
Streik-Chaos bei der Lufthansa: Piloten und Kabinenpersonal legen Deutschlands größte Airline lahm
Was sich derzeit bei der Lufthansa abspielt, gleicht einem Arbeitskampf im Dauermodus. Kaum ist der zweitägige Pilotenstreik beendet, legt das Kabinenpersonal nach – und zwar mit voller Wucht. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat ihre Mitglieder zu einem weiteren zweitägigen Ausstand aufgerufen, der bis Donnerstag um 23:59 Uhr andauern soll. Für Hunderttausende Reisende bedeutet das: Chaos, Frust und gestrichene Flüge.
Ein Streik jagt den nächsten
Betroffen sind sämtliche Abflüge der Deutschen Lufthansa AG von den Drehkreuzen Frankfurt und München. Doch damit nicht genug. Auch die Lufthansa-Tochter Cityline wird bestreikt – und zwar nicht nur an den beiden Hauptstandorten, sondern zusätzlich an den Flughäfen Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Köln und Stuttgart. Die Streikwelle erfasst damit praktisch das gesamte innerdeutsche Lufthansa-Netz.
Der Hintergrund ist eine seit Monaten festgefahrene Tarifauseinandersetzung um einen neuen Manteltarifvertrag. Die Gewerkschaft UFO wirft der Arbeitgeberseite vor, sich nicht ausreichend zu bewegen. Ein besonders pikantes Detail: Ein zentraler Bestandteil der Arbeitskampfmaßnahmen sei eine Kundgebung in Frankfurt – ausgerechnet im Umfeld der Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Lufthansa. Statt Champagner und Festtagsreden gibt es also Trillerpfeifen und Streikplakate. Man könnte meinen, die Gewerkschaft habe ein Gespür für maximale Symbolwirkung.
Piloten legen direkt nach
Als wäre der Streik des Kabinenpersonals nicht schon verheerend genug, hat die Pilotenvereinigung Cockpit bereits den nächsten Ausstand angekündigt. Am Donnerstag und Freitag sollen die Piloten erneut die Arbeit niederlegen. Betroffen wären dann die Deutsche Lufthansa, Lufthansa Cargo, Lufthansa Cityline und Eurowings – wobei Letztere nur am Donnerstag bestreikt werden soll. Einzig Flüge in den Nahen Osten seien vom Streik ausgenommen, was angesichts der aktuellen geopolitischen Lage in der Region eine bemerkenswerte Ausnahme darstellt.
Lufthansa-Chef Carsten Spohr habe laut Medienberichten erklärt, der Konzern werde vor den Streiks nicht einknicken. Eine harte Linie, die man durchaus respektieren kann – die aber für die Passagiere wenig Trost bedeutet. Denn wer in diesen Tagen mit der Lufthansa fliegen wollte, der dürfte sich fühlen wie ein Schachbauer zwischen zwei Türmen: eingeklemmt und ohne Ausweg.
Symptom einer tieferliegenden Krise
Was wir hier erleben, ist mehr als nur ein gewöhnlicher Tarifkonflikt. Es ist ein Symptom für den Zustand des Wirtschaftsstandorts Deutschland insgesamt. Während andere Nationen ihre Infrastruktur modernisieren und ihre Unternehmen wettbewerbsfähig halten, versinkt die einstige Vorzeige-Airline der Bundesrepublik in einem Streikmarathon, der seinesgleichen sucht. Die Frage, die sich jeder stellen sollte, lautet: Wie konnte es so weit kommen?
Die Antwort liegt auf der Hand. Jahrelange politische Fehlsteuerung, explodierende Energiekosten, eine erdrückende Bürokratie und eine Wirtschaftspolitik, die Unternehmen eher belastet als entlastet – all das schafft ein Klima, in dem Verteilungskämpfe härter werden. Wenn die Kosten steigen und die Margen schrumpfen, wird an jedem Verhandlungstisch erbitterter gerungen. Die Leidtragenden sind am Ende immer dieselben: die ganz normalen Bürger, die einfach nur pünktlich von A nach B kommen wollen.
Es bleibt zu hoffen, dass beide Seiten schnell an den Verhandlungstisch zurückkehren. Denn eines ist sicher: Jeder weitere Streiktag schadet nicht nur der Lufthansa, sondern dem Ruf Deutschlands als verlässlicher Wirtschaftsstandort. Und diesen Ruf können wir uns in Zeiten globaler Handelskonflikte und Trumpscher Zollpolitik wahrlich nicht leisten zu verspielen.










