
Netanjahu bettelt um Begnadigung: Wenn Korruption zur StaatsrÀson wird
Es ist schon bemerkenswert, wie sich die MĂ€chtigen dieser Welt gegenseitig die HĂ€nde waschen. Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu, der sich wegen schwerwiegender KorruptionsvorwĂŒrfe vor Gericht verantworten muss, hat nun offiziell bei StaatsprĂ€sident Isaac Herzog um Begnadigung gebeten. Was fĂŒr ein Schauspiel politischer Selbstbedienung!
Trump als SteigbĂŒgelhalter der Korruption?
Besonders pikant: Der frisch vereidigte US-PrĂ€sident Donald Trump hatte bereits im November einen Brief an Herzog geschickt, in dem er eine Begnadigung Netanjahus forderte. Trump bezeichnete die Strafverfolgung als "politisch und ungerechtfertigt" - eine EinschĂ€tzung, die wohl eher seiner eigenen Erfahrung mit der Justiz entspringen dĂŒrfte als einer objektiven Betrachtung der Faktenlage.
Die Dreistigkeit kennt offenbar keine Grenzen: Bei einer Rede vor dem israelischen Parlament rief Trump dem israelischen PrÀsidenten zu: "Hey, ich habe eine Idee, Herr PrÀsident, warum begnadigen Sie ihn nicht? Begnadigen Sie ihn. Kommen Sie schon." Man könnte meinen, es handle sich um eine Szene aus einem schlechten Mafia-Film, doch nein - das ist die RealitÀt internationaler Politik im Jahr 2025.
Die schweren VorwĂŒrfe gegen Netanjahu
Dabei sind die Anschuldigungen gegen Netanjahu alles andere als Lappalien. Dem israelischen Regierungschef und seiner Frau Sara wird vorgeworfen, Geschenke im Wert von ĂŒber 260.000 Dollar angenommen zu haben - Schmuck, Champagner und Zigarren von MilliardĂ€ren, selbstverstĂ€ndlich nicht ohne Gegenleistung in Form politischer GefĂ€lligkeiten. In zwei weiteren FĂ€llen soll Netanjahu versucht haben, sich eine gĂŒnstigere Berichterstattung bei israelischen Medien zu erkaufen.
"Die Bewilligung dieses Antrags wird es dem Premierminister ermöglichen, seine gesamte Zeit, seine FÀhigkeiten und seine Energie in diesen kritischen Zeiten dem Fortschritt Israels zu widmen"
So argumentiert Netanjahus Anwalt Amit Hadad. Man könnte auch sagen: Die Begnadigung wĂŒrde es Netanjahu ermöglichen, weiterhin ungestraft die Spielregeln zu seinen Gunsten zu biegen.
Ein gefÀhrlicher PrÀzedenzfall
Was hier geschieht, ist mehr als nur ein israelisches Innenpolitikum. Es ist ein Frontalangriff auf die Rechtsstaatlichkeit und die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz. Wenn Regierungschefs sich gegenseitig vor strafrechtlicher Verfolgung schĂŒtzen, wenn Korruption zur akzeptierten Praxis wird, dann erodieren die Grundfesten demokratischer Gesellschaften.
Herzogs BĂŒro betont zwar, dass es sich um einen "auĂergewöhnlichen Antrag" handle, doch allein die Tatsache, dass dieser Antrag ĂŒberhaupt in ErwĂ€gung gezogen wird, sendet ein verheerendes Signal. Die Begnadigungsabteilung des Justizministeriums soll nun Stellungnahmen einholen - man darf gespannt sein, ob sich die israelische Justiz ihre UnabhĂ€ngigkeit bewahren kann oder ob sie dem politischen Druck nachgibt.
Die Lehren fĂŒr Deutschland
Auch hierzulande sollten wir genau hinschauen, was in Israel geschieht. Denn wenn politische Eliten sich ĂŒber das Recht stellen, wenn Korruption salonfĂ€hig wird und internationale Seilschaften die Justiz aushebeln, dann ist das eine Warnung fĂŒr alle demokratischen Gesellschaften. Gerade in Zeiten, in denen auch in Deutschland das Vertrauen in die Politik schwindet und die BĂŒrger zu Recht mehr Transparenz und IntegritĂ€t von ihren Volksvertretern fordern, mĂŒssen wir wachsam bleiben.
Die Tatsache, dass Trump sich so vehement fĂŒr Netanjahu einsetzt, wirft auch ein bezeichnendes Licht auf die neue US-Administration. Offenbar gilt dort das Motto: Eine Hand wĂ€scht die andere, egal wie schmutzig sie ist. FĂŒr die transatlantischen Beziehungen und die GlaubwĂŒrdigkeit westlicher Demokratien ist das ein Armutszeugnis.
Es bleibt zu hoffen, dass die israelische Justiz standhaft bleibt und sich nicht von politischem Druck beeinflussen lÀsst. Denn eines sollte klar sein: Vor dem Gesetz sind alle gleich - oder sollten es zumindest sein. Auch MinisterprÀsidenten.
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