
Schweizer Privatbank kauft Gold nach â Kursziel 6.000 Dollar bis Jahresende

WĂ€hrend die geopolitischen Verwerfungen rund um den Iran-Konflikt und die drohende Blockade der StraĂe von Hormus die MĂ€rkte in Atem halten, setzt eine der renommiertesten Schweizer Privatbanken ein unmissverstĂ€ndliches Signal: Die Union Bancaire PrivĂ©e (UBP) baut ihre Goldpositionen wieder systematisch auf â und prognostiziert einen Goldpreis von 6.000 Dollar je Feinunze bis zum Jahresende 2026.
Vom Ausverkauf zur strategischen Neupositionierung
Die Geschichte klingt wie ein LehrstĂŒck fĂŒr antizyklisches Investieren. Als der Iran-Krieg die MĂ€rkte erschĂŒtterte und Gold â paradoxerweise â unter Druck geriet, hatte die UBP ihre Goldallokation in den diskretionĂ€ren Kundenportfolios drastisch von rund 10 Prozent auf magere 3 Prozent zusammengestrichen. Der Grund: Eine LiquiditĂ€tsklemme zwang HĂ€ndler weltweit, profitable Positionen aufzulösen, um Verluste in anderen Anlageklassen zu decken. Ein klassischer Margin-Call-Effekt, der das gelbe Edelmetall vorĂŒbergehend in die Knie zwang.
Doch nun dreht der Wind. Paras Gupta, Leiter des diskretionĂ€ren Portfoliomanagements in Asien bei der UBP, sprach von den âersten Schritten zum Wiederaufbau" der Goldportfolios. Die einseitigen Positionierungen seien bereinigt, die BestĂ€nde institutioneller wie privater Anleger befĂ€nden sich nun in einem ârecht ausgewogenen" Zustand. Die Bank, die im vergangenen Jahr rund 184,5 Milliarden Schweizer Franken â umgerechnet etwa 233 Milliarden Dollar â an Kundengeldern verwaltete, hat ihre Goldquote bereits wieder auf rund 6 Prozent hochgefahren. Und man plane, weiter aufzustocken.
Strukturelle Nachfrage bleibt das tragende Fundament
Was die Schweizer Banker so zuversichtlich stimmt, ist nicht etwa blinder Optimismus, sondern eine nĂŒchterne Analyse der fundamentalen Treiber. Die massiven GoldkĂ€ufe der Zentralbanken weltweit, die ausufernden Staatsdefizite â man denke nur an das frisch beschlossene 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen der neuen deutschen Bundesregierung â sowie die anhaltenden geopolitischen Spannungen bildeten ein strukturelles Fundament, das kurzfristige RĂŒcksetzer zu Kaufgelegenheiten degradiere.
Und genau hier wird es interessant fĂŒr den deutschen Anleger. Denn wĂ€hrend Friedrich Merz einst versprach, keine neuen Schulden zu machen, tĂŒrmt seine GroĂe Koalition nun Verbindlichkeiten auf, die Generationen belasten werden. Jeder Euro zusĂ€tzlicher Staatsverschuldung ist letztlich ein Argument mehr fĂŒr die Absicherung des eigenen Vermögens durch physische Edelmetalle. Die Inflation, die durch solche Ausgabenprogramme unweigerlich befeuert wird, frisst die Kaufkraft des Sparers â Gold hingegen hat ĂŒber Jahrtausende bewiesen, dass es genau davor schĂŒtzt.
Kurzfristiger Gegenwind, langfristiger RĂŒckenwind
Gupta rĂ€umte ein, dass die Inflationsrisiken durch explodierende Energiepreise kurzfristig auf dem Goldpreis lasten könnten. Höhere Zinsen, die als Reaktion auf steigende Verbraucherpreise drohen, machen zinslose Anlagen wie Gold theoretisch weniger attraktiv. Doch â und das ist der entscheidende Punkt â der makroökonomische Ausblick deute nicht auf eine Rezession hin. Ein Umfeld also, in dem Gold seine Rolle als ultimativer Wertspeicher voll ausspielen könne.
Die UBP steht mit ihrer EinschĂ€tzung keineswegs allein. Goldman Sachs halte trotz des jĂŒngsten RĂŒcksetzers an einem Jahresendziel von 5.400 Dollar fest. Auch die ANZ Banking Group prognostiziere weiter steigende Kurse. Es formiert sich gewissermaĂen ein Konsens unter den groĂen InvestmenthĂ€usern: Der Goldbullenmarkt ist nicht vorbei â er hat lediglich eine Verschnaufpause eingelegt.
ETF-ZuflĂŒsse signalisieren Trendwende
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nachdem goldgedeckte ETFs im MĂ€rz die gröĂten monatlichen AbflĂŒsse seit fĂŒnf Jahren verzeichnet hatten, kehrte sich der Trend im April bereits wieder um. Rund 20 Tonnen Gold flossen allein in diesem Monat zurĂŒck in die börsengehandelten Fonds. SchnĂ€ppchenjĂ€ger, die den RĂŒcksetzer als Einstiegsgelegenheit nutzten, trieben die Erholung voran.
Doch Gupta mahnte auch zur Vorsicht. FĂŒr weitere substanzielle KĂ€ufe brauche es âdeutlich mehr Klarheit darĂŒber, wie sich die geopolitischen Ereignisse entwickeln". Die gescheiterten US-iranischen FriedensgesprĂ€che und die angekĂŒndigte Blockade der StraĂe von Hormus â durch die ein erheblicher Teil des globalen Schwefelhandels und der Ălexporte flieĂt â hĂ€tten die Unsicherheit nur noch verstĂ€rkt. âDie Ereignisse des Wochenendes unterstreichen nur die Notwendigkeit nach mehr Klarheit", so der UBP-Stratege.
Was bedeutet das fĂŒr den deutschen Anleger?
In Zeiten, in denen die geopolitische Landkarte neu gezeichnet wird, in denen Kriege toben und Handelsrouten bedroht sind, in denen Donald Trump mit seinen Zollkeulen die Weltwirtschaft durcheinanderwirbelt und die deutsche Regierung Schulden in historischem AusmaĂ aufnimmt, dĂŒrfte die Botschaft der Schweizer Privatbankiers kaum deutlicher sein: Gold bleibt der Anker in stĂŒrmischen Zeiten.
Wer sein Vermögen langfristig schĂŒtzen möchte, sollte physische Edelmetalle als festen Bestandteil eines breit diversifizierten Portfolios in Betracht ziehen. Kein Gegenparteirisiko, keine AbhĂ€ngigkeit von Zentralbankentscheidungen, keine Entwertung durch die Druckerpresse â das sind Eigenschaften, die in der aktuellen Weltlage schwerer wiegen denn je. Dass eine Bank mit ĂŒber 200 Milliarden Dollar an verwalteten Vermögen genau jetzt wieder massiv in Gold einsteigt, sollte auch dem letzten Skeptiker zu denken geben.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Informationen und EinschĂ€tzungen dienen ausschlieĂlich der allgemeinen Information und spiegeln die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf Basis eigener, sorgfĂ€ltiger Recherche und gegebenenfalls nach RĂŒcksprache mit einem qualifizierten Finanzberater getroffen werden. FĂŒr etwaige Verluste, die aus Anlageentscheidungen resultieren, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden, ĂŒbernehmen wir keinerlei Haftung.
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