
Neuer Verkehrsminister, alte Versprechen: Bilger und die 170-Milliarden-Illusion

Es ist ein Ritual, das der deutsche Steuerzahler mittlerweile im Schlaf mitsprechen könnte: Ein neuer Minister ĂŒbernimmt das Verkehrsressort, verspricht den groĂen Aufbruch, kĂŒndigt Rekordinvestitionen an â und wenige Jahre spĂ€ter stehen wir vor denselben gesperrten BrĂŒcken, denselben verspĂ€teten ZĂŒgen, denselben Schlaglöchern. Nun also Steffen Bilger (CDU), seit Mittwoch Herr ĂŒber StraĂen, Schienen und Wasserwege. Sein VorgĂ€nger Patrick Schnieder wurde am selben Tag verabschiedet. Wer die Personalrotation im Berliner Regierungsviertel verfolgt, verliert langsam den Ăberblick.
Der Arbeitsauftrag: Geld ausgeben
In den ARD-âTagesthemen" formulierte Bilger seine Mission mit bemerkenswerter Schlichtheit: Er mĂŒsse sicherstellen, dass die Infrastrukturmilliarden tatsĂ€chlich umgesetzt wĂŒrden. Rund 170 Milliarden Euro stĂŒnden in den kommenden vier Jahren bereit. Deutschland solle die MobilitĂ€t der Zukunft entwickeln, die BĂŒrger sollten spĂŒrbare Verbesserungen im Alltag erleben.
Mein Arbeitsauftrag lautet klar, vor allem sicherzustellen, dass die vielen Infrastrukturmilliarden auch in Zukunft umgesetzt werden.
Man beachte die Reihenfolge der PrioritĂ€ten. Nicht die Frage, wie sinnvoll investiert wird, steht im Zentrum â sondern dass investiert wird. Ein Ministerium als Ausgabeautomat. Woher das Geld stammt, wird höflich verschwiegen: aus dem 500-Milliarden-Sondervermögen, jenem schuldenfinanzierten Kraftakt, den Friedrich Merz vor der Wahl noch ausgeschlossen hatte. Zinsen zahlen unsere Kinder und Enkel.
Ein RĂŒckkehrer mit Erfahrung â aber welcher?
Bilger, gebĂŒrtiger Ludwigsburger, sitzt seit 2009 im Bundestag und war von 2018 bis 2021 parlamentarischer StaatssekretĂ€r im Verkehrsministerium â unter Andreas Scheuer. Pkw-Maut, Abgasskandal, Coronakrise: Der neue Minister nennt diese Jahre intensiv und lehrreich. Nun ja. Die Pkw-Maut endete in einem juristischen Desaster mit dreistelligem Millionenschaden fĂŒr die Steuerzahler. Wer daraus gelernt hat, sollte uns dringend erklĂ€ren, was genau.
Charmant ehrlich ist Bilger immerhin in einem Punkt: Er war nicht erste Wahl. Erst nach der Absage von Fritz GĂŒnzler kam die Anfrage. In der Politik gebe es viele geeignete Personen, sagte er dazu gelassen. Eine bemerkenswerte SelbsteinschĂ€tzung fĂŒr einen Ressortchef, der ein Jahrhundertprojekt stemmen soll.
Die Autoindustrie stirbt â und Berlin redet von âMobilitĂ€tslösungen"
Besonders bezeichnend ist Bilgers Umgang mit dem eigentlichen Elefanten im Raum. In Baden-WĂŒrttemberg, seiner Heimat, gehen bei Zulieferern und Herstellern die Lichter aus, Stellenabbau ist lĂ€ngst Alltag. Seine Antwort: Deutschland mĂŒsse weiterhin innovative MobilitĂ€tslösungen entwickeln, um ArbeitsplĂ€tze und Wohlstand zu sichern. Kein Wort zum Verbrenner-Verbot aus BrĂŒssel, kein Wort zu Strompreisen, die jede Produktion hierzulande zur Verlustrechnung machen, kein Wort zur ideologischen Regulierungswut der vergangenen Jahre. Man will die Symptome behandeln und die Ursache nicht benennen.
Unruhe in der eigenen Fraktion
Auch parteiintern knirscht es. Der neue Fraktionsvorsitzende Thorsten Frei erhielt knapp 92 Prozent â ordentlich, aber an der Basis brodelt es weiter. Bilger sprach von einer offenen, konstruktiven Aussprache, Kritik sei geĂ€uĂert worden, jedoch nicht destruktiv. Ăbersetzt: Es wurde deutlich, und man hat sich wieder auf die Sprachregelung geeinigt.
Was Anleger daraus mitnehmen sollten
Baustellen brĂ€chten zunĂ€chst Belastungen, langfristig aber Verbesserungen, verspricht der Minister. Das mag fĂŒr Asphalt gelten. FĂŒr die Kaufkraft des Euro gilt es nicht. Wenn ein Staat dreistellige MilliardenbetrĂ€ge auf Kredit in den Beton pumpt, wĂ€hrend die industrielle Basis erodiert, ist das Ergebnis vorhersehbar: mehr Geld, weniger Werte, steigende Preise. Wer sein Vermögen unabhĂ€ngig von politischen Personalkarussellen absichern will, kommt an einer solide beigemischten Position physischer Edelmetalle â Gold und Silber, greifbar, auĂerhalb des Bankensystems â kaum vorbei. Denn Minister kommen und gehen. Gold bleibt.
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