
Organspende-Horror: Wenn der Tod zur Verhandlungssache wird
Was sich wie ein Albtraum aus einem Horrorfilm anhört, ist in den USA bittere RealitĂ€t geworden. Eine 38-jĂ€hrige Frau lag im Koma, ihre Familie hatte bereits der Organspende zugestimmt â doch kurz vor der geplanten Entnahme zeigte sie plötzlich Lebenszeichen. Die schockierende Reaktion der Organspende-Koordinatoren? Sie wiesen die Ărzte an, ihr Morphium zu verabreichen und trotzdem fortzufahren.
Der Fall von Danella Gallegos aus New Mexico wirft ein grelles Schlaglicht auf die dunklen AbgrĂŒnde einer Industrie, die offenbar mehr an funktionsfĂ€higen Organen als an menschlichem Leben interessiert ist. Als die obdachlose Frau 2022 nach einem medizinischen Notfall ins Koma fiel, erklĂ€rten die Ărzte des Presbyterian Hospital in Albuquerque sie fĂŒr hoffnungslos verloren. Ihre verzweifelte Familie stimmte der Organspende zu â eine Entscheidung, die sie fast das Leben gekostet hĂ€tte.
Die Gier nach Organen kennt keine Grenzen
Was dann geschah, lĂ€sst einem das Blut in den Adern gefrieren. Als Gallegos' Schwestern TrĂ€nen in ihren Augen sahen, taten die Koordinatoren der New Mexico Donor Services dies als bloĂen Reflex ab. Doch am Tag der geplanten Organentnahme bewegte sich die vermeintlich hirntote Patientin. Im Vorbereitungsraum geschah dann das Unfassbare: Auf Aufforderung eines Arztes konnte Gallegos mit den Augen blinzeln â ein eindeutiges Zeichen von Bewusstsein.
Die Reaktion des Organkoordinators? Er wies die fassungslosen Ărzte an, der Patientin Morphium zu spritzen und mit der Entnahme fortzufahren. Nur dem mutigen Widerstand der Mediziner ist es zu verdanken, dass Gallegos heute noch lebt. Sie erholte sich vollstĂ€ndig und erinnert sich sogar an ihre Angst wĂ€hrend des Komas.
"Sie sind nur an den Organen interessiert. Sie sind sehr aggressiv. Das ist widerwÀrtig", bringt es die erfahrene Intensivkrankenschwester Neva Williams auf den Punkt.
Ein System auĂer Kontrolle
Der Fall Gallegos ist kein Einzelfall. Die Organspendeindustrie in den USA scheint völlig aus den Fugen geraten zu sein. Eine bundesstaatliche Untersuchung in Kentucky deckte auf, dass die dortige Organbeschaffungsorganisation bei sage und schreibe 73 Spendern Anzeichen eines erwachenden Bewusstseins ignoriert hatte. In einem besonders verstörenden Fall wurden einem Mann Organe entnommen, obwohl er den Kopf schĂŒttelte und die Knie an die Brust zog.
Anthony Hoover hatte 2021 Ă€hnliches GlĂŒck im UnglĂŒck. Kurz bevor er von den lebenserhaltenden GerĂ€ten genommen werden sollte, wachte er plötzlich auf. Er ĂŒberlebte, erlitt aber schwere neurologische SchĂ€den. Weniger GlĂŒck hatte die 42-jĂ€hrige Misty Hawkins. Bei ihr stellten die Chirurgen erst fest, dass ihr Herz noch schlug und sie noch atmete, nachdem sie bereits ihren Brustkorb aufgesĂ€gt hatten. Sie verstarb kurz nach dem abgebrochenen Eingriff.
Die perverse Logik des Profits
Was treibt diese Maschinerie an? Die Antwort ist so simpel wie erschreckend: Geld und Leistungsdruck. Seit 2020 bewertet das US-Gesundheitsministerium Beschaffungsorganisationen danach, wie viele Organspenden sie pro Jahr durchfĂŒhren. Diese Quote entscheidet ĂŒber Fördergelder und VertrĂ€ge. Das Ergebnis? Ein gnadenloser Wettlauf um jedes verfĂŒgbare Organ, bei dem ethische Grenzen systematisch ĂŒberschritten werden.
Besonders perfide ist die sogenannte "Spende nach Kreislaufstillstand", die mittlerweile ein Drittel aller Organspenden in den USA ausmacht â eine Verdreifachung innerhalb von nur fĂŒnf Jahren. Bei dieser Methode werden Patienten, die zwar nicht hirntot sind, aber angeblich keine Aussicht auf Genesung haben, zu Organspendern erklĂ€rt. Die Zeitspanne zwischen dem Abstellen der lebenserhaltenden MaĂnahmen und der Organentnahme ist dabei so kurz, dass kaum Zeit fĂŒr sorgfĂ€ltige PrĂŒfungen bleibt.
Das Schweigen der LĂ€mmer
Dr. Robert Cannon, Transplantationschirurg an der University of Alabama, spricht aus, was viele denken, aber nicht zu sagen wagen: Das System sei so anfĂ€llig geworden, dass Ărzte aus Angst schweigen wĂŒrden. Die Furcht? Dass Menschen ihre Bereitschaft zur Organspende aufgeben könnten, wenn die Wahrheit ans Licht kĂ€me.
Diese Angst ist nicht unbegrĂŒndet. Denn was wĂŒrde geschehen, wenn die Ăffentlichkeit erfĂ€hrt, dass Organspende-Koordinatoren offenbar bereit sind, ĂŒber Leichen zu gehen â im wahrsten Sinne des Wortes? Dass sie Ărzte unter Druck setzen, Menschen zu töten, die noch Lebenszeichen zeigen?
Ein Weckruf fĂŒr Deutschland?
WĂ€hrend in Deutschland die Politik immer wieder ĂŒber eine Widerspruchslösung bei der Organspende diskutiert, sollten diese FĂ€lle aus den USA als mahnendes Beispiel dienen. Wenn schon in einem System mit Zustimmungslösung solche Exzesse möglich sind, was wĂŒrde erst geschehen, wenn jeder automatisch als Organspender gilt, sofern er nicht ausdrĂŒcklich widerspricht?
Die deutsche Gesundheitspolitik, die sich gerne als moralisch ĂŒberlegen inszeniert, tĂ€te gut daran, genau hinzuschauen. Denn auch hierzulande steigt der Druck auf KrankenhĂ€user und Ărzte, mehr Organe zu "beschaffen". Die Frage ist: Zu welchem Preis? Und wer kontrolliert eigentlich die Kontrolleure?
Der Fall Danella Gallegos sollte uns alle wachrĂŒtteln. Er zeigt, wohin es fĂŒhrt, wenn menschliches Leben zur Ware degradiert wird, wenn Quoten wichtiger werden als Ethik, wenn der Zweck angeblich die Mittel heiligt. Es ist höchste Zeit, dass wir uns fragen: Wollen wir wirklich in einer Gesellschaft leben, in der der Tod zur Verhandlungssache wird?
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