
Oracle-Aktie explodiert um 40% â Die absurdeste Wachstumsprognose der Tech-Geschichte
Was passiert, wenn ein Tech-Gigant mit 680 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung plötzlich beschlieĂt, die Gesetze der Mathematik und des gesunden Menschenverstands auĂer Kraft zu setzen? Oracle hat es uns gestern Abend vorgefĂŒhrt â und die Börse feiert diese RealitĂ€tsverweigerung mit einem beispiellosen Kurssprung von 40 Prozent.
Wenn schlechte Zahlen plötzlich gut sind
Die nackten Fakten hĂ€tten eigentlich fĂŒr einen Kursrutsch sorgen mĂŒssen: Der Umsatz lag mit 14,93 Milliarden Dollar unter den erwarteten 15,02 Milliarden. Die so wichtigen Cloud-Einnahmen verfehlten mit 3,3 Milliarden Dollar ebenfalls die Prognose von 3,38 Milliarden. Selbst der Gewinn pro Aktie enttĂ€uschte mit 1,47 Dollar gegenĂŒber den erwarteten 1,48 Dollar. Doch statt abzustĂŒrzen, schoss die Aktie in astronomische Höhen.
Der Grund fĂŒr diese MarktverrĂŒcktheit? Oracle-CEO Safra Catz verkĂŒndete stolz, dass man im ersten Quartal vier milliardenschwere VertrĂ€ge mit sage und schreibe drei Kunden abgeschlossen habe. Diese drei Kunden â man lasse sich das auf der Zunge zergehen â sollen den Auftragsbestand um sagenhafte 359 Prozent auf 455 Milliarden Dollar katapultiert haben.
Die Exponentialfunktion als GeschÀftsmodell
Doch der wahre Wahnsinn offenbart sich erst in Oracles Wachstumsprognose fĂŒr die Cloud-Infrastruktur. Das Unternehmen erwartet, dass die Einnahmen von derzeit etwa 10 Milliarden Dollar in diesem GeschĂ€ftsjahr auf 18 Milliarden steigen â soweit noch nachvollziehbar. Dann aber wird es abenteuerlich: 32 Milliarden im nĂ€chsten Jahr (Verdopplung), 73 Milliarden im ĂŒbernĂ€chsten (wieder Verdopplung), dann 114 Milliarden und schlieĂlich 144 Milliarden Dollar.
"Oracle ist mit einem brillanten Start ins GeschĂ€ftsjahr 2026 gestartet", verkĂŒndete das Management â als ob das bloĂe Aufstellen einer Excel-Tabelle mit Verdopplungsfunktion bereits eine GeschĂ€ftsleistung darstelle.
Die RealitÀt sieht anders aus
Diese Prognose ignoriert vollstĂ€ndig die tatsĂ€chlichen Marktgegebenheiten. Die Investitionsausgaben der Hyperscaler â schlieĂlich sind Oracles Einnahmen die Ausgaben anderer Unternehmen â werden nach einem Wachstum von 50 Prozent im Jahr 2025 voraussichtlich dramatisch abflachen. Von einer jĂ€hrlichen Verdopplung kann keine Rede sein.
Zudem blendet Oracle sĂ€mtliche praktischen BeschrĂ€nkungen aus: Stromversorgung, Wasserknappheit fĂŒr die KĂŒhlung der Rechenzentren, der tatsĂ€chliche Nutzen all dieser KI-Anwendungen (wie viele Chatbots brauchen Studenten wirklich fĂŒr ihre Hausarbeiten?) und nicht zuletzt der unvermeidliche Preisverfall, der jede technologische Revolution frĂŒher oder spĂ€ter ereilt. Chinesische Sprachmodelle können bereits heute zu 95 Prozent niedrigeren Kosten dasselbe leisten wie ihre amerikanischen Pendants.
Die gröĂte Blase aller Zeiten
Larry Ellison, der milliardenschwere Oracle-GrĂŒnder, scheint einen letzten groĂen Coup zu planen: Wie weit kann er gehen, bevor die AktionĂ€re endlich aufwachen? Die Antwort nach dem gestrigen Kurssprung: noch sehr, sehr weit. Denn niemand wagt es, den Kaiser als nackt zu bezeichnen. WĂŒrde jemand Oracles absurde Prognosen ernsthaft hinterfragen, mĂŒsste die gesamte KI-Blase in Frage gestellt werden.
Und genau das wird passieren â nur eben nicht heute. Die Geschichte lehrt uns, dass jede Blase irgendwann platzt. Die Frage ist nur, wie viele Anleger bis dahin noch auf diesen Wahnsinn hereinfallen werden. WĂ€hrend die MĂ€rkte Oracle fĂŒr seine Fantasiezahlen feiern, sollten besonnene Investoren vielleicht lieber auf bewĂ€hrte Werte setzen â etwa physische Edelmetalle, die im Gegensatz zu exponentiellen Wachstumsfantasien einen realen, greifbaren Wert darstellen.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss seine Investitionsentscheidungen selbst treffen und trĂ€gt die volle Verantwortung fĂŒr seine Anlageentscheidungen. Wir empfehlen, vor jeder Investition ausreichend zu recherchieren und gegebenenfalls professionellen Rat einzuholen.
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