
Handwerk fordert sofortige Steuersenkung: Mittelstand am Limit

Die deutsche Wirtschaft ächzt unter einer erdrückenden Last aus Steuern, Bürokratie und explodierenden Energiekosten. Nun schlägt das Handwerk Alarm und fordert von der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz ein entschlossenes Handeln – und zwar nicht erst übermorgen, sondern jetzt.
ZDH-Präsident Dittrich: "Kraftvolles Entlastungssignal" gefordert
Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), hat sich mit deutlichen Worten an die Große Koalition gewandt. Die für 2027 geplante Einkommensteuersenkung müsse dringend auf das laufende Jahr vorgezogen werden. Deutschland sei ein "Höchststeuerland", so Dittrich, und diese Belastung treffe vor allem jene, die das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bilden: den Mittelstand.
Besonders pikant ist dabei ein Aspekt, den die politische Debatte gerne übersieht. Während in Berlin über Entlastungen für Kapitalgesellschaften diskutiert wird, bleiben die eigentlichen Leistungsträger außen vor. Rund 75 Prozent aller Handwerksbetriebe sind Personenunternehmen. Sie zahlen keine Körperschaftsteuer, sondern Einkommensteuer. Wer also von Unternehmenssteuersenkungen spricht und dabei die Einkommensteuer ausklammert, der betreibt Augenwischerei – oder schlimmer noch: gezielte Klientelpolitik zugunsten der Großkonzerne.
Gesamtmetall unterstützt CSU-Vorstoß
Auch die Metallarbeitgeber haben sich in die Debatte eingeschaltet. Oliver Zander, Hauptgeschäftsführer von Gesamtmetall, begrüßt den jüngsten Vorstoß der CSU für schnellere Steuersenkungen "uneingeschränkt". Seine Analyse ist schonungslos: Neben den astronomischen Energiekosten, den überbordenden Arbeitskosten und dem bürokratischen Wahnsinn gehöre die Steuerlast zu jenen Standortnachteilen, die Investitionen in Deutschland derzeit schlicht unattraktiv machten.
"Das hat selbst das SPD-geführte Bundesfinanzministerium im vergangenen Jahr bekräftigt."
Diese Aussage Zanders ist bemerkenswert. Wenn sogar die Sozialdemokraten die erdrückende Steuerlast als Problem anerkennen, warum handelt die Regierung dann nicht? Die Antwort liegt wohl in der typisch deutschen Politiklähmung: Man analysiert, diskutiert und vertagt – während die Wirtschaft weiter ausblutet.
Das "Frühjahr der Wettbewerbsfähigkeit" – oder nur ein frommer Wunsch?
Zander spricht von einem dringend notwendigen "Frühjahr der Wettbewerbsfähigkeit", das nun anbrechen müsse. Ein Signal des Aufbruchs sei erforderlich, damit sich das "Durchhalten am Standort" für Unternehmen überhaupt noch lohne. Diese Worte offenbaren die ganze Dramatik der Lage. Deutsche Unternehmer müssen "durchhalten" – als befänden sie sich in einem Überlebenskampf. Und genau so ist es auch.
Die Große Koalition aus CDU/CSU und SPD hatte sich Ende August 2025 darauf verständigt, die Einkommensteuer "zur Mitte der Legislaturperiode" zu senken. Das wäre frühestens 2027. Für viele Betriebe könnte das zu spät sein. Die Insolvenzzahlen steigen, Fachkräfte wandern ab, Investitionen werden ins Ausland verlagert.
Traditionelle Werte und wirtschaftliche Vernunft
Das Handwerk steht wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig für traditionelle deutsche Tugenden: Fleiß, Qualität, Ausbildung junger Menschen, regionale Verwurzelung. Diese Betriebe investieren, bilden aus und sichern Arbeitsplätze – oft über Generationen hinweg. Sie verdienen eine Politik, die ihre Leistung anerkennt, statt sie mit immer neuen Abgaben zu bestrafen.
Es bleibt abzuwarten, ob die Bundesregierung den Weckruf aus dem Handwerk erhört. Die Zeichen stehen nicht gut. Denn während man in Berlin über ein 500-Milliarden-Sondervermögen für Infrastruktur jubelt, vergisst man offenbar, dass dieses Geld irgendwann zurückgezahlt werden muss – von genau jenen Steuerzahlern, die man jetzt im Regen stehen lässt.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Steuerberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen konsultieren Sie bitte einen Steuerberater. Jeder Leser ist für seine finanziellen Entscheidungen selbst verantwortlich.










