
Glasfaserausbau mit Erdraketen: Wenn der Fortschritt zur tödlichen Gefahr wird
Der vermeintliche Fortschritt beim Glasfaserausbau entpuppt sich zunehmend als gefĂ€hrliches Vabanquespiel. Was die Politik als digitale Revolution feiert, hinterlĂ€sst in deutschen Gemeinden eine Spur der VerwĂŒstung. Die jĂŒngste Gasexplosion im rheinland-pfĂ€lzischen Daaden, bei der acht Menschen verletzt wurden und ein 15-JĂ€hriger mit schwersten Verbrennungen um sein Leben kĂ€mpft, wirft ein grelles Schlaglicht auf die Schattenseiten des ĂŒberhasteten Netzausbaus.
Wenn Technik auf RealitÀt trifft
Die sogenannten Erdraketen â ein Begriff, der angesichts ihrer zerstörerischen Wirkung geradezu zynisch anmutet â sollten eigentlich den Glasfaserausbau beschleunigen. Statt aufwendiger Grabungen bohren sich diese bis zu zwei Meter langen GerĂ€te durch den Untergrund. Was auf dem Papier nach einer eleganten Lösung klingt, erweist sich in der Praxis als russisches Roulette mit der Infrastruktur unserer StĂ€dte.
Die NBB Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg schlÀgt Alarm: An fast jedem Werktag des vergangenen Jahres kam es zu fremdverschuldeten SchÀden an der Gas-Infrastruktur. Diese erschreckende Bilanz zeigt, dass hier nicht von bedauerlichen EinzelfÀllen die Rede sein kann, sondern von einem systemischen Problem, das die Verantwortlichen konsequent ignorieren.
Die Macht der Telekommunikationslobby
WĂ€hrend BĂŒrgermeister Helmut StĂŒhn nach der Katastrophe in seiner Gemeinde sofort handelte und den Einsatz von Erdraketen in der NĂ€he von Gasleitungen untersagte, beschwichtigt der Bundesverband Glasfaseranschluss. GeschĂ€ftsfĂŒhrer Wolfgang Heer sieht "grundsĂ€tzlich kein erhöhtes Risiko" â eine Aussage, die angesichts der Opferzahlen wie blanker Hohn klingt.
"Die WĂ€nde waren weg, der Dachstuhl lag auf der Erde. Da war es richtig am Brennen"
Diese Worte des Augenzeugen Dirk Kosbab beschreiben nicht nur eine lokale Tragödie, sondern das Versagen einer Politik, die Geschwindigkeit ĂŒber Sicherheit stellt. Wenn Professor Karsten Körkemeyer von der TU Kaiserslautern-Landau davon spricht, dass Erdraketen "unverzichtbar" seien fĂŒr den schnellen Netzausbau, offenbart sich die ganze Perversion unserer PrioritĂ€ten.
Das MĂ€rchen vom digitalen Fortschritt
Die alte Bundesregierung trĂ€umte von einer flĂ€chendeckenden Glasfaserversorgung bis 2030. Die RealitĂ€t sieht anders aus: Gerade einmal 27 Prozent der Haushalte sind tatsĂ€chlich angeschlossen. Doch statt diese Ziele kritisch zu hinterfragen, peitscht man den Ausbau mit allen Mitteln voran â koste es, was es wolle. Und es kostet: Menschenleben, Gesundheit und das Vertrauen der BĂŒrger.
Besonders perfide ist die Argumentation der BefĂŒrworter: Man spare Ressourcen, vermeide LĂ€rm und Abgase. Als ob diese ökologischen FeigenblĂ€tter die Gefahr fĂŒr Leib und Leben rechtfertigen könnten. Die wahren GrĂŒnde liegen auf der Hand: Zeit ist Geld, und Geld regiert die Welt â auch wenn dabei Menschen zu Schaden kommen.
Ein System des organisierten Versagens
Die Telekom bietet den Opfern von Daaden finanzielle Hilfe an â ein Almosen, das die eigentliche Verantwortung verschleiern soll. WĂ€hrenddessen ermittelt die Staatsanwaltschaft Koblenz, doch die Erfahrung lehrt: Am Ende wird es heiĂen, es sei ein bedauerlicher Einzelfall gewesen, niemand könne zur Verantwortung gezogen werden.
Die neue GroĂe Koalition unter Friedrich Merz hatte versprochen, keine neuen Schulden zu machen. Stattdessen plant sie nun ein 500 Milliarden Euro Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur. Man fragt sich unwillkĂŒrlich: Wie viele dieser Milliarden werden in Technologien flieĂen, die weitere Menschenleben gefĂ€hrden?
Zeit fĂŒr einen Kurswechsel
Deutschland braucht keine Erdraketen, die unsere StĂ€dte in PulverfĂ€sser verwandeln. Was wir brauchen, ist eine Politik, die Sicherheit vor Geschwindigkeit stellt, die das Leben der BĂŒrger höher bewertet als die Profite der Telekommunikationskonzerne. Der Glasfaserausbau mag wichtig sein, aber er darf nicht ĂŒber Leichen gehen.
Die Menschen in Daaden leben weiter in Angst. "NatĂŒrlich haben jetzt viele Leute Angst hier, wenn die Glasfaserleute antreten", sagt Gastwirt BĂŒlent Yapar. Diese Angst ist berechtigt und sie ist das Ergebnis einer Politik, die ihre BĂŒrger im Stich lĂ€sst. Es ist höchste Zeit, dass wir diesem gefĂ€hrlichen Treiben Einhalt gebieten â bevor die nĂ€chste Explosion weitere Opfer fordert.
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