Kettner Edelmetalle
07.05.2026
09:31 Uhr

Wackeliger Waffenstillstand: USA und Iran tasten sich an Minimal-Deal heran

Wackeliger Waffenstillstand: USA und Iran tasten sich an Minimal-Deal heran

Was lange wie ein Pulverfass wirkte, könnte nun zumindest vorĂŒbergehend entschĂ€rft werden. Die Vereinigten Staaten und der Iran nĂ€hern sich nach Informationen aus diplomatischen Kreisen einem zeitlich befristeten Abkommen, das die seit Ende Februar tobenden Kampfhandlungen beenden soll. Doch wer hier auf einen großen Wurf hofft, dĂŒrfte enttĂ€uscht werden: Es handelt sich nicht um einen umfassenden Friedensvertrag, sondern um ein dĂŒrres einseitiges Memorandum – ein diplomatisches Pflaster auf einer klaffenden Wunde.

Drei Stufen, viele LĂŒcken

Der Entwurf, an dem in Washington, Teheran und unter pakistanischer Vermittlung gefeilt wird, sieht ein dreistufiges Vorgehen vor: ein formelles Kriegsende, die Lösung der Krise rund um die Straße von Hormus sowie ein 30-tĂ€giges Verhandlungsfenster fĂŒr ein weiterreichendes Abkommen. Ein hochrangiger pakistanischer Beamter, der zwischen den Parteien vermittelt, erklĂ€rte, die PrioritĂ€t liege darauf, dass beide Seiten ein dauerhaftes Ende der Kampfhandlungen verkĂŒnden – alles Weitere mĂŒsse spĂ€ter in direkten GesprĂ€chen geklĂ€rt werden.

Doch genau dort liegt der Haken. Die brisantesten Streitpunkte bleiben ausgeklammert: Das iranische Atomprogramm, die hochangereicherten UranbestĂ€nde von ĂŒber 400 Kilogramm nahezu waffenfĂ€higen Materials, das Raketenarsenal Teherans und seine UnterstĂŒtzung fĂŒr Stellvertretermilizen im Nahen Osten – all das taucht in dem einseitigen Papier laut den Quellen schlicht nicht auf. Washington hatte diese Punkte bislang stets als nicht verhandelbar bezeichnet. Nun werden sie offenbar elegant umschifft.

Trump gibt sich siegessicher, Teheran spöttisch

US-PrĂ€sident Donald Trump, der die Verhandlungen ĂŒber seinen Sondergesandten Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner fĂŒhren lĂ€sst, zeigte sich vor Reportern im Weißen Haus zuversichtlich. Es werde "schnell vorbei sein", ließ er verlauten, der Iran wolle "unbedingt einen Deal".

In Teheran indes herrscht ein anderer Ton. Ein Sprecher des Außenministeriums kĂŒndigte an, man werde sich zu gegebener Zeit Ă€ußern. Der Abgeordnete Ebrahim Rezaei bezeichnete den Vorschlag als "eher eine amerikanische Wunschliste als RealitĂ€t". ParlamentsprĂ€sident Mohammad Baqer Qalibaf wurde noch deutlicher und verspottete in sozialen Medien die Verhandlungen mit der Bemerkung, "Operation Trust Me Bro" sei gescheitert. Eine diplomatische Ohrfeige, die zeigt, wie tief das Misstrauen sitzt.

Saudi-Arabien als unerwarteter Stolperstein

Pikant: Trump hatte am Dienstag eine erst zwei Tage zuvor gestartete Marinemission zur Wiederöffnung der blockierten Meerenge ausgesetzt. Der Grund war laut einem NBC-News-Bericht jedoch nicht primĂ€r der Verhandlungsfortschritt, sondern eine handfeste diplomatische Verstimmung mit Saudi-Arabien. Riad habe es Washington untersagt, eine saudische Basis fĂŒr die Operation zu nutzen oder den saudischen Luftraum zu durchqueren – verĂ€rgert darĂŒber, dass Trump die Begleitung von Schiffen durch die Straße von Hormus ohne vorherige Absprache angekĂŒndigt habe. Ein bemerkenswerter Vorgang, der zeigt, wie wenig stabil die einst so engen Allianzen im Nahen Osten mittlerweile sind.

Parallel halten die US-StreitkrÀfte ihre eigene Blockade gegen iranische Schiffe aufrecht. Das US Central Command teilte mit, am Mittwoch sei ein unbeladener Tanker unter iranischer Flagge beschossen und manövrierunfÀhig gemacht worden, als dieser versucht habe, einen iranischen Hafen anzusteuern.

MĂ€rkte feiern voreilig – Öl gibt nach, Aktien jubeln

An den FinanzmĂ€rkten löste die Aussicht auf eine Teil-Einigung umgehend Reaktionen aus, die man nĂŒchtern betrachtet als reichlich euphorisch bezeichnen muss. Brent-Rohöl stĂŒrzte zwischenzeitlich um rund elf Prozent auf etwa 98 Dollar je Barrel, bevor es sich auf rund 99 Dollar einpendelte. Asiatische Aktien notierten nahe Rekordhochs, Anleiherenditen gaben nach. Takamasa Ikeda, Portfoliomanager bei GCI Asset Management, brachte es auf den Punkt: Der Inhalt des Abkommens sei dĂŒnn, doch der Markt erwarte, dass keine weiteren militĂ€rischen Aktionen folgen wĂŒrden.

Ob diese Hoffnung trĂ€gt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Ein Memorandum, das die zentralen Konflikte – Atomprogramm, Raketen, Stellvertreterkriege – schlicht ausklammert, ist letztlich nichts weiter als ein Aufschub. Die Geschichte lehrt, dass solche Übergangsvereinbarungen im Nahen Osten selten lange halten. Wer sich erinnert: Auch das Atomabkommen von 2015 wurde einst als Durchbruch gefeiert und endete bekanntlich im diplomatischen Scherbenhaufen.

Was bedeutet das fĂŒr deutsche Sparer?

WĂ€hrend die AktienmĂ€rkte jubeln und Anleger jeden geopolitischen Hoffnungsschimmer in Kursgewinne ummĂŒnzen, bleibt die fundamentale Lage angespannt. Geopolitische Krisen kommen und gehen, doch die Inflation, die explodierenden Staatsschulden und das schwindende Vertrauen in das Papiergeldsystem bleiben. Gerade in solch unsicheren Zeiten haben sich physische Edelmetalle wie Gold und Silber ĂŒber Jahrhunderte hinweg als verlĂ€sslicher Anker bewĂ€hrt – unabhĂ€ngig davon, ob in Washington und Teheran gerade verhandelt oder geschossen wird. Eine kluge Beimischung physischer Edelmetalle zu einem breit gestreuten Vermögensportfolio ist und bleibt ein Baustein realer Vermögenssicherung.

Hinweis: Die in diesem Beitrag dargestellten EinschĂ€tzungen geben die Meinung der Redaktion auf Grundlage der vorliegenden Informationen wieder und stellen ausdrĂŒcklich keine Anlageberatung dar. Anlageentscheidungen sollten stets auf Basis eigener Recherche und gegebenenfalls nach Konsultation eines unabhĂ€ngigen Fachberaters getroffen werden. FĂŒr die Folgen eigener Entscheidungen trĂ€gt jeder Anleger selbst die Verantwortung.

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