Kettner Edelmetalle
18.02.2026
14:40 Uhr

Machtpoker um die EZB: Lagarde will offenbar vorzeitig abtreten – damit Macron seinen Einfluss zementiert

Was sich in Frankfurt am Main anbahnt, hat weniger mit Geldpolitik zu tun als mit einem dreisten Schachzug der politischen Eliten Europas. Christine Lagarde, die PrĂ€sidentin der EuropĂ€ischen Zentralbank, plant offenbar, ihr Amt vorzeitig niederzulegen – nicht etwa aus gesundheitlichen GrĂŒnden oder weil sie ihre Mission fĂŒr erfĂŒllt hĂ€lt, sondern um dem scheidenden französischen PrĂ€sidenten Emmanuel Macron die Möglichkeit zu geben, bei der Nachfolgebesetzung noch ein gewichtiges Wort mitzureden. Ein Vorgang, der demokratische Grundprinzipien ad absurdum fĂŒhrt.

Ein kalkulierter RĂŒckzug mit politischem KalkĂŒl

Laut einem Bericht der Financial Times beabsichtige Lagarde, vor der französischen PrĂ€sidentschaftswahl im April 2027 ihren Posten zu rĂ€umen. Ihre regulĂ€re Amtszeit wĂŒrde eigentlich erst im Oktober 2027 enden. Der Grund fĂŒr dieses Manöver sei so durchsichtig wie bezeichnend: Macron, der nicht fĂŒr eine dritte Amtszeit kandidieren darf, wolle gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz ĂŒber die Nachfolge an der EZB-Spitze entscheiden – bevor möglicherweise ein neuer französischer PrĂ€sident ins Amt kommt, der andere Vorstellungen von europĂ€ischer Geldpolitik haben könnte.

Ein EZB-Sprecher erklĂ€rte zwar gegenĂŒber Reuters, Lagarde sei „voll auf ihre Aufgabe konzentriert und habe keine Entscheidung bezĂŒglich des Endes ihrer Amtszeit getroffen". Doch diese Formulierung ist verrĂ€terisch. Noch im vergangenen Jahr hatte die EZB betont, Lagarde sei „entschlossen, ihre Amtszeit zu vollenden". Der feine, aber entscheidende Unterschied in der Wortwahl spricht BĂ€nde.

Die eigentliche Angst: Der WÀhler könnte anders entscheiden

Was die etablierten Kreise in BrĂŒssel und Paris offenbar in Panik versetzt, ist die Aussicht, dass bei der französischen PrĂ€sidentschaftswahl Marine Le Pen oder ihr politischer Zögling Jordan Bardella an die Macht gelangen könnten. Le Pen liegt in den Umfragen derzeit vorn. Beide gelten als EU-skeptisch – ein Attribut, das in den Augen der BrĂŒsseler Nomenklatura offenbar schlimmer wiegt als jede wirtschaftliche Fehlentscheidung.

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine demokratische Wahl, deren Ausgang noch völlig offen ist, wird von den amtierenden Eliten als derart bedrohlich empfunden, dass sie im Vorfeld Fakten schaffen wollen. Statt den Willen der WĂ€hler zu respektieren und abzuwarten, wer kĂŒnftig in Frankreich regiert, werden SchlĂŒsselpositionen in einer Art politischem Ausverkauf mit Vertrauten besetzt. Ist das die vielgepriesene europĂ€ische Demokratie, von der in Sonntagsreden so gerne geschwĂ€rmt wird?

Macrons systematische Postenvergabe

Lagardes geplanter RĂŒckzug steht dabei keineswegs isoliert da. Erst vor einer Woche hatte der Chef der französischen Notenbank, François Villeroy de Galhau, angekĂŒndigt, sein Amt im Juni abzugeben – eineinhalb Jahre vor dem regulĂ€ren Ende seiner Amtszeit. Macron habe laut Financial Times zuletzt auch andere SchlĂŒsselpositionen mit Vertrauten besetzt, etwa an der Spitze des nationalen Rechnungshofs. Ein Muster, das sich nicht mehr als Zufall abtun lĂ€sst. Hier wird systematisch eine Machtarchitektur errichtet, die den Volkswillen ĂŒberdauern soll.

Wer könnte Lagarde nachfolgen?

Als aussichtsreiche Kandidaten fĂŒr die Nachfolge werden der frĂŒhere niederlĂ€ndische Notenbankchef Klaas Knot, der Generaldirektor der Bank fĂŒr Internationalen Zahlungsausgleich Pablo HernĂĄndez de Cos sowie BundesbankprĂ€sident Joachim Nagel gehandelt. Auch EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel habe Interesse bekundet, wobei EU-Vorschriften ihre Kandidatur erschweren könnten, da Direktoriumsmitglieder nur eine nicht verlĂ€ngerbare Amtszeit haben. Traditionell mĂŒsse ein erfolgreicher Kandidat die UnterstĂŒtzung sowohl Frankreichs als auch Deutschlands genießen – was die deutsch-französische Achse einmal mehr zum entscheidenden Machtfaktor macht.

Eine durchwachsene Bilanz

Lagardes Amtszeit war von einer Reihe schwerer Krisen geprĂ€gt: der Corona-Pandemie, dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und einem eskalierenden Handelskonflikt mit den USA. Unter ihrer FĂŒhrung stieg die Inflation in der Eurozone Ende 2022 auf fast elf Prozent – ein Wert, der Millionen europĂ€ischer Sparer und BĂŒrger hart traf und die Kaufkraft ganzer Bevölkerungsschichten dezimierte. Die EZB hob daraufhin den Leitzins innerhalb von gut einem Jahr von minus 0,5 auf vier Prozent an, bevor sie ab Mitte 2024 die Zinsen wieder auf zwei Prozent senkte.

Die FinanzmĂ€rkte reagierten auf die Nachricht zunĂ€chst gelassen. Anleiherenditen und der Euro-Kurs blieben weitgehend unverĂ€ndert. Doch diese Ruhe könnte trĂŒgerisch sein. Denn die eigentliche Frage lautet nicht, wer kĂŒnftig an der Spitze der EZB steht, sondern wer darĂŒber entscheidet – und ob diese Entscheidung noch irgendetwas mit demokratischer Legitimation zu tun hat.

Demokratie nach Gutsherrenart

Was wir hier erleben, ist nichts weniger als die Aushöhlung demokratischer Prozesse durch eine politische Klasse, die den Kontakt zum BĂŒrger lĂ€ngst verloren hat. Wenn gewĂ€hlte AmtstrĂ€ger ihre Positionen vorzeitig rĂ€umen, nur damit ein scheidender PrĂ€sident seine Gefolgsleute installieren kann, bevor das Volk möglicherweise anders entscheidet – dann hat das mit Demokratie so viel zu tun wie ein Kasperletheater mit Shakespeare.

Lagarde selbst hatte in einem Interview im Januar angedeutet, sie sei bei ihrer Ernennung 2019 von einer fĂŒnfjĂ€hrigen Amtszeit ausgegangen. Macron habe sie damals korrigiert: „Nein, acht Jahre." Dass sie nun offenbar doch nicht die vollen acht Jahre absitzen möchte, passt ins Bild einer politischen Klasse, die Regeln nur dann ernst nimmt, wenn sie den eigenen Interessen dienen.

FĂŒr den deutschen BĂŒrger, dessen Ersparnisse durch die jahrelange Nullzinspolitik und die anschließende Inflationswelle massiv entwertet wurden, ist dieser Vorgang ein weiterer Beleg dafĂŒr, dass die europĂ€ischen Institutionen weniger dem Gemeinwohl als vielmehr den Interessen einer abgehobenen Elite dienen. Wer sein Vermögen langfristig schĂŒtzen möchte, tut gut daran, auf bewĂ€hrte Werte zu setzen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben sich ĂŒber Jahrhunderte als verlĂ€sslicher Schutz gegen politische WillkĂŒr und geldpolitische Experimente bewĂ€hrt – und daran wird auch der nĂ€chste EZB-PrĂ€sident nichts Ă€ndern.

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