
Serbien vor dem Blackout: Washington verweigert Sanktionsausnahme fĂŒr russische Raffinerie
Die Lichter könnten in Serbien bald ausgehen. WĂ€hrend die USA ihren EU-VerbĂŒndeten groĂzĂŒgige Ausnahmeregelungen gewĂ€hren, lĂ€sst Washington den Balkanstaat im Dunkeln stehen. Die Verweigerung einer 90-tĂ€gigen Sanktionsausnahme fĂŒr die einzige Raffinerie des Landes droht nun eine schwere Energie- und Wirtschaftskrise auszulösen.
Belgrad bettelt vergeblich um Gnadenfrist
Die serbische Regierung hatte diese Woche eindringlich vor einem drohenden Energiekollaps gewarnt. Die Bitte war bescheiden: Lediglich drei Monate Aufschub wollte man, um die Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) die vorĂŒbergehende Kontrolle ĂŒber die Raffinerie NIS ĂŒbernehmen zu lassen. Zeit genug, um den Kauf der russischen Mehrheitsanteile abzuwickeln und die Versorgung zu sichern.
Doch Washington blieb hart. Die US-Sanktionen gegen Russlands Energiegiganten haben NIS, die zu Gazprom Neft gehört, von Dollar-Transaktionen abgeschnitten und die Rohöllieferungen ĂŒber Kroatien blockiert. Die Folge: Die 4,8-Millionen-Tonnen-Raffinerie arbeitet nur noch auf Sparflamme.
80 Prozent der Treibstoffversorgung in Gefahr
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: NIS produziert etwa 80 Prozent aller raffinierten Erdölprodukte Serbiens. Von der Luftfahrt bis zum Dieselkraftstoff â ohne diese Raffinerie steht das Land vor dem Kollaps. PrĂ€sident Aleksandar VuÄiÄ zeigte sich nach einem Treffen mit Energieministern sichtlich enttĂ€uscht: "Wir haben keine guten Nachrichten erhalten, die Vereinigten Staaten haben unseren Antrag auf eine Ausnahmeregelung fĂŒr NIS abgelehnt."
"Ich bin nicht nur enttĂ€uscht, sondern auch ĂŒberrascht, denn ich sehe nicht, was sie damit gewonnen haben"
Diese Worte des serbischen PrĂ€sidenten offenbaren die Fassungslosigkeit ĂŒber Washingtons Entscheidung. Besonders bitter: Die EU-Mitglieder Ungarn, RumĂ€nien und Bulgarien erhielten problemlos Ă€hnliche â teilweise sogar groĂzĂŒgigere â Ausnahmeregelungen.
Raffinerie PanÄevo vor dem Aus
Die Konsequenzen lieĂen nicht lange auf sich warten. Serbien hat bereits die vollstĂ€ndige Einstellung des Betriebs in der Raffinerie PanÄevo beschlossen. NIS teilte mit, dass die Produktionseinheiten aufgrund des Rohölmangels infolge der US-Sanktionen heruntergefahren werden.
In einer Pressemitteilung versicherte das Unternehmen zwar, dass die Versorgung des heimischen Marktes dank zuvor angelegter VorrĂ€te vorerst gewĂ€hrleistet sei. Doch wie lange diese Reserven reichen werden, bleibt unklar. Die Mitarbeiter sollen wĂ€hrend der Betriebsunterbrechung mit Wartungsarbeiten beschĂ€ftigt werden â ein schwacher Trost angesichts der drohenden Versorgungskrise.
Washingtons doppeltes Spiel
Besonders pikant ist die Situation, weil VuÄiÄ sich in der Ukraine-Frage lĂ€ngst auf die Seite Washingtons geschlagen hat. Trotz der historischen Verbindungen zwischen den slawischen BruderlĂ€ndern Serbien und Russland hat Belgrad erhebliche Waffenlieferungen an die Ukraine geleistet. Der Kreml warf Serbien bereits vor, "vergessen zu haben, wer ihre wahren Freunde und Feinde sind".
Umso unverstÀndlicher erscheint nun Washingtons harte Haltung. WÀhrend man von Serbien LoyalitÀt in der Ukraine-Frage einfordert und erhÀlt, lÀsst man das Land bei der Energieversorgung im Stich. Ein gefÀhrliches Spiel, das politische InstabilitÀt in der ohnehin fragilen Balkanregion provozieren könnte.
Drohende Kettenreaktion
Die Folgen könnten verheerend sein: Treibstoffmangel, Industriestillstand, wirtschaftlicher Kollaps. In einem Land, das bereits mit zahlreichen Herausforderungen kĂ€mpft, könnte dies der Tropfen sein, der das Fass zum Ăberlaufen bringt. Die serbische Regierung warnt bereits vor politischen Unruhen.
NIS hofft weiterhin auf eine baldige Streichung von der Sanktionsliste des US-Finanzministeriums oder zumindest auf eine Sonderlizenz. Doch die Zeit drÀngt. Jeder Tag ohne funktionierende Raffinerie bringt Serbien nÀher an den Abgrund.
Die Entscheidung Washingtons wirft grundsĂ€tzliche Fragen auf: Ist dies der Preis, den kleine LĂ€nder fĂŒr ihre geopolitische Positionierung zahlen mĂŒssen? WĂ€hrend die groĂen EU-Staaten ihre Sonderregelungen erhalten, werden kleinere Akteure wie Serbien zum Spielball der GroĂmĂ€chte. Ein LehrstĂŒck darĂŒber, wie schnell vermeintliche Partner fallen gelassen werden, wenn es den geopolitischen Interessen dient.










