Kettner Edelmetalle
20.06.2026
13:15 Uhr

Korruptionssumpf in Madrid: Spaniens Premier-Gattin muss den Pass abgeben

Es ist ein Bild, das sinnbildlicher kaum sein könnte fĂŒr den Zustand der europĂ€ischen Sozialdemokratie: Die Ehefrau des spanischen MinisterprĂ€sidenten Pedro SĂĄnchez muss ihren Reisepass abgeben, sich zweimal monatlich bei den Behörden melden und sieht sich einem Korruptionsprozess gegenĂŒber. WĂ€hrend linke Regierungen in ganz Europa gerne mit erhobenem Zeigefinger ĂŒber Moral und Anstand dozieren, brennt es im eigenen Hause lichterloh.

Ein Ausreiseverbot fĂŒr die First Lady

Wie aus einem am Samstag veröffentlichten Beschluss des zustĂ€ndigen Richters Juan Carlos Peinado hervorgeht, darf Begoña GĂłmez, 55 Jahre alt, das Land nicht mehr verlassen. An sĂ€mtlichen GrenzĂŒbergĂ€ngen, zivilen wie militĂ€rischen FlughĂ€fen, sollen entsprechende Anweisungen ergehen, um sicherzustellen, dass sich die Gattin des Regierungschefs auch wirklich an das Ausreiseverbot halte. ZusĂ€tzlich muss sie sich vor einem Geschworenengericht verantworten.

Man stelle sich diese Szene einmal vor: Die Frau eines amtierenden Regierungschefs eines großen EU-Mitgliedstaates wird behandelt wie eine Beschuldigte, der man die Flucht ins Ausland zutraut. Das ist kein Kavaliersdelikt, das ist der Geruch eines tiefen Sumpfes.

Maßgeschneiderte LehrstĂŒhle und der Duft der Vetternwirtschaft

Nach zweijĂ€hrigen Ermittlungen wurde im April Anklage erhoben. Die VorwĂŒrfe wiegen schwer: Unterschlagung, Einflussnahme, Korruption und Veruntreuung. Konkret soll fĂŒr GĂłmez eigens ein Lehrstuhl an der renommierten UniversitĂ€t Complutense in Madrid eingerichtet worden sein – zur, man höre und staune, „privaten beruflichen Weiterentwicklung“. GĂłmez und SĂĄnchez weisen sĂ€mtliche VorwĂŒrfe von sich, wie es sich fĂŒr die Beteiligten in solchen AffĂ€ren gehört.

Wenn ein Lehrstuhl plötzlich wie ein Maßanzug fĂŒr die Gattin des Regierungschefs geschneidert wird, dann darf der BĂŒrger zu Recht fragen, wie weit die Verflechtung von Macht und Privileg in diesem Land schon gediehen ist.

Eine ganze AffÀrenkette zieht sich durch die PSOE

Doch das ist erst der Anfang. Pedro SĂĄnchez kĂ€mpft seit geraumer Zeit mit einer ganzen Kaskade von KorruptionsaffĂ€ren in seinem direkten Umfeld und in seiner sozialistischen Partei PSOE. Ende Mai begann ein Prozess gegen seinen eigenen Bruder David, der ebenfalls von einer offenbar passgenau zugeschnittenen Stelle profitiert haben soll. Familie hĂ€lt eben zusammen – zumindest, wenn es um lukrative Posten geht.

Auch der ehemalige Verkehrsminister JosĂ© Luis Ábalos, einst die rechte Hand des Premiers, wartet auf sein Urteil. Ihm wird vorgeworfen, wĂ€hrend der Corona-Pandemie Schmiergeld fĂŒr die Vergabe millionenschwerer AuftrĂ€ge bei der Beschaffung von Atemschutzmasken kassiert zu haben. Die Pandemie, jenes GoldgrĂ€berzeitalter fĂŒr so manchen Politiker, der die Not der BĂŒrger in klingende MĂŒnze zu verwandeln wusste.

Bis hinauf zur Galionsfigur der Linken

Selbst der frĂŒhere Regierungschef JosĂ© Luis RodrĂ­guez Zapatero, von 2004 bis 2011 im Amt und bis heute eine Ikone der spanischen Linken, gerĂ€t ins Visier der Ermittler. Auch ihm werden illegale Einflussnahme und Vorteilsnahme zur Last gelegt – er soll sich wĂ€hrend der Pandemie fĂŒr staatliche Hilfen an eine Fluglinie eingesetzt und im Gegenzug Bestechungsgelder angenommen haben. Hinzu kommt die AffĂ€re um die frĂŒhere Parteiaktivistin Leire DĂ­ez, die Teil eines Netzwerks gewesen sein soll, das Justizermittlungen gegen die PSOE gezielt sabotieren wollte.

Ein LehrstĂŒck ĂŒber linke Doppelmoral

Was sich in Madrid abspielt, sollte auch hierzulande zu denken geben. Es sind ausgerechnet jene sozialistischen KrĂ€fte, die sich so gerne als HĂŒter der Moral und als Bollwerk gegen vermeintlich „rechte“ Gefahren inszenieren, die in einen Sumpf aus Vetternwirtschaft, Bestechung und Machtmissbrauch verstrickt sind. WĂ€hrend der einfache BĂŒrger jeden Cent vor dem Finanzamt rechtfertigen muss, scheinen fĂŒr die politische Elite andere Spielregeln zu gelten.

Die spanische Justiz beweist immerhin RĂŒckgrat. Dass ein Richter es wagt, sich gegen das mĂ€chtigste Ehepaar des Landes zu stellen und ein Ausreiseverbot zu verhĂ€ngen, ist ein ermutigendes Zeichen fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit der Gerichte. Ob das Urteil am Ende auch Konsequenzen zeitigt oder im Dickicht politischer Einflussnahme versickert, bleibt abzuwarten.

FĂŒr viele Beobachter steht jedoch fest: Die AffĂ€re GĂłmez ist mehr als ein spanisches Provinzdrama. Sie ist ein Mahnmal dafĂŒr, wie tief die Verquickung von Macht und Privileg in den europĂ€ischen Regierungszentralen verankert ist – und wie dringend es Politiker brĂ€uchte, die wieder dem BĂŒrger dienen statt sich selbst.

Wissenswertes zum Thema