Kettner Edelmetalle
23.03.2026
06:33 Uhr

Kubas Stromnetz bricht erneut zusammen – Zehn Millionen Menschen im Dunkeln

WĂ€hrend sich Deutschland mit selbstgemachten Energieproblemen herumschlĂ€gt, liefert die Karibikinsel Kuba ein erschreckendes LehrstĂŒck darĂŒber, wohin eine marode Infrastruktur, ideologische Verblendung und geopolitische AbhĂ€ngigkeiten unweigerlich fĂŒhren: ins Dunkel. Zum zweiten Mal innerhalb einer einzigen Woche ist das nationale Stromnetz des sozialistischen Inselstaates vollstĂ€ndig kollabiert – und mit ihm die letzte Hoffnung von rund zehn Millionen Kubanern auf ein Mindestmaß an NormalitĂ€t.

Ein Dominoeffekt mit Ansage

Am Samstagabend um 18:32 Uhr Ortszeit ging ein großes Kraftwerk in Nuevitas, in der östlichen Provinz CamagĂŒey, vom Netz. Was folgte, war ein kaskadenartiger Zusammenbruch des gesamten Stromnetzes – ein Szenario, das sich in den vergangenen Monaten mit beĂ€ngstigender RegelmĂ€ĂŸigkeit wiederholt hat. Der Netzbetreiber UNE bestĂ€tigte den totalen Ausfall. Bereits am Montag zuvor war das Netz aus bislang ungeklĂ€rten GrĂŒnden komplett ausgefallen, und schon am 4. MĂ€rz hatte ein plötzlicher Stillstand eines thermoelektrischen Kraftwerks den Großteil des Systems lahmgelegt. Drei massive StromausfĂ€lle in einem einzigen Monat – selbst fĂŒr kubanische VerhĂ€ltnisse ist das außergewöhnlich.

Bis Sonntagnachmittag seien immerhin knapp 500.000 Haushalte und Betriebe in Havanna – etwa 55 Prozent der Gesamtzahl – sowie 43 KrankenhĂ€user wieder am Netz gewesen, teilte UNE mit. Das grĂ¶ĂŸte ölbefeuerte Kraftwerk des Landes werde vorbereitet und solle noch am selben Tag den Betrieb aufnehmen. Doch von einer echten Entwarnung kann keine Rede sein.

Kochen mit Feuerholz – Alltag im sozialistischen Paradies

„Wir stecken im selben Trott fest", sagte der Havanna-Bewohner Leoni Alberto, der nach eigenen Angaben mehrmals pro Woche gezwungen sei, mit Feuerholz zu kochen. „Es ist der absolute Wahnsinn. Es gibt keinen anderen Weg." Diese Worte eines einfachen BĂŒrgers wiegen schwerer als jedes RegierungskommuniquĂ©. Sie offenbaren die brutale RealitĂ€t eines Systems, das seine Menschen seit Jahrzehnten im Stich lĂ€sst – und das sich dennoch hartnĂ€ckig weigert, die eigentlichen Ursachen seiner Misere anzuerkennen.

Stundenlange, manchmal tagelange StromausfĂ€lle gehören in Kuba lĂ€ngst zum Alltag. Selbst wenn das nationale Netz offiziell funktioniert, sind Blackouts in der Hauptstadt an der Tagesordnung. Ein dramatischer Dieselmangel bedeutet zudem, dass selbst nach der schrittweisen Wiederherstellung der Stromversorgung nur ein Bruchteil der NetzkapazitĂ€t tatsĂ€chlich zur VerfĂŒgung steht. Viele Regionen werden also weiterhin stundenlang ohne Strom auskommen mĂŒssen.

Wenn das Licht ausgeht, geht auch die Information verloren

Besonders perfide: Mit dem Strom verschwinden auch Mobilfunk und Internet. „Wenn das Stromnetz ausfĂ€llt, gehen auch die sozialen Netzwerke offline", berichtete der Havanna-Bewohner Yordanis Lopez. „Man hat keine Ahnung, was passiert." Eine Bevölkerung, die nicht nur im Dunkeln sitzt, sondern auch von jeglicher Information abgeschnitten wird – fĂŒr ein autoritĂ€res Regime mag das bequem sein, fĂŒr die Betroffenen ist es eine Katastrophe.

Trumps Ölblockade verschĂ€rft die Krise

Die aktuelle Eskalation der Energiekrise hat einen konkreten geopolitischen Auslöser. US-PrĂ€sident Donald Trump hat nach der Absetzung des venezolanischen PrĂ€sidenten NicolĂĄs Maduro am 3. Januar begonnen, systematisch Öllieferungen an Kuba zu unterbinden. Venezuela hatte dem sozialistischen Bruderstaat zuvor zu gĂŒnstigen Konditionen Öl geliefert – eine Lebensader, die nun gekappt wurde. Washington droht darĂŒber hinaus anderen LĂ€ndern mit Strafzöllen, sollten sie Öl an die Insel verkaufen.

Viele Kubaner verfolgten in den vergangenen Tagen gebannt die Route zweier Tankschiffe im Atlantik, die russisches Öl an Bord haben sollen. Doch die Hoffnung auf Erleichterung wurde jĂ€h enttĂ€uscht: Mindestens eines der Schiffe, die unter Hongkong-Flagge fahrende Sea Horse, Ă€nderte offenbar Anfang der Woche ihren Kurs und steuerte nicht mehr auf Kuba zu.

Das ewige Schuldzuweisungsspiel

Kuba macht seit Jahrzehnten das US-Handelsembargo fĂŒr seine wirtschaftlichen MissstĂ€nde verantwortlich – einschließlich des völlig veralteten Stromnetzes. Washington hingegen sieht die Ursache in Kubas sowjetisch geprĂ€gter Kommandowirtschaft. Die Wahrheit dĂŒrfte, wie so oft, irgendwo dazwischen liegen – wobei man fairerweise anmerken muss, dass ein System, das ĂŒber sechs Jahrzehnte hinweg nicht in der Lage war, eine funktionierende Energieinfrastruktur aufzubauen, die Schuld nicht ausschließlich bei Ă€ußeren Feinden suchen kann.

Was Kuba in seiner extremsten Form vorfĂŒhrt, sollte auch hierzulande als Warnung verstanden werden. Wer seine Energieversorgung ideologisch statt pragmatisch gestaltet, wer sich in gefĂ€hrliche AbhĂ€ngigkeiten begibt und wer die Modernisierung kritischer Infrastruktur verschleppt, der spielt mit dem Feuer – oder besser gesagt: mit dem Licht. Die Energiewende in Deutschland mag andere Vorzeichen haben als Kubas sozialistisches Experiment, doch die Grundregel bleibt dieselbe: Ohne verlĂ€ssliche Energieversorgung bricht alles zusammen. Alles.

Ob die neue Große Koalition unter Friedrich Merz die richtigen Lehren aus solchen Szenarien zieht und Deutschlands Energiesicherheit wieder zur obersten PrioritĂ€t erklĂ€rt, bleibt abzuwarten. Die 500 Milliarden Euro schwere Infrastrukturoffensive wĂ€re jedenfalls besser in Kraftwerke und Netze investiert als in ideologische Prestigeprojekte. Kubas Dunkelheit sollte uns eine Mahnung sein – bevor auch bei uns die Lichter ausgehen.

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