
Geheimdienst verschleudert Steuergelder: BND zahlte 200.000 Euro an AnwÀlte, um Journalisten abzuwimmeln
Was fĂŒr ein groteskes Schauspiel auf Kosten der Steuerzahler! Der Bundesnachrichtendienst hat fast 200.000 Euro an externe Rechtsanwaltskanzleien ĂŒberwiesen â nicht etwa, um die Sicherheit Deutschlands zu gewĂ€hrleisten, sondern um legitime Rechercheanfragen von Journalisten abzublocken. Ein Vorgang, der das DemokratieverstĂ€ndnis mancher Behörden in einem erschreckenden Licht erscheinen lĂ€sst.
Teure Abwehrschlacht gegen die Pressefreiheit
Die Zahlen, die eine Recherche des Tagesspiegels zutage förderte, sind schlichtweg haarstrĂ€ubend. Im vergangenen Jahr fĂŒhrte der BND sage und schreibe elf Verfahren mit drei verschiedenen Kanzleien, um Medienanfragen abzuwehren. Pro Verfahren beliefen sich die Kosten auf durchschnittlich rund 18.000 Euro. Das entspricht dem Zwanzigfachen dessen, was eine Abrechnung nach gesetzlichen AnwaltsgebĂŒhren vorsehen wĂŒrde. Man fragt sich unweigerlich: Wer genehmigt solche Ausgaben? Und vor allem: Warum?
Besonders pikant dabei ist die Tatsache, dass die Behörden der Bundesregierung ĂŒber eigene qualifizierte Juristen und Justiziariate verfĂŒgen. Wozu also externe Kanzleien beauftragen, wenn das nötige Know-how bereits im Haus vorhanden ist? Die Antwort liegt wohl in der Strategie: Mit teuren AnwĂ€lten lĂ€sst sich der Druck auf recherchierende Journalisten erhöhen â zumindest hoffte man das offenbar.
Bundesverwaltungsgericht stellt klar: Keine Sonderrechte fĂŒr Geheimdienste
Das Bundesverwaltungsgericht musste dem BND bereits mehrfach die Grenzen aufzeigen. Schon 2019 stellte das Gericht unmissverstĂ€ndlich fest, dass es keine Bereichsausnahme fĂŒr Nachrichtendienste gibt, wenn es um presserechtliche AuskunftsansprĂŒche geht. Medien haben ein verbrieftes Recht auf Informationen â auch gegenĂŒber dem BND.
Im September dieses Jahres folgte ein weiteres wegweisendes Urteil. Ein Tagesspiegel-Journalist hatte geklagt, um Angaben zu den Verfahren und den damit verbundenen Kosten zu erhalten. Das Gericht entschied klar: Das anwaltliche Berufsgeheimnis könne einem presserechtlichen Auskunftsbegehren nicht entgegenstehen. Vier von sechs Fragen musste der Geheimdienst daraufhin beantworten.
Verschwendung mit System?
Was die Sache noch absurder macht: Die teuren Abwehrversuche waren in den meisten FĂ€llen völlig nutzlos. Die AuskĂŒnfte an Medien wurden ĂŒberwiegend teilweise oder vollstĂ€ndig erteilt, oder der BND wurde vom Bundesverwaltungsgericht zur Auskunft verpflichtet. Mit anderen Worten: Das Steuergeld wurde zum Fenster hinausgeworfen, nur um am Ende doch nachgeben zu mĂŒssen.
Mika Beuster, Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbands, findet deutliche Worte fĂŒr diese Praxis. Er spricht von einer âunglaublichen Verschwendung von Steuergeldern". Dem ist kaum etwas hinzuzufĂŒgen.
Ein Symptom fĂŒr ein gröĂeres Problem
Dieser Fall ist leider kein Einzelfall, sondern symptomatisch fĂŒr den Umgang mancher Behörden mit der Pressefreiheit in Deutschland. Man erinnere sich nur an den zĂ€hen Kampf um die RKI-Protokolle wĂ€hrend der Corona-Pandemie, bei dem das Magazin âMultipolar" zweimal klagen musste, um an die Dokumente zu gelangen â zunĂ€chst nur geschwĂ€rzt, dann erst nach erneuter Klage gröĂtenteils ungeschwĂ€rzt. Auch dort entstanden Kosten in Höhe von mehreren zehntausend Euro.
Es drĂ€ngt sich die Frage auf: Ist es das Ziel, kritische Recherchen durch finanzielle ZermĂŒrbung zu verhindern? Kleinere Medien können sich solche Rechtsstreitigkeiten schlicht nicht leisten. Die Behörden hingegen greifen bedenkenlos in die Steuerkasse, um ihre Mauern hochzuziehen.
Transparenz als Fremdwort
Der BND ist dem Kanzleramt direkt unterstellt. Man könnte also meinen, dass die oberste Regierungsebene ein Interesse daran hĂ€tte, solche Verschwendung zu unterbinden. Doch offenbar ist das Gegenteil der Fall. Statt Transparenz zu fördern, wird mit Steuergeldern um sich geworfen, um unbequeme Fragen abzuwehren. Das ist nicht nur eine Verschwendung von Ressourcen, sondern auch ein Affront gegen jeden BĂŒrger, der mit seinen Abgaben diesen Apparat finanziert.
In Zeiten, in denen das Vertrauen in staatliche Institutionen ohnehin auf einem Tiefpunkt angelangt ist, sendet dieses Verhalten ein fatales Signal. Wer nichts zu verbergen hat, braucht keine Armada von AnwĂ€lten, um Journalisten abzuwimmeln. Doch genau das geschieht hier â und der Steuerzahler darf die Rechnung begleichen.










