Kettner Edelmetalle
18.03.2026
14:55 Uhr

Merz' diplomatisches Desaster: Wie der Kanzler Deutschland zwischen alle StĂŒhle setzt

Merz' diplomatisches Desaster: Wie der Kanzler Deutschland zwischen alle StĂŒhle setzt

Es gibt Momente in der Politik, in denen ein einziger Satz jahrelange diplomatische Aufbauarbeit zunichtemachen kann. Bundeskanzler Friedrich Merz scheint genau einen solchen Moment erlebt zu haben – oder besser gesagt: herbeigefĂŒhrt zu haben. Mit seiner brĂŒsken Absage an jegliche deutsche Beteiligung zur Sicherung der Straße von Hormus hat er nicht nur US-PrĂ€sident Donald Trump in Rage versetzt, sondern auch seine eigene außenpolitische GlaubwĂŒrdigkeit in TrĂŒmmer gelegt.

Trump „so wĂŒtend wie noch nie" – und das will etwas heißen

US-Senator Lindsey Graham, der als einer der wichtigsten BrĂŒckenbauer zwischen Washington und den europĂ€ischen VerbĂŒndeten gilt, fand nach einem GesprĂ€ch mit dem PrĂ€sidenten drastische Worte: Er habe Trump „noch nie so wĂŒtend in seinem Leben gesehen". Wer die TemperamentsausbrĂŒche des 47. US-PrĂ€sidenten ĂŒber die Jahre verfolgt hat, der weiß, dass diese EinschĂ€tzung aus dem Munde eines engen Vertrauten BĂ€nde spricht. Wenn selbst Graham – traditionell ein ausgesprochener Verteidiger der NATO und transatlantischer Beziehungen – den Wert dieser BĂŒndnisse öffentlich infrage stellt, dann brennt es lichterloh im GebĂ€lk der westlichen Allianz.

Was war geschehen? Nachdem der Iran in der Straße von Hormus den internationalen Schiffsverkehr massiv attackiert und faktisch zum Erliegen gebracht hatte, regte Trump an, dass nicht nur die USA, sondern auch europĂ€ische VerbĂŒndete bei der Sicherung dieser lebenswichtigen Meerenge mitwirken könnten. Wohlgemerkt: Es ging nicht um eine Beteiligung an den amerikanisch-israelischen MilitĂ€rschlĂ€gen gegen das iranische Regime, sondern schlicht um den Schutz der zivilen Schifffahrt in internationalen GewĂ€ssern.

Merz' fataler Tweet und die 180-Grad-Wende

Die Antwort des Bundeskanzlers kam schroff und unmissverstĂ€ndlich: „Wir werden uns nicht daran beteiligen, in der Straße von Hormus mit militĂ€rischen Mitteln eine freie Schifffahrt zu gewĂ€hrleisten. Der Krieg im Nahen Osten ist nicht Angelegenheit der NATO." Juristisch mag Merz damit Recht haben – der Konflikt fĂ€llt formal nicht unter den Nordatlantikpakt, da die betroffenen GewĂ€sser außerhalb des definierten Vertragsgebiets liegen. Doch sich auf dieses formalistische Argument zurĂŒckzuziehen, ist von einer geradezu atemberaubenden Kurzsichtigkeit.

Besonders pikant wird die Angelegenheit, wenn man Merz' eigene Worte von nur 17 Tagen zuvor dagegenhĂ€lt. Gemeinsam mit Frankreichs Macron und dem britischen Premier Starmer hatte der Kanzler noch erklĂ€rt, man werde „die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um unsere Interessen und die unserer VerbĂŒndeten in der Region zu verteidigen" – einschließlich „verhĂ€ltnismĂ€ĂŸiger militĂ€rischer Defensivmaßnahmen". Von dieser Position zu einer kategorischen Absage an jegliche Beteiligung in nicht einmal drei Wochen – das ist selbst fĂŒr die notorisch wankelmĂŒtige deutsche Außenpolitik ein bemerkenswerter Rekord.

Die Doppelmoral der deutschen Außenpolitik

Was die Sache vollends absurd macht: Am selben Tag, an dem Merz seine Absage verkĂŒndete, erklĂ€rte das AuswĂ€rtige Amt, dass „das iranische Regime eine ernsthafte Bedrohung darstellt – fĂŒr seine Nachbarn und die gesamte Region, fĂŒr die Freiheit der Schifffahrt und fĂŒr die Weltwirtschaft". Die Bedrohung dĂŒrfe „nicht fortbestehen", so die offizielle deutsche Position. Man erkennt also die Gefahr, benennt sie sogar öffentlich – und weigert sich dann, auch nur den kleinsten Finger zu rĂŒhren. Das ist keine Diplomatie. Das ist Selbstbetrug auf höchstem Niveau.

Denn hier geht es nicht um irgendeinen fernen Konflikt, der Deutschland nichts angeht. Der Iran nimmt gezielt auch deutsche Öllieferungen vom Golf ins Visier. Deutsche Schiffe werden in internationalen GewĂ€ssern bedroht. Deutsche Reedereien sind unmittelbar betroffen. Völlig unabhĂ€ngig von den USA hĂ€tte Deutschland also jedes Recht – und ein vitales eigenes Interesse –, seine Handelsrouten und Schiffe zu schĂŒtzen. Stattdessen duckt man sich weg und hofft, dass Trump das Problem schon alleine lösen wird.

Das gefÀhrliche Spiel mit der Ukraine-Karte

Die strategische Kurzsichtigkeit dieser Haltung wird besonders deutlich, wenn man den Blick auf die Ukraine richtet. Denn gleichzeitig verlangt Berlin von Washington eine starke UnterstĂŒtzung Kiews im Krieg gegen Russland. Rein formal könnte sich Trump hier exakt auf die gleiche Argumentation zurĂŒckziehen, die Merz nun bemĂŒht: keine NATO-Sache, nicht unser Krieg, Ende der Diskussion. Dass Trump genau diesen Hebel irgendwann ansetzen könnte, dĂŒrfte jedem klar denkenden Strategen in Berlin bewusst sein. Dass man ihm diesen Hebel nun auch noch freiwillig in die Hand drĂŒckt, grenzt an politischen Selbstmord.

Graham brachte die Konsequenzen auf den Punkt, als er von der „beleidigenden Arroganz unserer VerbĂŒndeten" sprach und deren europĂ€ischen Ansatz zur EindĂ€mmung der iranischen Gefahr als „tĂ€gliches Fiasko" bezeichnete. Die Folgen der unzureichenden UnterstĂŒtzung wĂŒrden fĂŒr Europa und Amerika „weitreichend und gravierend" sein. Wenn ein Mann wie Graham – normalerweise ein Fels in der Brandung transatlantischer SolidaritĂ€t – so spricht, dann hat Merz in Washington bereits erheblichen Schaden angerichtet.

Die Bundeswehr: Zwischen Anspruch und trauriger RealitÀt

NatĂŒrlich ließe sich einwenden, dass die Deutsche Marine fĂŒr solche EinsĂ€tze nur begrenzt KapazitĂ€ten hat. Das ist richtig – und zugleich ein vernichtendes Urteil ĂŒber Jahrzehnte verfehlter Verteidigungspolitik. Doch selbst mit begrenzten Mitteln – etwa Minenabwehrbooten in Kombination mit VerbĂŒndeten – hĂ€tte Deutschland einen symbolisch wie praktisch bedeutsamen Beitrag leisten können. Es hĂ€tte gezeigt, dass man bereit ist, fĂŒr die eigenen Interessen einzustehen. Stattdessen hat man sich fĂŒr die bequemste aller Optionen entschieden: nichts tun und hoffen, dass es schon irgendwie gut geht.

Das ganze Gerede von europĂ€ischer strategischer Autonomie, von einer eigenstĂ€ndigen Sicherheitsarchitektur, von einem Europa, das auf eigenen Beinen steht – es entpuppt sich einmal mehr als hohle Phrase. Denn wenn man es ernst meinen wĂŒrde mit der strategischen UnabhĂ€ngigkeit, dann wĂ€re die Sicherung des Schiffsverkehrs im Mittleren Osten eines der geopolitischen Kerninteressen, die man auch ohne die USA durchsetzen mĂŒsste. Stattdessen versteckt man sich hinter formaljuristischen Argumenten und ĂŒberlĂ€sst die Drecksarbeit den Amerikanern – um sich dann zu wundern, wenn diese irgendwann die Geduld verlieren.

Ein Kanzler ohne Kompass

Friedrich Merz, der als Kanzlerkandidat noch mit dem Versprechen einer klaren, interessengeleiteten Außenpolitik angetreten war, erweist sich zunehmend als Getriebener. Seine 180-Grad-Wende innerhalb von 17 Tagen offenbart eine erschreckende Orientierungslosigkeit. Man kann nicht gleichzeitig festhalten, dass der Krieg am Golf massive Auswirkungen auf Deutschland hat, und parallel darauf beharren, dass man damit nichts zu tun habe. Man kann nicht die Bedrohung durch den Iran als existenziell bezeichnen und sich dann weigern, auch nur das Geringste dagegen zu unternehmen.

Was bleibt, ist das Bild eines Kanzlers, der zwischen innenpolitischem KalkĂŒl und außenpolitischer Verantwortung zerrieben wird. Der Reflex, sich aus jedem Konflikt herauszuhalten, mag in der deutschen Bevölkerung kurzfristig populĂ€r sein. Langfristig aber zahlt Deutschland einen hohen Preis dafĂŒr – in Form von schwindendem Einfluss, bröckelnden BĂŒndnissen und einer zunehmenden AbhĂ€ngigkeit von Akteuren, die ihre eigenen Interessen deutlich entschlossener verfolgen. Die Rechnung fĂŒr diese Fehlkalkulation wird kommen. Die Frage ist nur, wann – und wie hoch sie ausfallen wird.

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