
Preisschlacht auf hoher See: Russland und Iran kämpfen um Chinas Ölhunger
Was sich derzeit auf den Weltmeeren und in den Häfen Chinas abspielt, gleicht einem erbitterten Basar-Gefeilsche zweier sanktionierter Ölgiganten – mit weitreichenden Konsequenzen für die globale Energieordnung. Russland und der Iran unterbieten sich gegenseitig mit immer drastischeren Preisnachlässen, um ihre Rohölladungen bei einer schrumpfenden Zahl chinesischer Abnehmer loszuwerden. Der Grund? Indien, einst williger Großkäufer russischen Öls, zieht sich unter massivem Druck aus Washington zunehmend zurück.
Indien knickt ein – und China wird zum letzten Abnehmer
Die indischen Rohölimporte aus Russland könnten gegenüber dem Januarniveau um bis zu 40 Prozent einbrechen – auf rund 600.000 Barrel pro Tag, wie das Beratungsunternehmen Rystad Energy schätzt. Indische Raffinerien stünden politisch unter erheblichem Druck, nicht zuletzt durch die Trump-Administration, die Neu-Delhi unmissverständlich dazu dränge, Käufe russischen Rohöls einzustellen oder zumindest drastisch zu reduzieren.
Hier zeigt sich einmal mehr die geopolitische Hebelwirkung amerikanischer Außenpolitik. Donald Trump, seit Januar 2025 wieder im Weißen Haus, nutzt das Instrument der wirtschaftlichen Drohkulisse mit einer Konsequenz, die man der vorherigen Administration kaum zugetraut hätte. Ob man seine Methoden gutheißt oder nicht – sie zeigen Wirkung.
Unverkauftes Öl staut sich auf Tankern
Die Konsequenz dieses geopolitischen Dominoeffekts ist so simpel wie brutal: Die freigesetzten Ladungen werden nun verstärkt nach China umgeleitet. Dort treffen sie auf einen bereits gesättigten Markt – und auf iranische Konkurrenz. Mittlerweile häufe sich unverkauftes Öl auf Tankern in asiatischen Gewässern, ein Bild, das an die dunkelsten Tage der Pandemie-Ölschwemme erinnert.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Russisches Urals-Rohöl wird derzeit etwa zwölf US-Dollar unter dem internationalen Referenzpreis ICE Brent gehandelt – im Vormonat lag der Abschlag noch bei zehn Dollar. Iranisches Leichtöl werde mit bis zu elf Dollar Rabatt angeboten, verglichen mit acht bis neun Dollar im Dezember. Ein regelrechter Unterbietungswettlauf, bei dem am Ende beide Seiten verlieren.
Russlands Exportvolumen steigt – die Einnahmen sinken
Besonders pikant: Russlands Exportvolumen lag in den vergangenen zwölf Monaten sogar über dem Vorkriegsniveau. Doch die Einnahmen seien gegenüber dem Vergleichszeitraum vor Kriegsbeginn um satte 18 Prozent gesunken, wie eine Studie der in Helsinki ansässigen Denkfabrik Centre for Research on Energy and Clean Air belegt. Moskau pumpt also mehr Öl als je zuvor – und verdient trotzdem weniger. Eine bittere Ironie für den Kreml, der seinen Krieg in der Ukraine maßgeblich mit Energieeinnahmen finanziert.
Chinas Privatraffinerien am Limit
Doch selbst der chinesische Markt ist kein Fass ohne Boden. Die privaten chinesischen Raffinerien, die normalerweise jene Ladungen abnehmen, die andere Käufer meiden, machen lediglich etwa ein Viertel der chinesischen Verarbeitungskapazität aus. Zudem unterliegen sie staatlich festgelegten Importquoten. „Die chinesischen Privatraffinerien können kaum mehr aufnehmen, da ihre Kapazitäten vermutlich ausgeschöpft sind", so die Analystin Jianan Sun von Energy Aspects.
Die großen staatlichen chinesischen Raffinerien hätten iranisches Rohöl bereits in der Vergangenheit gemieden und sich zuletzt auch weitgehend aus dem russischen Handel zurückgezogen. Peking spielt hier ein doppeltes Spiel: Man profitiert von den Schnäppchenpreisen, will sich aber gleichzeitig nicht allzu offensichtlich als Sanktionsbrecher positionieren.
Iran zieht den Kürzeren
Im direkten Vergleich scheint bislang der Iran der Verlierer dieses Preiskampfes zu sein. Russische Öllieferungen an chinesische Häfen stiegen in den ersten 18 Tagen des Februar auf 2,09 Millionen Barrel pro Tag – ein Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber Januar und etwa 50 Prozent gegenüber Dezember. Die iranischen Exporte nach China hingegen gingen im bisherigen Jahresverlauf um etwa zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück.
Für Teheran kommt diese Entwicklung zur denkbar ungünstigsten Zeit. Angesichts der dramatischen Eskalation im Nahost-Konflikt – Israel startete im vergangenen Jahr Großangriffe auf iranische Atomanlagen, der Iran reagierte mit Raketenbeschuss – ist das Regime auf jeden Dollar aus dem Ölgeschäft angewiesen. Dass ausgerechnet der vermeintliche Verbündete Russland nun zum schärfsten Konkurrenten auf dem einzig verbliebenen Großmarkt wird, dürfte in Teheran für erhebliche Verstimmung sorgen.
Was bedeutet das für die globale Energieordnung?
Die Entwicklung offenbart eine fundamentale Verschiebung der globalen Energiemärkte. Die westlichen Sanktionen gegen Russland und den Iran haben keineswegs dazu geführt, dass weniger Öl fließt – sie haben lediglich die Handelsströme umgelenkt und die Preisstruktur verzerrt. China sitzt als lachender Dritter am Verhandlungstisch und kann sich sein Öl zu Schleuderpreisen sichern, während europäische Verbraucher weiterhin Premiumpreise für ihre Energieversorgung zahlen.
Für den deutschen Bürger, der an der Tankstelle und bei der Heizkostenabrechnung ohnehin schon stöhnt, ist diese Entwicklung ein weiterer Beleg dafür, wie sehr die westliche Sanktionspolitik am Ende vor allem die eigene Bevölkerung belastet. Während Peking billig einkauft, zahlen wir den vollen Preis – und finanzieren nebenbei noch ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen, das die Inflation weiter anheizen dürfte.
In Zeiten derart volatiler geopolitischer Verwerfungen und einer zunehmend fragilen Weltwirtschaftsordnung erweisen sich physische Edelmetalle einmal mehr als verlässlicher Anker der Vermögenssicherung. Gold und Silber kennen keine Sanktionen, keine Importquoten und keinen Preiskampf auf hoher See – sie bewahren ihren Wert, während Papierwährungen und politische Versprechen an Substanz verlieren.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jede Investitionsentscheidung sollte auf eigener, gründlicher Recherche basieren. Wir übernehmen keine Haftung für finanzielle Entscheidungen, die auf Grundlage dieses Artikels getroffen werden.
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