Kettner Edelmetalle
09.01.2026
17:17 Uhr

Kolumbien im Fadenkreuz: Droht ein US-Militärschlag in Südamerika?

Kolumbien im Fadenkreuz: Droht ein US-Militärschlag in Südamerika?

Die geopolitischen Spannungen auf dem amerikanischen Kontinent erreichen einen neuen Siedepunkt. Kolumbiens Präsident Gustavo Petro warnt eindringlich vor einer "realen Gefahr" eines militärischen Angriffs der Vereinigten Staaten auf sein Land. Was zunächst wie die übliche Rhetorik eines linken Staatschefs klingen mag, gewinnt vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen in Venezuela eine beunruhigende Brisanz.

Nach Venezuela nun Kolumbien?

In einem Interview mit der BBC zeichnete Petro ein düsteres Bild der aktuellen Lage. Die Vereinigten Staaten behandelten andere Nationen zunehmend als bloße Bestandteile eines amerikanischen "Imperiums", so der kolumbianische Staatschef. Diese Einschätzung kommt nicht von ungefähr: Nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela und der Gefangennahme des dortigen Machthabers Nicolás Maduro hatte US-Präsident Donald Trump öffentlich erklärt, eine Militäraktion gegen Kolumbien "klinge gut".

Man muss kein Freund linker Regierungen sein, um diese Entwicklung mit Sorge zu betrachten. Die Frage, ob die USA tatsächlich bereit sind, ihre militärische Macht in Lateinamerika weiter auszudehnen, beschäftigt derzeit nicht nur die betroffenen Länder, sondern die gesamte internationale Gemeinschaft.

Telefonate ohne Entspannung

Zwar kam es am Mittwochabend zu einem Telefonat zwischen Trump und Petro, das knapp eine Stunde dauerte. Doch von einer Entspannung kann keine Rede sein. Der kolumbianische Präsident relativierte anschließend jegliche Hoffnung auf eine Deeskalation. Das Gespräch habe sich vornehmlich um den Drogenhandel, die Situation in Venezuela und die Rolle der USA in Lateinamerika gedreht – allesamt Themen, bei denen die Positionen beider Seiten kaum unterschiedlicher sein könnten.

Scharfe Kritik an US-Einwanderungsbehörde

Besonders bemerkenswert ist Petros harsche Kritik an der US-Einwanderungsbehörde ICE. Deren Beamte verhielten sich wie "Nazi-Brigaden", so der kolumbianische Präsident. Ein Vergleich, der in seiner Schärfe kaum zu überbieten ist und die tiefe Kluft zwischen beiden Regierungen offenbart. Petro warnte zudem, die USA riskierten mit ihrer aktuellen Politik eine internationale Isolation. Aus einer Weltmacht könne schnell ein isoliertes Land werden.

Lateinamerika zwischen den Fronten

Die Entwicklungen in Südamerika verdeutlichen einmal mehr, wie fragil die geopolitische Ordnung geworden ist. Während die Trump-Administration offenbar gewillt ist, amerikanische Interessen mit allen Mitteln durchzusetzen, formiert sich in Teilen Lateinamerikas Widerstand gegen diese Politik. Ob dies zu einer weiteren Destabilisierung der Region führt oder ob diplomatische Kanäle letztlich doch Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten.

Eines steht jedoch fest: Die Zeiten, in denen die USA unangefochten als Ordnungsmacht in ihrer "Hemisphäre" agieren konnten, scheinen endgültig vorbei zu sein. Die Reaktionen aus Bogotá zeigen, dass selbst traditionell prowestliche Länder nicht mehr bereit sind, jede amerikanische Entscheidung widerspruchslos hinzunehmen. Für Europa und Deutschland bedeutet dies, die Entwicklungen auf dem amerikanischen Kontinent genau zu beobachten – denn die Auswirkungen einer möglichen Eskalation wären auch diesseits des Atlantiks zu spüren.

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