
Getreide bleibt liegen: AgrarverbÀnde warnen vor Versorgungsengpass

Acht VerbĂ€nde der deutschen Agrar- und ErnĂ€hrungswirtschaft schlagen Alarm. In einem gemeinsamen Positionspapier, das nach Angaben des Verbands Der Agrarhandel am Freitag an Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) ging, sprechen sie von einer âdramatischen Lage in der Logistikâ. Niedrigwasser auf den FlĂŒssen, Baustellen im Schienennetz und gesperrte StraĂen bringen die Lieferketten fĂŒr Getreide, Futter und DĂŒnger ins Wanken.
Wenn WasserstraĂe und Schiene gleichzeitig ausfallen
Die Rechnung ist simpel und trotzdem brutal: Getreide muss zur MĂŒhle, Ălsaaten zum Verarbeiter, Futtermittel in die StĂ€lle, DĂŒnger auf die Felder. FĂ€llt ein VerkehrstrĂ€ger aus, muss ein anderer die Last schultern. Nur: Alle drei sind derzeit gleichzeitig ĂŒberlastet.
Deshalb fordert die neu gegrĂŒndete VerbĂ€nde-Initiative Agrarlogistik, Lastwagen vorĂŒbergehend bis zu 44 Tonnen Gesamtgewicht zu erlauben, wenn Agrartransporte auf Schiene oder Schiff wegbrechen. So lieĂen sich vorhandene KapazitĂ€ten besser ausnutzen, argumentiert die Branche. Zudem sollen Lebensmittel- und Agrartransporte im Schienenverkehr bei EngpĂ€ssen PrioritĂ€t erhalten. Auch bei Trassenpreisen, Schleusen, Wehren und Hafeninfrastruktur sehen die VerbĂ€nde Handlungsbedarf.
Sechs Zentimeter bei Kaub â ein Rekord, den niemand wollte
Wie ernst die Lage ist, zeigen die Pegel. Medienberichten zufolge sank der Wasserstand am neuralgischen Punkt Kaub am Mittelrhein Mitte August auf nur noch sechs Zentimeter â ein historischer Tiefstwert. Am vergangenen Sonntag lag er nach Daten der WasserstraĂen- und Schifffahrtsverwaltung wieder bei 46 Zentimetern, immer noch deutlich unter dem als Orientierung dienenden Gleichwertigen Wasserstand von 77 Zentimetern.
Im gröĂten deutschen Binnenhafen Duisburg konnten GĂŒterschiffe Berichten zufolge nur mit rund 20 Prozent der ĂŒblichen Ladung fahren. Eine echte Entspannung erwarten Fachleute dort erst gegen Ende September oder Anfang Oktober. Mehrere BundeslĂ€nder haben das Sonn- und Feiertagsfahrverbot fĂŒr bestimmte Lkw gelockert, die Frachtpreise zogen krĂ€ftig an.
Nicht das Wetter ist das Problem â sondern die Substanz
Die VerbĂ€nde selbst stellen klar: Die Krise sei nicht bloĂ eine Wetterlaune, sondern lege grundsĂ€tzliche SchwĂ€chen der deutschen Verkehrsinfrastruktur offen. Und genau das ist der wunde Punkt. DĂŒrreÂsommer gab es auch vor zwanzig Jahren. Nur waren Schienennetz, Schleusen und BrĂŒcken damals nicht in einem Zustand, in dem jede Ausweichroute selbst zum Nadelöhr wird.
Milliarden flieĂen in Sondervermögen und Klimaziele, wĂ€hrend Wehre und GĂŒterbahnhöfe auf Instandsetzung warten. FĂŒr viele Landwirte und MittelstĂ€ndler wirkt das wie eine PrioritĂ€tensetzung gegen die eigene Versorgungssicherheit. Bilger, erst seit wenigen Wochen im Amt, erbt damit eine Baustelle, die Jahrzehnte alt ist.
Was Verbraucher spĂŒren werden
Teurere Transporte verschwinden nicht im Nirwana â sie landen am Ende in den Preisen fĂŒr Brot, Fleisch und Milch. Wer wissen will, wie schnell InfrastrukturschwĂ€che zu Inflation wird, muss nur die aktuellen Frachtraten beobachten.
Genau in solchen Phasen erinnern sich viele Sparer daran, warum physische Edelmetalle seit Jahrhunderten als Wertspeicher gelten: Sie sind unabhĂ€ngig von Lieferketten, PegelstĂ€nden und politischen Fehlentscheidungen â und eine bewĂ€hrte Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Anleger ist fĂŒr seine Entscheidungen selbst verantwortlich und sollte eigene Recherchen anstellen.










