Kettner Edelmetalle
22.04.2026
16:00 Uhr

Kupfer vor dem Paukenschlag: Goldman hÀlt Kurs, Traxys sieht 15.000 Dollar

Kupfer vor dem Paukenschlag: Goldman hÀlt Kurs, Traxys sieht 15.000 Dollar

Der rote Metall-Markt brodelt – und das ist noch untertrieben. WĂ€hrend die Welt gebannt auf den eskalierenden Nahost-Konflikt starrt, schreibt Kupfer seine eigene, packende Geschichte. Der Preis hielt sich in dieser Woche souverĂ€n ĂŒber der Marke von 13.200 Dollar je Tonne, kletterte zeitweise sogar ĂŒber 13.300 Dollar. Vier Wochen in Folge ging es nach oben, und das Allzeithoch vom Januar liegt nur noch 1.000 Dollar entfernt. Wer jetzt noch glaubt, die RohstoffmĂ€rkte seien in ruhigem Fahrwasser, der verschlĂ€ft gerade den entscheidenden Umbruch.

Straße von Hormuz – der unterschĂ€tzte Dominoeffekt

Die Schließung der Straße von Hormuz entpuppt sich als Brandbeschleuniger, den kaum jemand auf dem Radar hatte. Der Grund ist so simpel wie verheerend: SchwefelsĂ€ure. Rund ein FĂŒnftel der weltweiten PrimĂ€rkupferproduktion hĂ€ngt an diesem unscheinbaren Rohstoff. Wenn die Tanker nicht mehr durchkommen, stockt die Produktion. Es ist ein klassischer Lehrbuch-Fall dafĂŒr, wie globale Lieferketten ĂŒber Nacht kollabieren können – ein Thema, das hierzulande gerne verdrĂ€ngt wird, solange man in Berlin lieber ĂŒber Gendersternchen und KlimaneutralitĂ€t philosophiert.

VerschĂ€rft wird die Lage durch Peking: China, der weltgrĂ¶ĂŸte Produzent von SchwefelsĂ€ure, will den Export ab dem 1. Mai schlichtweg einstellen. Ein geopolitischer Schachzug mit Ansage. Und wĂ€hrend deutsche Industriepolitiker noch ĂŒberlegen, wie man den nĂ€chsten Klimagipfel ausrichtet, sichert sich das Reich der Mitte den Zugriff auf die industriellen FlaschenhĂ€lse der Weltwirtschaft.

Goldman Sachs bleibt standhaft – trotz Überschussprognose

Die Analysten von Goldman Sachs haben ihre Durchschnittsprognose fĂŒr den Kupferpreis bei 12.650 Dollar pro Tonne fĂŒr dieses Jahr belassen. Und das, obwohl die Bank rein rechnerisch mit einem Überschuss von 490.000 Tonnen kalkuliert. Der Grund fĂŒr die Gelassenheit: Die Kombination aus Hormuz-Blockade und chinesischem Exportbann könnte den Markt empfindlich verknappen.

Besonders im Visier stehen zwei Schwergewichte der Branche: die Demokratische Republik Kongo und Chile. Im Kongo reichen die SchwefelsĂ€ure-VorrĂ€te noch zwei bis drei Monate. Halten die EngpĂ€sse bis in den SpĂ€tmai oder Juni an, könnten bis zu 125.000 Tonnen Jahresproduktion wegbrechen. Chile, der weltweit fĂŒhrende Kupferproduzent, bezog 2025 laut Goldman rund ein Drittel seiner SchwefelsĂ€ure aus China. Ein Bann könnte dort 200.000 Tonnen Produktion gefĂ€hrden – ein Prozent der globalen Gesamtproduktion. Morgan Stanley ergĂ€nzt: Die chilenischen Minenunternehmen produzieren etwa 1,125 Millionen Tonnen Kupfer ĂŒber das SX-EW-Verfahren, das zwingend auf SchwefelsĂ€ure angewiesen ist.

Traxys blÀst zur Offensive: 15.000 Dollar in Sicht

Noch deutlich bullischer positioniert sich der RohstoffhĂ€ndler Traxys. CEO Mark Kristoff prognostizierte auf dem Financial Times Commodities Global Summit in Lausanne, dass Kupfer in den nĂ€chsten 24 bis 36 Monaten die magische Marke von 15.000 Dollar pro Tonne knacken werde. Es sei zwar fraglich, ob dies bereits bis Jahresende geschehe, doch mittelfristig sei die Richtung klar. Auch chinesische Analysten berichten, dass die Verbrauchsdaten im Reich der Mitte rasant steigen. Satellitendaten zeigen, dass die AktivitĂ€t chinesischer KupferhĂŒtten im MĂ€rz auf einem Allzeithoch lag, wĂ€hrend die LagerbestĂ€nde an der Shanghai Futures Exchange scharf zurĂŒckgingen.

Was der Vorgang fĂŒr Anleger bedeutet

Der Kupfermarkt fĂŒhrt in Echtzeit vor, wie fragil die globalisierte Welt tatsĂ€chlich ist. Ein geopolitischer Konflikt, eine Meerenge, ein Exportbann – mehr braucht es nicht, um ganze Industriezweige ins Wanken zu bringen. Deutschland, das sich traditionell als Exportnation und Hightech-Standort versteht, ist davon doppelt betroffen. Denn ohne Kupfer keine Energiewende, keine ElektromobilitĂ€t, keine Digitalisierung. WĂ€hrend also die Bundesregierung die KlimaneutralitĂ€t bis 2045 ins Grundgesetz gemeißelt hat, wird in Peking darĂŒber entschieden, ob wir die Rohstoffe dafĂŒr ĂŒberhaupt bekommen. Man könnte bitter lachen, wenn es nicht so ernst wĂ€re.

FĂŒr den klugen Anleger bleibt die Erkenntnis: In Zeiten geopolitischer UmbrĂŒche und erratischer Preisbewegungen auf den RohstoffmĂ€rkten sind physische Edelmetalle wie Gold und Silber seit Jahrtausenden der bewĂ€hrte Fels in der Brandung. Sie sind nicht abhĂ€ngig von einer einzigen Meerenge, nicht vom politischen KalkĂŒl einzelner Staaten und erst recht nicht von der Wetterlage im Außenministerium. Wer sein Portfolio breit aufstellt und physische Edelmetalle als stabilisierende Beimischung versteht, schlĂ€ft in solchen Zeiten deutlich ruhiger.

Haftungsausschluss

Die Kettner Edelmetalle Redaktion betreibt keine Anlageberatung. Die dargestellten Informationen geben ausschließlich unsere eigene EinschĂ€tzung sowie die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig zu recherchieren und seine Anlageentscheidungen auf Basis seiner persönlichen Situation und Risikoneigung zu treffen. FĂŒr Anlageentscheidungen und daraus resultierende Konsequenzen ĂŒbernehmen wir keine Haftung.

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