Kettner Edelmetalle
30.05.2025
09:04 Uhr

Trump tobt gegen Richter: Wenn die Justiz dem PrÀsidenten in die Quere kommt

Der amerikanische PrĂ€sident Donald Trump zeigt einmal mehr, wie dĂŒnnhĂ€utig er reagiert, wenn Gerichte seine Politik durchkreuzen. Nach einem Urteil des US-Handelsgerichts gegen seine Zollpolitik ließ der 78-JĂ€hrige auf seinem hauseigenen Netzwerk Truth Social Dampf ab und bezeichnete die zustĂ€ndigen Richter als „Hinterzimmer-Gauner". Ein bemerkenswerter Vorgang, der zeigt, wie sehr die Gewaltenteilung in den USA unter Druck gerĂ€t.

Richterliche UnabhÀngigkeit als Dorn im Auge

Was war geschehen? Drei Richter des Handelsgerichts in New York hatten Trumps aggressive Zollpolitik fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt. Der PrĂ€sident, der mit seinen Zöllen Handelspartner wie die EU und China zu ZugestĂ€ndnissen zwingen wollte, sah sich plötzlich von der Justiz ausgebremst. Seine Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: „Schrecklich" und „so politisch" nannte er das Urteil. Man könnte meinen, der Mann im Weißen Haus hĂ€tte vergessen, dass in einer funktionierenden Demokratie auch die Exekutive an Recht und Gesetz gebunden ist.

Besonders pikant: Trump unterstellt den Richtern persönliche Motive. „Ist es einfach nur Hass auf ‚TRUMP'?", fragt er in seinem typischen Stil. Als ob die Justiz ihre Entscheidungen nach Sympathie oder Antipathie gegenĂŒber dem PrĂ€sidenten treffen wĂŒrde. Diese Rhetorik kennt man sonst eher aus Bananenrepubliken als aus der Ă€ltesten Demokratie der Welt.

Die Regierung schlĂ€gt zurĂŒck

Trumps Sprecher Kush Desai legte nach und polterte, es sei „nicht Aufgabe nicht gewĂ€hlter Richter zu entscheiden, wie eine nationale Notlage angemessen zu bewĂ€ltigen ist". Ein gefĂ€hrliches Argument, das die Grundfesten der amerikanischen Verfassung in Frage stellt. Sollen etwa nur gewĂ€hlte Politiker ĂŒber die VerfassungsmĂ€ĂŸigkeit von Regierungshandeln entscheiden? Dann könnte man die Gewaltenteilung gleich abschaffen.

„Der PrĂ€sident hat absolut das Recht, die Handelspolitik fĂŒr die USA festzulegen", verkĂŒndete Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett triumphierend, nachdem ein Berufungsgericht die Zölle vorlĂ€ufig wieder in Kraft gesetzt hatte.

Ein Pyrrhussieg fĂŒr Trump

TatsĂ€chlich konnte die Trump-Regierung einen Teilerfolg verbuchen: Ein Berufungsgericht entschied im Eilverfahren, dass die Zölle wĂ€hrend des laufenden Berufungsverfahrens bestehen bleiben dĂŒrfen. Doch der Jubel dĂŒrfte verfrĂŒht sein. Der juristische Streit wird sich vermutlich durch alle Instanzen ziehen und könnte letztlich vor dem Obersten Gerichtshof landen.

Trumps verbale Attacken auf die Richter des Handelsgerichts dĂŒrften dabei eher kontraproduktiv sein. Wer die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz derart frontal angreift, macht sich bei den höheren Instanzen keine Freunde. Richter lassen sich ungern als „Hinterzimmer-Gauner" beschimpfen, nur weil sie ihrem verfassungsmĂ€ĂŸigen Auftrag nachkommen.

Die grĂ¶ĂŸere Gefahr

Was bei diesem Schauspiel wirklich beunruhigt, ist nicht nur Trumps mangelnder Respekt vor der Gewaltenteilung. Es ist die schleichende Erosion demokratischer Normen, wenn der mĂ€chtigste Mann des Landes die LegitimitĂ€t der Justiz in Frage stellt, sobald sie ihm widerspricht. In funktionierenden Demokratien akzeptiert die Exekutive richterliche Entscheidungen – auch wenn sie einem nicht passen.

Man stelle sich vor, deutsche Politiker wĂŒrden das Bundesverfassungsgericht als „Hinterzimmer-Gauner" bezeichnen, wenn es Regierungshandeln fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt. Der Aufschrei wĂ€re zu Recht gewaltig. In den USA scheint man sich an solche AusfĂ€lle bereits gewöhnt zu haben.

Die Zollpolitik mag fĂŒr Trump wichtig sein, doch der Kollateralschaden fĂŒr die amerikanische Demokratie wiegt schwerer. Wenn PrĂ€sidenten beginnen, die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz zu untergraben, ist der Weg zur Autokratie nicht mehr weit. Das sollten auch diejenigen bedenken, die Trumps Politik grundsĂ€tzlich unterstĂŒtzen. Denn was heute gegen unliebsame Richter eingesetzt wird, kann morgen gegen jeden verwendet werden, der sich der Exekutive in den Weg stellt.

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