
Ukraine zu korrupt fĂŒr Nato-Beitritt? Selenskyj international immer unbeliebter
Vor dem Nato-Gipfel in Washington kassiert der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj einen herben DĂ€mpfer fĂŒr seine militĂ€rpolitischen Ambitionen. Seine internationalen Beliebtheitswerte sinken ebenfalls drastisch.
EnttÀuschung beim Nato-Gipfel
Selenskyj forciert bei seinen westlichen Alliierten baldige Nato-BeitrittsgesprĂ€che. Doch beim Gipfel in Washington wird man den ukrainischen PrĂ€sidenten wohl erneut enttĂ€uschen. Medienberichten zufolge wurde Vertretern der ukrainischen Regierung nĂ€mlich mitgeteilt, das Land sei weiterhin zu korrupt, um dem westlichen MilitĂ€rbĂŒndnis beizutreten â ein schwerer Schlag fĂŒr Selenskyj und das politische Kiew.
Ein ranghoher Mitarbeiter des amerikanischen AuĂenministeriums, der anonym bleiben möchte, sagte dem britischen Telegraph, die Nato werde von Kiew âzusĂ€tzliche Schritteâ verlangen, bevor mögliche Beitrittsverhandlungen mit dem osteuropĂ€ischen Land auf die Agenda kommen.
Weitere MaĂnahmen gegen Korruption gefordert
Zwar werde man die Ukraine fĂŒr ihren Reformwillen im Bereich der Korruption wĂ€hrend des Gipfels in Washington loben, allerdings mĂŒssten die ukrainischen Behörden weitere MaĂnahmen in der BekĂ€mpfung von Bestechlichkeit unternehmen. Das habe, so zitiert die Londoner Tageszeitung den Beamten, eine PrioritĂ€t fĂŒr die 32 Nato-Mitgliedsstaaten.
PrĂ€sident Selenskyj drĂ€ngt â ob in öffentlichen Ansprachen, bei Pressekonferenzen oder bei vertraulichen GesprĂ€chen mit westlichen Politikern â auf eine rasche Nato-Mitgliedschaft der Ukraine. Er erhofft sich durch die Bindung an das MilitĂ€rbĂŒndnis eine abschreckende Wirkung gegenĂŒber Russland sowie gröĂeren Schutz vor zukĂŒnftigen Invasionen. Mit der VerfassungsĂ€nderung im Februar 2019 hat die Ukraine sogar die Mitgliedschaft in der EU und Nato zum Staatsziel mit Verfassungsrang erhoben.
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Allerdings bleibt die Konstellation, dass sich die Ukraine in einem vollumfassenden Landkrieg befindet und die Korruption grassiert â zwei No-Gos fĂŒr eine zeitnahe Nato-Mitgliedschaft. Wie der Telegraph berichtet, soll insbesondere die kriegsbedingte Korruption in den ukrainischen KreiswehrersatzĂ€mtern fĂŒr die Nato-Partner ein Dorn im Auge sein. Laut Transparency International belegt die Ukraine im Korruptionsindex von 2023 im globalen Vergleich den 104. Rang. Von allen derzeitigen Nato-Staaten steht lediglich die TĂŒrkei schlechter da, nĂ€mlich auf dem 115. Platz.
Selenskyjs Beliebtheit sinkt im internationalen Vergleich
Der ukrainische PrĂ€sident muss sich jedoch nicht nur mit den Anforderungen westlicher Staats- und Regierungschefs herumschlagen â auch seine Beliebtheitswerte im internationalen Vergleich sinken. WĂ€hrend dem 46-JĂ€hrigen laut verschiedensten Umfragen seit mehreren Monaten etwa 60 Prozent der Ukrainer vertrauen (wĂ€hrend der ersten Kriegswochen im FrĂŒhjahr 2022 lag der Wert noch bei 90 Prozent), glauben im weltweiten Durchschnitt nur noch 40 Prozent, dass Selenskyj die richtigen Entscheidungen trifft. 46 Prozent trauen dem ukrainischen Staatschef nur noch sehr wenig oder ĂŒberhaupt nicht mehr. Die Umfrageergebnisse veröffentlichte das Pew Research Center mit Sitz in Washington.
Vertrauensverlust in Polen und anderen LĂ€ndern
Insbesondere in Polen muss Selenskyj herbe Vertrauensverluste einstecken. âDer Anteil der Menschen, die Vertrauen in Selenskyj haben, unterscheidet sich in den LĂ€ndern Europas und Nordamerikas erheblichâ, schreiben Mitarbeiter des amerikanischen Meinungsforschungsinstituts. Am stĂ€rksten vertrauen Selenskyj die Schweden (80 Prozent), Briten (72 Prozent), NiederlĂ€nder und Kanadier (66 Prozent). Europaweit ist das Vertrauen in Selenskyj in Italien (39 Prozent), Griechenland (27 Prozent) und Ungarn (14 Prozent) am niedrigsten.
Das Vertrauen in den ukrainischen PrĂ€sidenten ist zudem im Vergleich zum Vorjahr in einigen LĂ€ndern deutlich zurĂŒckgegangen â vor allem im Nachbarland der Ukraine, in Polen. Unter den Polen vertrauen nur noch 48 Prozent Selenskyj. Im Vorjahr waren es noch 77 Prozent, also ein Minus von ĂŒber einem Viertel. Auch in SĂŒdkorea (-15 Prozent) und SĂŒdafrika (-12 Prozent) ist das Vertrauen in den Ukrainer zweistellig gesunken. In Australien, Frankreich, den Niederlanden, Spanien, Schweden und den USA fĂ€llt der Vertrauensverlust gegenĂŒber Selenskyj zwar geringer aus, das sei laut Autoren der Umfrage allerdings âimmer noch statistisch signifikantâ. Hierzulande schenken 54 der Befragten ihr Vertrauen an Selenskyj; 44 Prozent sehen ihn kritisch.
Politische Haltung beeinflusst Vertrauen in Selenskyj
Die Meinungen ĂŒber Selenskyj unterscheiden sich auĂerdem je nach politischer Haltung in den verschiedensten LĂ€ndern. In den USA zum Beispiel drĂŒcken ihm Liberale doppelt so hĂ€ufig ihr Vertrauen aus wie Konservative. Auch in Deutschland, Australien, Kanada, Ungarn, den Niederlanden und der TĂŒrkei vertrauen Selenskyj eher Menschen aus dem ideologisch linken Lager.
In mehreren Staaten ergibt sich jedoch ein kontrĂ€res Bild: In Bangladesch, Brasilien, Kolumbien, Griechenland, Mexiko, SĂŒdkorea oder Spanien vertrauen eher Menschen mit konservativer Gesinnung dem ukrainischen PrĂ€sidenten als Personen, die linksliberale Parteien wĂ€hlen.
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