Kettner Edelmetalle
13.08.2026
13:10 Uhr
KI-generiert

Wachstums-Wunder auf der Insel – und Deutschland schaut zu!

Wachstums-Wunder auf der Insel – und Deutschland schaut zu!
Symbolbild: KI-generiert

Großbritannien wächst schneller als jede andere G7-Nation. Offizielle Daten vom Donnerstag zeigen ein Plus von 0,4 Prozent im zweiten Quartal, nach 0,6 Prozent zum Jahresauftakt. Deutschland kam im selben Zeitraum Berichten zufolge auf mickrige 0,2 Prozent.

Doch über dem britischen Aufschwung hängt ein Schatten: der Iran-Krieg und die Störungen in der Straße von Hormus.

Fußball, Hitze, Kauflaune – der Sommer rettet die Bilanz

Es klingt fast kurios: Getragen wurde das Wachstum laut den Daten von einem heißen Sommer, einer starken englischen Mannschaft bei der Fußball-WM 2026 und wieder steigender Zuversicht in den Unternehmen. Die Briten gaben schlicht mehr Geld aus als erwartet.

Noch bemerkenswerter: Die Unternehmensinvestitionen legten um 1,7 Prozent zu. Von Reuters befragte Ökonomen hatten zuvor ein Minus von 0,5 Prozent prognostiziert. Ein Analyst der Deutschen Bank sprach mit Blick auf die auf das Jahr hochgerechneten rund 2 Prozent Wachstum im ersten Halbjahr von einem "sengenden" Tempo.

"Eine gewisse Abkühlung bleibt wahrscheinlich" – aber erstmals seit Langem gebe es auch Aufwärtsrisiken, so die Einschätzung des Ökonomen.

Das Problem heißt Hormus

Der Krieg der USA und Israels mit dem Iran zieht sich hin, die Straße von Hormus – Nadelöhr für einen erheblichen Teil des weltweiten Öltransports – bleibt ein Dauerrisiko. Der Ölpreis war im Frühjahr Medienberichten zufolge zeitweise über 100 Dollar je Barrel gesprungen.

Der Internationale Währungsfonds hatte bereits im April gewarnt: Kein anderes Industrieland treffe dieser Konflikt so hart wie Großbritannien. Das Königreich ist stark von Öl- und Gasimporten abhängig und hatte zuletzt eine kräftigere Güterinflation als die meisten Vergleichsländer.

Bloomberg berichtete, das Schatzamt habe dem neuen Premierminister Andy Burnham ein Worst-Case-Szenario vorgelegt: Bei anhaltenden Störungen am Hormus könne das Wachstum im kommenden Jahr auf 0,3 Prozent einbrechen. Eine Stellungnahme des Ministeriums lag nach Angaben des Senders CNBC nicht vor.

Und Berlin? Stagnation als Dauerzustand

Während London über die Frage debattiert, wie lange der Boom trägt, kämpft Deutschland um jedes Zehntel. Das DIW hatte im Juni wegen Ölpreisschock und Iran-Krieg sogar vor einer Rezession gewarnt, das ifo-Institut erwartet für 2026 lediglich rund 0,8 Prozent Plus.

Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vergleich ein hausgemachtes Problem: hohe Energiekosten, ausufernde Bürokratie, eine Steuer- und Abgabenlast, die Leistung bestraft. Wo in Großbritannien die Privatwirtschaft anspringt, hängt hierzulande vieles am schuldenfinanzierten Staatsprogramm.

Warum das für Sparer zählt

Ein Multi-Asset-Stratege von Pictet verwies darauf, dass das britische Wachstum fast ausschließlich aus dem Dienstleistungssektor stamme – Bau und Industrieproduktion lägen im Jahresvergleich im Minus. Auch ein Volkswirt von T. Rowe Price hält die Vorstellung, der Nahost-Konflikt gehe spurlos an der Insel vorbei, für "wahrscheinlich zu schön, um wahr zu sein".

Für Anleger heißt das: Geopolitik bleibt der größte Unsicherheitsfaktor. Gold notierte im Januar bei rund 5.595 Dollar je Unze und hat sich nach der Korrektur zuletzt wieder deutlich erholt. Physische Edelmetalle können in solchen Phasen eine sinnvolle Beimischung zur Absicherung eines breit gestreuten Vermögens sein.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir geben keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst gründlich informieren.

Wissenswertes zum Thema