
Trump tobt gegen Richter: Wenn die Justiz dem PrÀsidenten in die Quere kommt
Der amerikanische PrĂ€sident Donald Trump zeigt einmal mehr, wie dĂŒnnhĂ€utig er reagiert, wenn Gerichte seine Politik durchkreuzen. Nach einem Urteil des US-Handelsgerichts gegen seine Zollpolitik lieĂ der 78-JĂ€hrige auf seinem hauseigenen Netzwerk Truth Social Dampf ab und bezeichnete die zustĂ€ndigen Richter als âHinterzimmer-Gauner". Ein bemerkenswerter Vorgang, der zeigt, wie sehr die Gewaltenteilung in den USA unter Druck gerĂ€t.
Richterliche UnabhÀngigkeit als Dorn im Auge
Was war geschehen? Drei Richter des Handelsgerichts in New York hatten Trumps aggressive Zollpolitik fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt. Der PrĂ€sident, der mit seinen Zöllen Handelspartner wie die EU und China zu ZugestĂ€ndnissen zwingen wollte, sah sich plötzlich von der Justiz ausgebremst. Seine Reaktion lieĂ nicht lange auf sich warten: âSchrecklich" und âso politisch" nannte er das Urteil. Man könnte meinen, der Mann im WeiĂen Haus hĂ€tte vergessen, dass in einer funktionierenden Demokratie auch die Exekutive an Recht und Gesetz gebunden ist.
Besonders pikant: Trump unterstellt den Richtern persönliche Motive. âIst es einfach nur Hass auf âTRUMP'?", fragt er in seinem typischen Stil. Als ob die Justiz ihre Entscheidungen nach Sympathie oder Antipathie gegenĂŒber dem PrĂ€sidenten treffen wĂŒrde. Diese Rhetorik kennt man sonst eher aus Bananenrepubliken als aus der Ă€ltesten Demokratie der Welt.
Die Regierung schlĂ€gt zurĂŒck
Trumps Sprecher Kush Desai legte nach und polterte, es sei ânicht Aufgabe nicht gewĂ€hlter Richter zu entscheiden, wie eine nationale Notlage angemessen zu bewĂ€ltigen ist". Ein gefĂ€hrliches Argument, das die Grundfesten der amerikanischen Verfassung in Frage stellt. Sollen etwa nur gewĂ€hlte Politiker ĂŒber die VerfassungsmĂ€Ăigkeit von Regierungshandeln entscheiden? Dann könnte man die Gewaltenteilung gleich abschaffen.
âDer PrĂ€sident hat absolut das Recht, die Handelspolitik fĂŒr die USA festzulegen", verkĂŒndete Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett triumphierend, nachdem ein Berufungsgericht die Zölle vorlĂ€ufig wieder in Kraft gesetzt hatte.
Ein Pyrrhussieg fĂŒr Trump
TatsĂ€chlich konnte die Trump-Regierung einen Teilerfolg verbuchen: Ein Berufungsgericht entschied im Eilverfahren, dass die Zölle wĂ€hrend des laufenden Berufungsverfahrens bestehen bleiben dĂŒrfen. Doch der Jubel dĂŒrfte verfrĂŒht sein. Der juristische Streit wird sich vermutlich durch alle Instanzen ziehen und könnte letztlich vor dem Obersten Gerichtshof landen.
Trumps verbale Attacken auf die Richter des Handelsgerichts dĂŒrften dabei eher kontraproduktiv sein. Wer die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz derart frontal angreift, macht sich bei den höheren Instanzen keine Freunde. Richter lassen sich ungern als âHinterzimmer-Gauner" beschimpfen, nur weil sie ihrem verfassungsmĂ€Ăigen Auftrag nachkommen.
Die gröĂere Gefahr
Was bei diesem Schauspiel wirklich beunruhigt, ist nicht nur Trumps mangelnder Respekt vor der Gewaltenteilung. Es ist die schleichende Erosion demokratischer Normen, wenn der mĂ€chtigste Mann des Landes die LegitimitĂ€t der Justiz in Frage stellt, sobald sie ihm widerspricht. In funktionierenden Demokratien akzeptiert die Exekutive richterliche Entscheidungen â auch wenn sie einem nicht passen.
Man stelle sich vor, deutsche Politiker wĂŒrden das Bundesverfassungsgericht als âHinterzimmer-Gauner" bezeichnen, wenn es Regierungshandeln fĂŒr verfassungswidrig erklĂ€rt. Der Aufschrei wĂ€re zu Recht gewaltig. In den USA scheint man sich an solche AusfĂ€lle bereits gewöhnt zu haben.
Die Zollpolitik mag fĂŒr Trump wichtig sein, doch der Kollateralschaden fĂŒr die amerikanische Demokratie wiegt schwerer. Wenn PrĂ€sidenten beginnen, die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz zu untergraben, ist der Weg zur Autokratie nicht mehr weit. Das sollten auch diejenigen bedenken, die Trumps Politik grundsĂ€tzlich unterstĂŒtzen. Denn was heute gegen unliebsame Richter eingesetzt wird, kann morgen gegen jeden verwendet werden, der sich der Exekutive in den Weg stellt.
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