
Festung Großbritannien: Ohne digitale Einreisegenehmigung bleibt der Kanal jetzt dicht
Was lange angekündigt wurde, ist nun bittere Realität für Millionen Reisende weltweit: Seit diesem Mittwoch gibt es kein Pardon mehr an Britanniens Grenzen. Wer ohne die sogenannte Electronic Travel Authorisation (ETA) versucht, ins Vereinigte Königreich einzureisen, wird schlicht und ergreifend abgewiesen – ob am Flughafen Heathrow oder am Eurostar-Terminal in Brüssel. Die monatelange Schonfrist, in der britische Grenzbeamte noch ein Auge zudrückten, ist endgültig vorbei.
85 Länder betroffen – auch Deutschland
Die neue Regelung trifft Bürger aus insgesamt 85 Staaten, die bislang visumfrei nach Großbritannien einreisen durften. Darunter befinden sich sämtliche EU-Mitgliedstaaten, aber auch die USA und Kanada. Fluggesellschaften und Beförderungsunternehmen wie Eurostar setzen die Pflicht nun konsequent durch: Ohne gültige ETA darf niemand mehr an Bord eines Flugzeugs oder in einen Zug Richtung Insel steigen. Punkt.
Man mag von dieser Maßnahme halten, was man will – doch eines muss man den Briten lassen: Sie nehmen ihre Grenzsicherheit ernst. Während in Deutschland und weiten Teilen der EU die Kontrolle der eigenen Außengrenzen bisweilen eher einem frommen Wunsch als gelebter Praxis gleicht, zieht London die Zügel an. Die britische Regierung begründet das ETA-System mit dem erklärten Ziel, die Grenzsicherheit zu erhöhen. Ein Konzept, das manchem deutschen Politiker offenbar fremd erscheint.
So funktioniert der Antrag – und wo die Fallstricke lauern
Der Antrag selbst ist denkbar unkompliziert. Über die offizielle UK-ETA-App oder die Regierungswebsite gov.uk lässt sich die Genehmigung beantragen. Die Gebühr beträgt bescheidene 16 Pfund, umgerechnet rund 19 Euro. Das britische Innenministerium versichert, dass die große Mehrheit der Anträge automatisch binnen weniger Minuten bearbeitet werde.
Dennoch empfiehlt die britische Botschaft in Berlin, den Antrag mindestens drei Werktage vor der geplanten Abreise zu stellen. Denn in Einzelfällen könnten zusätzliche Überprüfungen notwendig werden – und wer dann am Vorabend seiner Reise feststellt, dass die Genehmigung noch aussteht, hat ein veritables Problem. Ausdrücklich warnen die Behörden zudem vor dubiosen Drittanbieter-Websites, die den offiziellen Service imitieren und dabei schamlos überhöhte Gebühren kassieren. Ein florierendes Geschäft für digitale Trittbrettfahrer.
Einmal erteilt, berechtigt die ETA zu beliebig vielen Einreisen und Aufenthalten von jeweils bis zu sechs Monaten innerhalb eines Zeitraums von zwei Jahren – vorausgesetzt, der beim Antrag verwendete Reisepass bleibt gültig. Das klingt zunächst großzügig, doch die Tücke steckt im Detail.
Auch Transitreisende im Visier
Besonders heikel wird es für Umsteiger. Selbst wer lediglich an einem britischen Flughafen den Flieger wechselt, kann unter Umständen eine ETA benötigen. Laut Auswärtigem Amt entfällt die Pflicht nur dann, wenn der Transitbereich nicht verlassen und keine Grenzkontrolle passiert wird. Wer jedoch sein Gepäck erneut einchecken muss, durchläuft automatisch die Grenzkontrolle – und braucht die digitale Genehmigung. Im Zweifel rät das Ministerium, vorab die Fluggesellschaft zu kontaktieren.
Vorbild USA – und ein Lehrstück für Europa?
Das britische ETA-System orientiert sich am bewährten US-amerikanischen ESTA-Verfahren, das seit Jahren erfolgreich praktiziert wird. Großbritannien hatte das System bereits 2023 zunächst für Katar eingeführt und schrittweise auf weitere Golfstaaten ausgeweitet, bevor es nun auf alle visumfreien Länder ausgedehnt wurde.
Während London also konsequent digitale Werkzeuge zur Grenzsicherung implementiert, diskutiert man hierzulande noch immer über die grundsätzliche Frage, ob Grenzkontrollen überhaupt zumutbar seien. Die Briten haben mit dem Brexit einen Weg eingeschlagen, der ihnen volle Souveränität über ihre Einwanderungspolitik gibt. Ob man den Brexit nun für richtig oder falsch hält – die Entschlossenheit, mit der das Vereinigte Königreich seine Grenzen schützt, könnte durchaus als Inspiration dienen. Für ein Land, das seit Jahren unter den Folgen einer unkontrollierten Migrationspolitik leidet, wäre ein ähnlich konsequenter Ansatz jedenfalls kein Schaden.
Deutsche Reisende sollten sich jedenfalls rechtzeitig um ihre ETA kümmern. Denn wer am Gate steht und feststellt, dass er die 19 Euro nicht investiert hat, dem bleibt nur der Rückweg nach Hause – und das dürfte deutlich teurer werden als die Gebühr selbst.
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