
Merz' verzweifelte Videoschalte: Europa bettelt um Gehör vor dem Alaska-Gipfel
WĂ€hrend sich die Welt auf das historische Treffen zwischen US-PrĂ€sident Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin in Alaska vorbereitet, versucht Bundeskanzler Friedrich Merz mit einer hastigen Videokonferenz noch irgendeinen Einfluss zu gewinnen. Die internationale Diplomatie lĂ€uft auf Hochtouren â doch die Frage bleibt: Interessiert das ĂŒberhaupt jemanden in Washington oder Moskau?
Trump zeigt Europa die kalte Schulter
FĂŒr den US-PrĂ€sidenten scheint die von Merz initiierte Videoschalte nicht mehr als ein lĂ€stiger Pflichttermin zu sein. Trump, der bekanntlich wenig von langwierigen Konsultationen hĂ€lt, macht keinen Hehl daraus, dass fĂŒr ihn allein das direkte GesprĂ€ch mit Putin zĂ€hlt. Die amerikanischen Medien schenken dem europĂ€ischen Koordinierungsversuch kaum Beachtung â ein deutliches Zeichen dafĂŒr, wie wenig Gewicht man in Washington den europĂ€ischen Befindlichkeiten beimisst.
Immerhin hat sich Trumps Haltung gegenĂŒber den EuropĂ€ern in den vergangenen Monaten leicht gewandelt. Der Grund dafĂŒr ist allerdings weniger europĂ€ische Diplomatie als vielmehr harte Dollars: Die NATO-Partner haben endlich zugesagt, deutlich mehr fĂŒr ihre eigene Verteidigung auszugeben. Zudem zeigt sich Trump zufrieden mit den massiven Investitionszusagen der EU in den USA und den geplanten EnergiekĂ€ufen in Ă€hnlicher GröĂenordnung. Europa zahlt â und darf dafĂŒr am Katzentisch Platz nehmen.
Die "Koalition der Willigen" â Ein zahnloser Tiger?
Emmanuel Macron und Keir Starmer haben mit ihrer sogenannten "Koalition der Willigen" groĂe PlĂ€ne geschmiedet. Eine gemeinsame europĂ€ische Strategie sollte entwickelt werden, um den Ukraine-Krieg zu beenden â insbesondere fĂŒr den Fall, dass sich die USA komplett aus der UnterstĂŒtzung zurĂŒckziehen wĂŒrden. Die Idee einer europĂ€ischen Friedenstruppe, die einen möglichen Waffenstillstand absichern könnte, klingt auf dem Papier beeindruckend.
"Die Koalition der Willigen geht maĂgeblich auch auf Emmanuel Macron zurĂŒck. Gemeinsam mit dem britischen Premier Keir Starmer war es sein Ziel, eine gemeinsame europĂ€ische Strategie zu entwickeln."
Doch die RealitĂ€t sieht ernĂŒchternd aus: Deutschland stand dem Plan von Anfang an skeptisch gegenĂŒber. Die Details blieben lange unklar, und die Frage nach Bodentruppen in der Ukraine sorgte fĂŒr zusĂ€tzliche Verwirrung. Erst im Juli einigten sich Macron und Starmer auf konkrete Details â allerdings ohne Kampftruppen am Boden. Ein Papiertiger also, der Putin kaum beeindrucken dĂŒrfte.
Moskaus HĂ€me ĂŒber europĂ€ische Panik
In Russland beobachtet man die europĂ€ischen BemĂŒhungen mit unverhohlenem Spott. Die russischen Staatsmedien sprechen von "kollektiver Panik" und machen sich ĂŒber die verzweifelten Versuche lustig, das bilaterale Treffen zwischen Trump und Putin zu beeinflussen. Wladimir Dschabarow, stellvertretender Vorsitzender des AuswĂ€rtigen Ausschusses des russischen Föderationsrats, bringt es auf den Punkt: Die EuropĂ€er wĂŒrden sich "unanstĂ€ndig" verhalten und Selenskyj bei der ersten Gelegenheit fallen lassen.
Der russische Politologe Nikolai Plotnikow geht noch weiter und bezeichnet die europĂ€ischen BemĂŒhungen als "sinnlos". Man fĂŒhle sich in Moskau am lĂ€ngeren Hebel â und genieĂe diese Position sichtlich. Die Merz-Initiative wird in Russland als das wahrgenommen, was sie möglicherweise ist: Ein verzweifelter Versuch, noch irgendeinen Einfluss auf Entwicklungen zu nehmen, die lĂ€ngst ĂŒber Europas Köpfe hinweg entschieden werden.
Europas verzweifelte Versuche der Einflussnahme
Seit Bekanntwerden des Alaska-Gipfels versuchen die EuropĂ€er ĂŒber verschiedene KanĂ€le, ihre Position zu vermitteln: Statements, Telefonate, Sondersitzungen â alles wird aufgeboten, um wenigstens gehört zu werden. Die heutige Videoschalte mit Vertretern aus Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Finnland, GroĂbritannien sowie NATO- und EU-Spitzen ist nur ein weiterer Versuch in dieser Reihe.
Die europĂ€ischen Forderungen klingen dabei wie ein Mantra: Keine Grenzverschiebungen mit Gewalt, weitere UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine, "robuste" Sicherheitsgarantien, keine Entscheidungen ĂŒber die Köpfe der Betroffenen hinweg. Doch die Sorge ist groĂ â und berechtigt â, dass genau das Gegenteil geschehen wird.
Die bittere RealitÀt der neuen Weltordnung
Was wir hier erleben, ist nichts weniger als eine tektonische Verschiebung der globalen MachtverhÀltnisse. Europa, einst stolz auf seine diplomatische Tradition und seinen Einfluss, muss zusehen, wie die wirklich wichtigen Entscheidungen ohne seine Beteiligung getroffen werden. Die von Merz hastig einberufene Videokonferenz wirkt dabei wie der verzweifelte Versuch eines Ertrinkenden, sich an einem Strohhalm festzuhalten.
Besonders bitter ist die Erkenntnis, dass Europa trotz aller finanziellen Zusagen und Investitionen in die USA letztlich nur eine Nebenrolle spielt. Trump hat bekommen, was er wollte â mehr Geld fĂŒr die NATO, massive Investitionen und EnergiekĂ€ufe. Im Gegenzug gewĂ€hrt er den EuropĂ€ern gnĂ€dig eine Videoschalte und verspricht, sie nach dem Alaska-Gipfel ĂŒber die Ergebnisse zu informieren. Mehr nicht.
Die neue deutsche Regierung unter Friedrich Merz, die mit groĂen Versprechen angetreten ist, zeigt sich hier von ihrer schwĂ€chsten Seite. Statt starker FĂŒhrung erleben wir hektischen Aktionismus ohne echte Substanz. Die GroĂe Koalition, die eigentlich StabilitĂ€t und StĂ€rke ausstrahlen sollte, wirkt in der internationalen Arena wie ein zahnloser Tiger.
Was bleibt, ist die ernĂŒchternde Erkenntnis: In der neuen Weltordnung, die sich gerade vor unseren Augen formiert, spielt Europa bestenfalls die zweite Geige. Die wirklich wichtigen Entscheidungen werden anderswo getroffen â und wir dĂŒrfen froh sein, wenn man uns ĂŒberhaupt noch informiert.
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