
Haribo stoppt Maoam-Fabrik: 300-Millionen-Traum in Neuss geplatzt!

Haribo hat Ende September 2026 die Notbremse gezogen. Der SĂŒĂwarenkonzern baut sein neues Maoam-Werk in Neuss-Holzheim nicht. Die geplante Investition lag bei rund 300 Millionen Euro, bis zu 100 neue ArbeitsplĂ€tze fallen damit weg. Fast zehn Jahre Planung sind umsonst gewesen.
Zum Trost bleiben die rund 350 Stellen im bestehenden Werk erhalten, so der Konzern. Statt neu zu bauen, will Haribo den alten Standort weiterentwickeln. Wie das genau aussehen soll, ist offen.
Ein Jahrzehnt Planung â und am Ende nichts
Die Geschichte des Projekts reicht bis 2017 zurĂŒck. Damals galt Holzheim als Ausweg aus der Enge des Altstandorts. 2020 vereinbarten Stadt und Konzern eine ReservierungsgebĂŒhr fĂŒr etwa 15 Hektar FlĂ€che. Im Mai 2024 legte Haribo dann seine PlĂ€ne öffentlich auf den Tisch.
Die PlĂ€ne waren groĂ. Das neue Werk sollte ungefĂ€hr doppelt so viel produzieren wie das alte. Neben den Kaubonbons sollte dort auch Fruchtgummi entstehen. Ab 2028 sollte die Produktion laufen, um 2030 sollte das alte Werk schlieĂen. Der Baustart war fĂŒr 2025 vorgesehen. Er kam nie.
Besonders bitter: Noch im Juli 2026 lud die Stadt die BĂŒrger zu einer Informationsveranstaltung zum Bebauungsplan ein. Zwei Monate spĂ€ter war das Projekt tot.
Baukosten auĂer Kontrolle
Als Grund nennt Haribo die Weltlage. Globale Krisen, knappe Baumaterialien und stark gestiegene Preise hÀtten verlÀssliche Zeit- und KostenplÀne unmöglich gemacht. Eine Sprecherin des Konzerns sagte dazu:
âSeit Planungsbeginn haben sich die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend verĂ€ndertâ
Amtliche Zahlen bestĂ€tigen den Trend. Gewerbliche BetriebsgebĂ€ude kosteten im Mai 2026 fĂŒnf Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Und das kommt zu den heftigen PreissprĂŒngen der Vorjahre noch dazu. Wie teuer die Fabrik inzwischen geworden wĂ€re, hat Haribo nicht gesagt.
Der Fall zeigt ein gröĂeres Problem. Wer in Deutschland heute eine Fabrik baut, braucht viel Geduld, Geld und Nerven. Hohe Energiepreise, lange Genehmigungen und steigende Baukosten treffen selbst Weltkonzerne. Die Bundesregierung verspricht seit Langem, BĂŒrokratie abzubauen. Neuss zeigt, dass davon bisher wenig ankommt.
Rekordabsatz â und trotzdem kein Neubau
Das ist das eigentlich Brisante: Den GummibĂ€rchen-Machern geht es gut. FĂŒr 2025 meldete Haribo weltweit 4,5 Prozent mehr Absatz und damit einen Rekord. Ein Viertel des Wachstums kam laut Konzern von neuen Produkten. Die Nachfrage ist da, nur die Rechnung fĂŒr den Neubau geht offenbar nicht mehr auf.
Wenn selbst ein gesundes, wachsendes Familienunternehmen ein GroĂprojekt im eigenen Land abblĂ€st, sollte das in Berlin die Alarmglocken schrillen lassen. Verlorene Investitionen kommen spĂ€ter nicht von allein zurĂŒck.
Was wird aus dem alten Werk?
Maoam bleibt in Neuss, aber ohne den geplanten KapazitĂ€tssprung. Das bestehende Werk soll modernisiert werden. Investitionssummen, Bauabschnitte oder zusĂ€tzliche KapazitĂ€ten hat Haribo bislang nicht genannt. Dabei gibt es einen Haken: 2024 hatte der Konzern selbst erklĂ€rt, am Altstandort fehle der Platz fĂŒr eine nachhaltige Erweiterung.
Neuss verliert ein Prestigeprojekt
FĂŒr die Stadt bricht eine der gröĂten angekĂŒndigten Industrieinvestitionen weg. Die rund 150.000 Quadratmeter GewerbeflĂ€che werden nun neu vergeben. BĂŒrgermeister Reiner Breuer zufolge entstehe Neuss durch die Absage kein finanzieller Schaden.
Das mag fĂŒr die Stadtkasse stimmen. FĂŒr den Industriestandort ist es trotzdem ein RĂŒckschlag. Hundert gut bezahlte Jobs, die es nie geben wird, tauchen in keiner Bilanz auf. Gerade das macht diesen Verlust so tĂŒckisch.
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