Kettner Edelmetalle
16.12.2025
06:38 Uhr

Verfassungsschutz Brandenburg: Wenn Autokennzeichen zur StaatsaffÀre werden

Was sich wie ein schlechter Witz anhört, ist bittere RealitĂ€t in deutschen Amtsstuben: Der Verfassungsschutz Brandenburg hat ein Faltblatt herausgegeben, das in Kfz-Zulassungsstellen des Landes ausliegt und vor vermeintlich rechtsextremen Buchstaben- und Zahlenkombinationen auf Autokennzeichen warnt. Die Behörde scheint dabei keine Grenzen zu kennen – selbst alltĂ€glichste Kombinationen werden plötzlich zu gefĂ€hrlichen Codes stilisiert.

Von „Masterrace" bis „Weltkrieg": Die absurde Codierungsliste

Die BroschĂŒre mit dem pompösen Titel „Missbrauch von Kfz-Kennzeichen – Eine Information des Verfassungsschutzes ĂŒber Feinde der Demokratie" geht weit ĂŒber die bekannten und bundesweit verbotenen Kombinationen wie „SS" oder „SA" hinaus. Unter der Rubrik „Beispiele fĂŒr rechtsextremistische Codes" finden sich Buchstabenfolgen, die jeden unbescholtenen BĂŒrger zum potentiellen VerdĂ€chtigen machen könnten.

So soll „MR" angeblich fĂŒr „Masterrace" stehen, „WK" fĂŒr „Weltkrieg", „WP" fĂŒr „White Power" und „VL" – man höre und staune – fĂŒr „Vernichtungslager". Wer also zufĂ€llig ein Kennzeichen mit diesen Buchstaben besitzt, könnte nach dieser Logik bereits unter Verdacht geraten, ein verkappter Extremist zu sein. Die AbsurditĂ€t dieser Auflistung offenbart sich jedem, der noch ĂŒber einen Funken gesunden Menschenverstand verfĂŒgt.

Zahlenmystik auf Steuerzahlerkosten

Besonders grotesk wird es bei den Zahlenkombinationen. Die Zahl „2004" soll nicht etwa auf das Geburtsjahr eines Fahrzeughalters hinweisen, sondern auf den Geburtstag Adolf Hitlers. Die Kombination „444" – wobei die Vier fĂŒr den Buchstaben D stehe – bedeute angeblich „Deutschland den Deutschen". Hier fragt man sich unweigerlich, wie viele Beamte wie viele Stunden damit verbracht haben, solche hanebĂŒchenen ZusammenhĂ€nge zu konstruieren.

Den Vogel schießt jedoch die ErklĂ€rung zur Zahl „168" ab. Der Verfassungsschutz liefert eine derart verschlungene Herleitung, dass man fast Mitleid mit den Verfassern bekommt: Die Zahl beziehe sich auf das Bombenattentat des amerikanischen Rechtsextremisten Timothy McVeigh in Oklahoma City 1995, bei dem 168 Menschen starben. Ob brandenburgische Autofahrer tatsĂ€chlich mit solchen obskuren Referenzen durch die Gegend fahren, darf mehr als bezweifelt werden.

Die AfD im Visier – natĂŒrlich

Wenig ĂŒberraschend findet sich in der BroschĂŒre auch die AfD samt ihrer aufgelösten Jugendorganisation „Junge Alternative Brandenburg" unter den aufgelisteten rechtsextremistischen Parteien – neben „Der Dritte Weg" und „Die Heimat". Die politische Stoßrichtung dieser Veröffentlichung könnte kaum deutlicher sein.

Kritik aus dem Landtag

Im Brandenburger Landtag sorgte das Faltblatt vergangene Woche fĂŒr Diskussionen. Die stellvertretende Vorsitzende der brandenburgischen AfD-Fraktion, Lena KotrĂ©, brachte die AbsurditĂ€t auf den Punkt:

„Wenn wir das Ganze weiterspinnen, dann können wir ĂŒberhaupt keine Buchstabenkombinationen auf Kennzeichen drucken, weil alles irgendwie interpretierbar ist."

TatsĂ€chlich handelt es sich bei den aufgefĂŒhrten Beispielen laut der BroschĂŒre selbst nur um einen „Auszug" – der Verfassungsschutz verfĂŒgt offenbar ĂŒber eine noch umfangreichere Sammlung vermeintlich verdĂ€chtiger Zeichenfolgen. Man mag sich kaum vorstellen, welche weiteren alltĂ€glichen Buchstaben- und Zahlenkombinationen dort noch als potentielle Gefahr fĂŒr die Demokratie eingestuft werden.

Symptom einer tieferen Krise

Diese Episode ist mehr als nur eine KuriositĂ€t aus dem deutschen Behördenalltag. Sie offenbart eine besorgniserregende Entwicklung: WĂ€hrend echte Sicherheitsbedrohungen – von islamistischem Terror bis zur explodierenden MesserkriminalitĂ€t – das Land erschĂŒttern, beschĂ€ftigen sich staatliche Stellen mit der Interpretation von Autokennzeichen. Die PrioritĂ€tensetzung deutscher Sicherheitsbehörden wirft ernsthafte Fragen auf.

Dass ausgerechnet der Verfassungsschutz, der eigentlich die freiheitlich-demokratische Grundordnung schĂŒtzen soll, mit solchen Projekten Steuergelder verbrennt, ist ein Armutszeugnis fĂŒr den Zustand unserer Institutionen. Statt sich auf tatsĂ€chliche Gefahren zu konzentrieren, werden unbescholtene BĂŒrger unter Generalverdacht gestellt, weil ihr Kennzeichen zufĂ€llig Buchstaben enthĂ€lt, die irgendein ĂŒbereifriger Beamter als verdĂ€chtig eingestuft hat.

Die Frage drĂ€ngt sich auf: Wer schĂŒtzt eigentlich die Verfassung vor solchen AuswĂŒchsen des Verfassungsschutzes?

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