
Ramstein im Fadenkreuz: Iran stellt Berlin vor unbequeme Fragen

Es ist eine diplomatische Brisanz, die man in der Berliner Regierungszentrale wohl am liebsten unter den Teppich kehren wĂŒrde. Der iranische Botschafter in Deutschland, Majid Nili Ahmadabadi, hat die Bundesregierung unmissverstĂ€ndlich aufgefordert, die Rolle der US-Luftwaffenbasis Ramstein im eskalierenden Konflikt mit dem Iran offenzulegen. Die Antwort aus Berlin? OhrenbetĂ€ubendes Schweigen.
Deutschlands gefÀhrliche Verstrickung
âDie Rolle des MilitĂ€rstĂŒtzpunkts ist fĂŒr uns bislang offiziell nicht klar", erklĂ€rte der Botschafter gegenĂŒber der Nachrichtenagentur AFP. Eine diplomatische Formulierung, die kaum verhĂŒllt, was dahintersteckt: der dringende Verdacht, dass von deutschem Boden aus Kriegshandlungen gegen den Iran koordiniert oder zumindest logistisch unterstĂŒtzt werden. Nili verwies dabei auf eine UN-Resolution, wonach ein Staat, der sein Territorium oder seinen Luftraum einem anderen Staat fĂŒr militĂ€rische Aggressionen zur VerfĂŒgung stelle, sich zum Komplizen mache.
Und genau hier wird es fĂŒr Deutschland brenzlig. Ramstein ist bekanntlich weit mehr als ein gewöhnlicher MilitĂ€rflugplatz. Die Basis fungiert seit Jahrzehnten als das zentrale logistische Drehkreuz der US-StreitkrĂ€fte auĂerhalb amerikanischen Territoriums â fĂŒr Truppenverlegungen, LuftunterstĂŒtzung, die Koordination militĂ€rischer Operationen und, nicht zu vergessen, die technische Abwicklung von DrohneneinsĂ€tzen. Flugdaten und Luftfahrtexperten sollen belegen, dass ĂŒber Ramstein zuletzt verstĂ€rkt Personal und Material in den Nahen Osten verlegt worden sei.
Völkerrechtliche Gratwanderung mit fatalen Konsequenzen
Die Frage, die sich jeder vernĂŒnftige BĂŒrger stellen muss, ist so simpel wie beunruhigend: Wird Deutschland durch die Duldung amerikanischer MilitĂ€roperationen auf seinem Staatsgebiet zur Kriegspartei? Völkerrechtler weisen seit langem darauf hin, dass die Bundesrepublik ihr Territorium nicht fĂŒr völkerrechtswidrige MilitĂ€roperationen bereitstellen dĂŒrfe. Ob dies im aktuellen Fall zutrifft, sei âumstritten", heiĂt es in den ĂŒblichen beschwichtigenden Formulierungen. Doch âumstritten" ist in der Sprache der Diplomatie oft nur ein Synonym fĂŒr âhochproblematisch, aber politisch unbequem".
Was die Sache noch dramatischer macht: Der Iran hat wiederholt erklĂ€rt, im Falle eines Angriffs auch US-MilitĂ€rbasen auĂerhalb der Region ins Visier nehmen zu wollen. Ramstein, mitten in der Pfalz gelegen, könnte damit zum Ziel werden. Die Sicherheitslage in Deutschland wĂŒrde sich schlagartig verĂ€ndern â und zwar nicht zum Besseren.
Wo bleibt die SouverÀnitÀt?
Man fragt sich unwillkĂŒrlich, welchen Handlungsspielraum die Bundesregierung unter Friedrich Merz in dieser Angelegenheit ĂŒberhaupt besitzt â oder besitzen will. Seit Jahrzehnten akzeptiert Deutschland eine weitgehend unkontrollierte Nutzung seiner MilitĂ€rbasen durch die Vereinigten Staaten. Das NATO-Truppenstatut und diverse Zusatzabkommen gewĂ€hren Washington Freiheiten, die in kaum einem anderen souverĂ€nen Staat denkbar wĂ€ren. Dass Berlin nun nicht einmal in der Lage oder willens zu sein scheint, dem iranischen Botschafter eine klare Antwort zu geben, spricht BĂ€nde ĂŒber den Zustand deutscher AuĂenpolitik.
Die deutschen BĂŒrger haben ein Recht darauf zu erfahren, ob ihr Land in einen Krieg hineingezogen wird, den sie weder gewollt noch gebilligt haben. Stattdessen herrscht in der Regierung jene vertraute Mischung aus Beschwichtigung und Ahnungslosigkeit, die man in den vergangenen Jahren zur Perfektion gebracht hat. Es wĂ€re an der Zeit, dass die GroĂe Koalition endlich Farbe bekennt â bevor die Konsequenzen dieser UntĂ€tigkeit nicht mehr nur diplomatischer, sondern ganz realer Natur sind.
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