
Mattis (12) verliert Hände und Füße – und will zurück auf den Platz

Ein Junge aus Mühlenbeck in Brandenburg klagt Anfang Juni über Kopfschmerzen. Wenige Wochen später haben Ärzte ihm beide Hände und beide Füße amputiert. Auslöser war Medienberichten zufolge eine Salmonellen-Sepsis – eine Blutvergiftung, die in Stunden über Leben und Tod entscheidet.
Drei Tage vor dem großen Traum begann das Drama
Mattis spielte in der D-Jugend des SV Mühlenbeck 47. Ein Talent, das nach manchem Spiel als bester Akteur ausgezeichnet wurde, wie der Vorsitzende des Fußballkreises Oberhavel/Barnim, Michael Reichert, der Berliner Zeitung schilderte. Der Elfjährige hatte sich sogar per Ausnahmegenehmigung zum Schiedsrichterlehrgang angemeldet – erlaubt ist das eigentlich erst ab zwölf.
Drei Tage vor dem Lehrgang kam alles anders. Am 2. Juni musste der Sechstklässler vorzeitig aus der Schule geholt werden: Kopfschmerzen, dann Bauchschmerzen, Fieber, Erbrechen. Am Folgetag kam schwerer Durchfall hinzu.
Der Kinderarzt in Hohen Neuendorf alarmierte sofort den Rettungswagen. Es folgten Intensivstation, künstliches Koma, eine mobile Herz-Lungen-Maschine, die Verlegung in die Charité. Zehn Tage bangten die Eltern. Einen Tag nach dem Erwachen aus dem Koma wurde Mattis zwölf Jahre alt.
Der Preis des Überlebens
Schon im Koma zeichnete sich ab, dass Hände und Füße nicht mehr ausreichend durchblutet wurden. Die Mutter habe am Krankenbett stundenlang die Gliedmaßen ihres Sohnes massiert, berichtet eine Familienfreundin, die für die Eltern spricht. Vergeblich: Anfang Juli mussten die Hände amputiert werden, wenige Tage später auch die Füße.
Was der Junge gegessen hatte, ist bis heute unklar. Salmonellen zählen in Deutschland zu den häufigsten Erregern lebensmittelbedingter Ausbrüche – 2024 wurden laut offiziellen Angaben 15.274 Fälle gemeldet. Schwere Verläufe wie dieser sind selten. Zur Sepsis insgesamt heißt es von Fachgesellschaften, jährlich erkrankten mindestens 230.000 Menschen in Deutschland, mindestens 85.000 stürben daran – ein großer Teil davon wäre bei früherer Erkennung vermeidbar.
Ein Dorf, ein Verein, eine ganze Fußballfamilie
Und dann passiert das, was in diesem Land zum Glück noch immer funktioniert: Nachbarn, Mitschüler, Vereinskameraden rücken zusammen. Eine Spendenaktion unter dem Motto #gemeinsamfürmattis soll 200.000 Euro einbringen – für den barrierefreien Umbau des Elternhauses und für Hilfsmittel. Medienberichten zufolge war die Marke von 100.000 Euro bereits vor Wochen geknackt.
An diesem Sonntag lädt der SV Mühlenbeck 47 zum Benefizturnier: zwölf D-Jugend-Mannschaften, von 10 bis 17 Uhr auf dem Sportplatz in der Berliner Straße. In der Turnierankündigung heißt es:
Wir können ihm nicht zurückgeben, was er verloren hat. Aber wir können ihm zeigen, dass er nicht alleine kämpfen muss.
Keine Behörde, kein Programm, kein Fördertopf – Menschen, die anpacken. Aus Sicht unserer Redaktion ist das die stärkste Antwort auf ein Schicksal, das jede Familie treffen kann.
Er lernt schon wieder Vokabeln
Der Großvater baute Manschetten für die Arme, in die Touchstifte eingeklemmt werden – so bedient Mattis sein Tablet. Er büffelt bereits wieder Vokabeln und will zurück in die Schule. Statt aufs Gymnasium zu wechseln, wird er die sechste Klasse wiederholen. Erst kommen Therapien, Reha, Prothesen. Berichten zufolge halten Ärzte Fußball für ihn weiterhin für möglich.
Reichert jedenfalls hat ein Versprechen gegeben: Wolle der Junge noch immer Schiedsrichter werden, werde man einen Weg finden. Er kenne einen Unparteiischen, der nach einem Unfall ein Bein verlor – und heute mit Prothese Männerspiele pfeife.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Verdacht auf eine schwere Infektion ist umgehend ärztliche Hilfe zu suchen.
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