Kettner Edelmetalle
15.04.2026
21:57 Uhr

Peking stellt sich gegen Washington: China sichert Kuba demonstrativ Beistand zu

Peking stellt sich gegen Washington: China sichert Kuba demonstrativ Beistand zu

WĂ€hrend die Vereinigten Staaten unter PrĂ€sident Donald Trump ihre Druckpolitik gegenĂŒber dem sozialistischen Inselstaat Kuba weiter verschĂ€rfen, positioniert sich die Volksrepublik China unmissverstĂ€ndlich auf der Seite Havannas. Das chinesische Außenministerium verurteilte die amerikanische „Zwangsdiplomatie" in ungewöhnlich scharfen Worten und kĂŒndigte an, Kuba bei der Verteidigung seiner nationalen SouverĂ€nitĂ€t zu unterstĂŒtzen. Ein geopolitisches Schachspiel, das direkt vor der HaustĂŒr der USA stattfindet – und das Washington kaum gleichgĂŒltig sein dĂŒrfte.

Trumps DrohgebÀrden als Auslöser

Der Anlass fĂŒr Pekings deutliche Worte liegt auf der Hand: US-PrĂ€sident Trump hatte erst kĂŒrzlich angekĂŒndigt, seine Regierung könne sich nach einer Lösung des Iran-Konflikts verstĂ€rkt auf Kuba konzentrieren. Eine AnkĂŒndigung, die in Havanna wie auch in Peking als kaum verhĂŒllte Drohung verstanden wurde. Washington hĂ€lt derzeit eine Ölblockade gegen die Karibikinsel aufrecht, die die ohnehin katastrophale Energiekrise des Landes weiter verschĂ€rft. Benzinpreise von sieben Dollar, regelmĂ€ĂŸige Blackouts – die kubanische Bevölkerung leidet massiv unter den Folgen dieser Politik.

Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Guo Jiakun, forderte die USA unmissverstĂ€ndlich auf, sĂ€mtliche Strafmaßnahmen gegen Kuba sofort zu beenden. Man lehne die amerikanische Vorgehensweise „entschieden" ab. Deutlicher kann diplomatische Sprache kaum sein.

Kubas PrÀsident zwischen Dialogbereitschaft und Trotz

Bemerkenswert ist die Haltung des kubanischen PrĂ€sidenten Miguel DĂ­az-Canel, der trotz des enormen Drucks aus Washington seine Bereitschaft zu einem Dialog mit den USA bekrĂ€ftigte – allerdings nur auf der Grundlage von Respekt und Gleichberechtigung. Jede von außen auferlegte Forderung nach einem Regierungswechsel wies er kategorisch zurĂŒck. Eine Haltung, die man in westlichen HauptstĂ€dten als störrisch bezeichnen mag, die aber aus Sicht der nationalen SouverĂ€nitĂ€t durchaus nachvollziehbar erscheint.

Chinas stiller Vormarsch: Solartechnik statt Kanonenboote

Doch Peking belĂ€sst es nicht bei verbalen SolidaritĂ€tsbekundungen. Die wahre Dimension des chinesischen Engagements zeigt sich im Energiesektor – und die Zahlen sind beeindruckend. Die Volksrepublik lieferte im vergangenen Jahr Photovoltaik-Module mit einer Leistung von einem Gigawatt an die Insel. Inzwischen seien 34 Solarparks mit einer GesamtkapazitĂ€t von fast 1,2 Gigawatt in Betrieb, was einem Anstieg um 350 Prozent gegenĂŒber 2024 entspreche. Der Anteil von Solarstrom an Kubas Gesamterzeugung habe sich dadurch vervierfacht – auf rund neun Prozent.

ZusĂ€tzlich spendete Peking Solartechnik mit 320 Megawatt KapazitĂ€t, darunter Dachanlagen fĂŒr abgelegene WohnhĂ€user, Schulen und KrankenhĂ€user. Der chinesische Konzern Shanghai Electric investierte rund 60 Millionen US-Dollar in den 62-Megawatt-Solarpark Mariel – das erste privat betriebene Energieprojekt der Insel ĂŒberhaupt. Auch die Importe chinesischer Batteriespeicher stiegen sprunghaft: von 7,3 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 56 Millionen im vergangenen Jahr.

Energie als geopolitische Waffe – auf beiden Seiten

Was sich hier abzeichnet, ist ein klassisches Muster der Großmachtpolitik. WĂ€hrend Washington Energie als Druckmittel einsetzt und Kuba durch eine Ölblockade in die Knie zwingen will, nutzt Peking genau diese Schwachstelle, um seinen Einfluss in der westlichen HemisphĂ€re auszubauen. Chinas Botschafter in Havanna, Hua Xin, hatte die US-Energieblockade bereits im MĂ€rz kritisiert und eine vertiefte Zusammenarbeit bei erneuerbaren Energien angekĂŒndigt.

Man muss kein Geostratege sein, um zu erkennen, was hier geschieht: China etabliert sich systematisch als verlĂ€sslicher Partner fĂŒr Staaten, die unter dem Druck amerikanischer Sanktionspolitik stehen. Ob man das als kluge Diplomatie oder als expansionistisches KalkĂŒl bewertet, hĂ€ngt vom Standpunkt ab. Fest steht: Die multipolare Weltordnung nimmt immer konkretere Formen an – und Europa steht einmal mehr nur am Spielfeldrand.

FĂŒr Deutschland und Europa sollte diese Entwicklung ein Weckruf sein. WĂ€hrend sich die großen MĂ€chte in Lateinamerika, im Nahen Osten und in Asien positionieren, verliert der alte Kontinent zunehmend an geopolitischem Gewicht. Statt sich in ideologischen Debatten ĂŒber Gendersternchen und Klimakleber zu verlieren, wĂ€re es an der Zeit, die eigenen strategischen Interessen wieder in den Mittelpunkt zu rĂŒcken. Doch dafĂŒr brĂ€uchte es politische FĂŒhrung – und die ist in Berlin bekanntlich Mangelware.

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