handelssystem, das sie selbst einst mit aufgebaut haben, mutwillig zerstört.
Die Tatsache, dass mittlerweile ĂŒber fĂŒnf Millionen Menschen in 2.100 amerikanischen StĂ€dten gegen Trumps Politik protestieren, zeigt, dass selbst viele Amerikaner die Tragweite dieser selbstzerstörerischen Politik erkannt haben. Doch statt Einsicht zu zeigen, verdoppelt die Trump-Administration ihre Anstrengungen und droht nun mit noch drastischeren MaĂnahmen.
Es bleibt zu hoffen, dass die internationale Gemeinschaft â und hier ist insbesondere Europa gefragt â endlich aufwacht und erkennt, wer hier wirklich die globale Ordnung gefĂ€hrdet. Die Zeit der bedingungslosen Gefolgschaft gegenĂŒber Washington sollte endgĂŒltig vorbei sein. Europa muss seine eigenen Interessen vertreten und sich nicht in einen Wirtschaftskrieg hineinziehen lassen, der niemandem nutzt â auĂer vielleicht einigen Ideologen in Washington, die immer noch glauben, die Welt wie zu Zeiten des Kalten Krieges dominieren zu können.
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