
Trumps Machtspiel in Los Angeles: Wenn der PrÀsident zum Brandstifter wird
Was sich derzeit in den StraĂen von Los Angeles abspielt, ist mehr als nur ein Konflikt zwischen Bundesregierung und Bundesstaat. Es ist der Versuch eines PrĂ€sidenten, die demokratischen Grundfesten der Vereinigten Staaten systematisch auszuhöhlen. Donald Trump entsendet Nationalgarde und Marines nach Kalifornien â nicht etwa, weil dort tatsĂ€chlich ein Aufstand tobt, sondern weil er selbst die Krise herbeigefĂŒhrt hat, die ihm nun als Rechtfertigung fĂŒr seinen autoritĂ€ren Kurs dient.
Die inszenierte Krise als Machtinstrument
Der Heidelberger Historiker Manfred Berg bringt es auf den Punkt: Trump habe die Krise "ganz bewusst durch drastische MaĂnahmen herbeigefĂŒhrt". Die harten Razzien gegen Migranten sollten Proteste provozieren â und genau das ist eingetreten. Nun kann sich der PrĂ€sident als starker Mann inszenieren, der fĂŒr Recht und Ordnung sorgt. Ein perfides Spiel, das an die dunkelsten Kapitel der Geschichte erinnert.
Dabei ist die Lage in Los Angeles keineswegs auĂer Kontrolle. Sowohl Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom als auch die BĂŒrgermeisterin der Stadt betonen, sie hĂ€tten die Situation im Griff. Von einem Aufstand gegen die Vereinigten Staaten könne keine Rede sein. Doch Trump interessiert sich nicht fĂŒr Fakten â er braucht die Krise, um seine Macht auszubauen.
Der Griff nach der absoluten Macht
Was Trump anstrebt, sei nichts weniger als ein "autoritĂ€res PrĂ€sidialregime", analysiert Berg. Der PrĂ€sident habe nie einen Hehl daraus gemacht, "dass er am liebsten wie ein gewĂ€hlter Diktator regieren möchte". Die Entsendung von MilitĂ€r in eine selbst herbeigefĂŒhrte innere Krise sei dabei "ein klassischer Schachzug in einem solchen Drehbuch".
Besonders beunruhigend: Die verfassungsrechtlichen Grenzen prĂ€sidialer Notstandsbefugnisse sind in den USA Ă€uĂerst vage definiert. In der amerikanischen Verfassung finde sich dazu "nichts Konkretes", erklĂ€rt Berg. Es handle sich um sogenannte "implizite Befugnisse des PrĂ€sidenten" â ein Einfallstor fĂŒr autoritĂ€re Ambitionen.
Das Versagen der republikanischen Partei
Wo sind eigentlich die konservativen Stimmen, die jahrzehntelang vor einer tyrannischen Bundesregierung gewarnt haben? Die republikanische Partei, einst stolze Verteidigerin der Rechte der Bundesstaaten, schweigt. Schlimmer noch: Texas' Gouverneur Greg Abbott springt Trump bei und fordert ebenfalls die Nationalgarde an. Berg wĂŒrde darauf wetten, dass ein republikanischer Gouverneur "niemals so handeln wĂŒrde, wenn der PrĂ€sident weiterhin Joe Biden hieĂe".
Die Ironie könnte kaum bitterer sein: Trump, unter dem Banner des Konservatismus ins WeiĂe Haus gekommen, tut nun genau das, wovor Konservative ĂŒber Jahrzehnte gewarnt haben. Er greift massiv in die Kompetenzen der Bundesstaaten ein und hebelt das föderale System aus.
Der Kongress schweigt â die Demokratie wankt
Noch beunruhigender ist das Schweigen des Kongresses. "Der Kongress sagt und tut nichts", stellt Berg fest. Diese PassivitĂ€t zeige, wie stark die Macht bereits in Richtung WeiĂes Haus gewandert sei â eine Entwicklung, die fĂŒr jemanden wie Trump "maĂgeschneidert" sei.
Die Demokraten stehen vor einem Dilemma: Einerseits bietet der Konflikt Gouverneur Newsom die Chance, sich als FĂŒhrungsfigur im Kampf gegen Trump zu profilieren. Andererseits besteht die Gefahr, dass eine mögliche Gewalteskalation den Demokraten angelastet wird. Trump werde ihnen dann sicher vorwerfen, "sie hĂ€tten diese Krawalle angestiftet".
Ein gespaltenes Land am Scheideweg
Die USA befinden sich in einer gefĂ€hrlichen Situation. Die Wahl 2024 habe gezeigt, dass das Land "in zwei ungefĂ€hr gleich groĂe Lager gespalten" sei, so Berg. Der Abstand betrug nur 2,3 Millionen Stimmen, gerade einmal 1,5 Prozentpunkte. In dieser polarisierten AtmosphĂ€re kann Trumps autoritĂ€res Gebaren auf fruchtbaren Boden fallen.
Viele Amerikaner sehnen sich nach einem "starken nationalen FĂŒhrer", der die politische Blockade durchbricht. Doch der Preis dafĂŒr könnte die Demokratie selbst sein. Wenn der Supreme Court mit seiner konservativen 6:3-Mehrheit Trump nicht entscheidend entgegentritt, droht den USA eine schleichende Transformation in ein autoritĂ€res System.
Was in Los Angeles geschieht, ist mehr als nur ein lokaler Konflikt. Es ist ein Testlauf fĂŒr die Aushöhlung der amerikanischen Demokratie. Trump kennt sich mit AufstĂ€nden aus â schlieĂlich hat er den Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 angestachelt und die TĂ€ter spĂ€ter begnadigt. Nun inszeniert er selbst eine Krise, um seine Macht zu festigen. Die Frage ist: Werden die demokratischen Institutionen stark genug sein, diesem Angriff zu widerstehen?
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