Kettner Edelmetalle
20.05.2026
04:59 Uhr

HS2-Desaster: Wie aus einem Prestigeprojekt ein 118-Milliarden-Euro-Fass ohne Boden wurde

Es sollte das Vorzeigeprojekt der britischen Verkehrspolitik werden – ein glänzendes Symbol für Fortschritt, Modernität und nationale Stärke. Doch das, was sich auf der Strecke zwischen London und Birmingham gerade abspielt, gleicht eher einer finanzpolitischen Bankrotterklärung. Die Hochgeschwindigkeitsbahn High Speed 2 (HS2) mutiert vom ambitionierten Schienenprojekt zum teuersten Mahnmal staatlicher Größenwahnsinns-Politik in Europa.

Aus 43 werden 118 Milliarden Euro – ein klassischer Staatsbauplan

Die Zahlen, die die britische Verkehrsministerin Heidi Alexander dieser Tage im Unterhaus präsentierte, lassen jeden Steuerzahler erschaudern. Statt der ursprünglich kalkulierten 37,5 Milliarden Pfund (rund 43 Milliarden Euro) belaufen sich die geschätzten Kosten inzwischen auf 87,7 bis 102,7 Milliarden Pfund – umgerechnet bis zu 118 Milliarden Euro. Eine Kostenexplosion von fast 175 Prozent. Wer glaubt, derartige Entgleisungen seien eine deutsche Spezialität à la Berliner Flughafen oder Stuttgart 21, sieht sich eines Besseren belehrt: Auch auf der Insel verstehen es Politiker meisterhaft, Steuergelder in Beton zu verwandeln.

Schneller, weiter, kürzer – das Schrumpfprojekt

Ursprünglich war alles größer gedacht. Die Züge sollten mit bis zu 360 Stundenkilometern durch die englische Landschaft rauschen, die Strecke sollte London nicht nur mit Birmingham, sondern auch mit Manchester und Leeds verbinden. Inbetriebnahme: 2026. Heute klingt das wie ein Märchen aus längst vergangenen Tagen. Die Maximalgeschwindigkeit wurde auf 320 Stundenkilometer reduziert, die Fertigstellung auf frühestens 2036 verschoben – und am Ende wird die Bahn vermutlich nur bis Birmingham fahren. Weniger als die Hälfte der ursprünglich geplanten Länge.

Pro Schienenkilometer gilt HS2 inzwischen als eines der teuersten Bahnprojekte der Welt. Eine zweifelhafte Auszeichnung, die man sich in London hart erarbeitet hat.

Die Abrechnung mit der Vorgängerregierung

Verkehrsministerin Alexander ließ in ihrer Rede kein gutes Haar an den konservativen Vorgängerregierungen. Sie sprach von einem „massiv überdimensionierten Wahnprojekt", das vor allem dem Ego konservativer Minister gedient habe. Eine bemerkenswert harte Wortwahl, die jedoch über eines hinwegtäuschen soll: Auch unter Labour wird munter weitergebaut. Denn das Projekt schlichtweg einzustellen, so Alexander, würde „fast genauso viel kosten wie die Fertigstellung". Eine Logik, die jeden ehrlichen Kaufmann das Fürchten lehrt – aber typisch ist für staatliche Großprojekte, bei denen Politiker erst dann den Mut zur Wahrheit finden, wenn sich die Wahrheit ohnehin nicht mehr verbergen lässt.

Eine Lehre für deutsche Steuerzahler

Was geht uns das alles an? Sehr viel. Denn während Berlin gerade ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur durchpeitscht und Bundeskanzler Friedrich Merz seine Wahlversprechen, keine neuen Schulden zu machen, in atemberaubender Geschwindigkeit über Bord geworfen hat, lohnt ein Blick auf die Insel. HS2 zeigt schonungslos, wohin staatliche Großprojekte führen können: in finanzielle Abgründe, die nicht die Politiker bezahlen, sondern Generationen von Steuerzahlern.

Die Geschichte wiederholt sich: Großspurige Ankündigungen, explodierende Kosten, jahrzehntelange Verzögerungen, am Ende ein Bruchteil dessen, was versprochen wurde. Und wer zahlt die Zeche? Der Bürger – mit höheren Steuern, mit Inflation, mit verringerter Kaufkraft.

Sachwerte als Bollwerk gegen politischen Größenwahn

Wenn Regierungen weltweit hemmungslos in die Schuldenfalle marschieren und milliardenschwere Prestigeprojekte den Wert der Währungen aushöhlen, wird eines immer deutlicher: Wer sein Vermögen sichern will, sollte sich nicht ausschließlich auf Papierwerte verlassen. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie politischen Fehlentscheidungen, Schuldenorgien und Inflationsschüben trotzen. Sie sind kein Zahlungsmittel, das per Federstrich entwertet werden kann, sondern ein zeitloser Sachwert. Als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio dienen sie der Vermögenssicherung – gerade in Zeiten, in denen Staaten beweisen, dass sie mit dem Geld ihrer Bürger nicht umgehen können.

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