Kettner Edelmetalle
06.08.2026
16:41 Uhr
KI-generiert

Krieg als Konjunkturprogramm: Wie der Iran-Konflikt die Raffineriemargen auf Rekordhöhen katapultiert

Krieg als Konjunkturprogramm: Wie der Iran-Konflikt die Raffineriemargen auf Rekordhöhen katapultiert
Symbolbild: KI-generiert

Zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt hat ein Krieg die globalen ÖlmĂ€rkte aus dem Gleichgewicht gerissen. Und wieder gilt die alte, bittere Regel: Wenn Raketen fliegen, klingeln irgendwo Kassen. Die Eskalation im Nahen Osten hat den Verkehr durch die Straße von Hormus ins Stocken gebracht, asiatische Raffinerien fahren ihre DurchsĂ€tze zurĂŒck, China verhĂ€ngte zeitweise ein Exportverbot – und die Margen der großen Verarbeiter schossen in Bereiche, die selbst hartgesottene RohstoffhĂ€ndler staunen lassen.

Der Engpass sitzt nicht beim Rohöl, sondern im Tank

Wer glaubt, es gehe hier bloß um den Barrelpreis, hat das Wesentliche nicht verstanden. Der eigentliche Flaschenhals liegt nicht beim Rohöl, sondern bei den fertigen Produkten: Benzin, Diesel, Kerosin. WĂ€hrend der Rohölpreis ĂŒber die 100-Dollar-Marke kletterte, blieben die Raffineriemargen auf Rekordniveau – ein untrĂŒgliches Zeichen dafĂŒr, dass die VerarbeitungskapazitĂ€t knapper ist als der Rohstoff selbst. Russlands Dieselexportverbot, AusfĂ€lle in russischen Anlagen, schwindende globale LagerbestĂ€nde: Die Faktoren addieren sich zu einem Cocktail, der Endverbrauchern an der ZapfsĂ€ule teuer zu stehen kommt.

Die Internationale Energieagentur, sonst nicht fĂŒr alarmistische Töne bekannt, ließ ihren Direktor eine ungewöhnlich deutliche Warnung aussprechen. FĂŒr Selbstzufriedenheit in der Ölversorgungssicherheit gebe es angesichts eskalierender Feindseligkeiten und schwindender kommerzieller VorrĂ€te keinen Raum, hieß es. Man verwies beschwichtigend auf ĂŒber eine Milliarde Barrel staatlich kontrollierter Reserven – rĂ€umte im gleichen Atemzug jedoch ein, dass die RaffinerieaktivitĂ€t mit den Rohöllieferungen nicht Schritt gehalten habe. Die MĂ€rkte fĂŒr Diesel und Benzin seien somit deutlich angespannter als jene fĂŒr Rohöl.

Bilanzen wie zu Kriegsbeginn 2022

FĂŒr die Konzerne ist das ein Fest. Die Quartalszahlen erinnern an das Jahr 2022, als der russische Einmarsch in die Ukraine die EnergiemĂ€rkte pulverisierte. Shell verdoppelte seinen Gewinn gegenĂŒber dem Vorjahresquartal mehr als, getragen von höheren Öl- und Gaspreisen, rekordhoher Anlagenauslastung und starkem HandelsgeschĂ€ft. Die Auslastung der Raffinerien lag bei 102 Prozent – ein Wert, der nur durch minimale WartungsausfĂ€lle erreichbar ist. Die indikative Raffineriemarge kletterte von 17 auf 24 Dollar je Barrel, die Chemiemarge verdoppelte sich auf 270 Dollar je Tonne. Der Vorstandschef sprach von exzellenter operativer Leistung – man darf das auch als Understatement des Jahres lesen.

TotalEnergies steigerte den bereinigten Nettogewinn um 68 Prozent auf sechs Milliarden Dollar. Der europĂ€ische Margenindikator des Konzerns verdreifachte sich im Jahresvergleich beinahe – von 4,3 auf 12,4 Dollar je Barrel. Man habe die Spannungen bei der Versorgung mit Fertigprodukten geschickt gemanagt, um Margen zu maximieren, ließ die KonzernfĂŒhrung wissen. Übersetzt: Man hat die Knappheit optimal monetarisiert.

Trump poltert, die Konzerne kalkulieren

In den USA melden ExxonMobil und Chevron ebenfalls Rekorde – und ziehen prompt den Zorn des PrĂ€sidenten auf sich. Donald Trump erklĂ€rte, die Konzerne verdienten "zu viel Geld" und mĂŒssten etwas davon an die Öffentlichkeit zurĂŒckgeben, indem sie die Verbraucherpreise senkten. Ob politischer Druck jemals physikalische Knappheit beseitigt hat, darf getrost bezweifelt werden. Chevron verzeichnete einen Rekorddurchsatz von ĂŒber einer Million Barrel pro Tag. Die Engstelle seien die Mitteldestillate, so der Konzernchef – zunĂ€chst Kerosin, nun Diesel. Die europĂ€ische Dieselnachfrage könnte anziehen, wenn die Heizöllager vor dem Winter gefĂŒllt wĂŒrden. Obendrauf kĂ€men das russische Exportverbot, AusfĂ€lle russischer Anlagen und die bekannten BeschrĂ€nkungen in der Meerenge.

Selbst wenn die Lieferstörungen bis zum Jahresende behoben wĂŒrden und Rohöl sowie Kraftstoffe aus dem Nahen Osten wieder ungehindert flössen, dĂŒrften die geringen WeltlagerbestĂ€nde und der Nachholbedarf beim AuffĂŒllen den Raffineriekomplex noch einige Quartale stĂŒtzen.

Und Deutschland? Schaut zu und zahlt

Man muss kein Prophet sein, um zu erkennen, was das fĂŒr ein Industrieland bedeutet, das seine energiepolitische SouverĂ€nitĂ€t in einem Anfall moralischer Selbstberauschung verschenkt hat. WĂ€hrend andere Nationen RaffineriekapazitĂ€ten als strategisches Gut behandeln, hat man hierzulande jahrelang Anlagen als Schmuddelkinder der Energiewende betrachtet. Dieselpreise, Heizkosten, Transportkosten – all das schlĂ€gt am Ende auf jeden Handwerksbetrieb, jeden Pendler, jede Familie durch. Und die Politik? Verankert KlimaneutralitĂ€t im Grundgesetz und schnĂŒrt 500-Milliarden-Pakete auf Pump, wĂ€hrend die eigentliche Frage – wie sich ein Industrieland im Krisenfall mit Kraftstoff versorgt – unbeantwortet bleibt.

Die Lehre aus diesem Zyklus ist so alt wie schmerzhaft: Wer sich von Lieferketten abhĂ€ngig macht, die durch eine wenige Kilometer breite Meerenge verlaufen, hat seine Verwundbarkeit selbst konstruiert. Geopolitische Schocks kommen nicht mit VorankĂŒndigung. Sie kommen plötzlich – und sie treffen zuerst jene, die keine Reserven haben.

Was Anleger daraus mitnehmen sollten

Kriege, Handelsblockaden und politische Fehlsteuerung sind der NĂ€hrboden fĂŒr Inflation. Wenn Energie teurer wird, verteuert sich alles. In solchen Phasen zeigt sich, welche Vermögenswerte tatsĂ€chlich tragen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber unterliegen keinem Ausfallrisiko, keinem Bilanztrick und keinem prĂ€sidialen Zornesausbruch. Sie sind seit Jahrtausenden das, was Papierversprechen nie sein werden: ein greifbarer Wertspeicher. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio erfĂŒllen sie eine Funktion, die Aktien von Ölmultis oder Fondsanteile schlicht nicht leisten können – nĂ€mlich Substanz zu bewahren, wenn andere Anlageklassen von geopolitischen Wellen erfasst werden.

Haftungsausschluss: Die in diesem Beitrag dargestellten Informationen und EinschĂ€tzungen entsprechen der Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Quellen und stellen ausdrĂŒcklich keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar. Es handelt sich weder um eine Kauf- noch um eine Verkaufsempfehlung fĂŒr Wertpapiere, Rohstoffe, Edelmetalle oder sonstige Vermögenswerte. Jeder Leser ist verpflichtet, eigenstĂ€ndig zu recherchieren und Investitionsentscheidungen ausschließlich in eigener Verantwortung zu treffen. FĂŒr steuerliche und rechtliche Fragestellungen ziehen Sie bitte einen qualifizierten Steuerberater beziehungsweise Rechtsanwalt hinzu. Eine Haftung fĂŒr VermögensschĂ€den, die aus Entscheidungen auf Grundlage dieses Beitrags entstehen, wird ausgeschlossen.

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