
Fed in der Warteschleife: Trumps Zinspolitik-Erbe steht auf dem Spiel

Die jüngsten Arbeitsmarktdaten aus den Vereinigten Staaten haben die Finanzmärkte in Aufruhr versetzt und werfen ein grelles Schlaglicht auf die geldpolitische Zwickmühle der Federal Reserve. Während die Arbeitslosenquote überraschend auf 4,4 Prozent sank, bleibt das Beschäftigungswachstum mit lediglich 50.000 neuen Stellen deutlich hinter den Erwartungen zurück. Ein Widerspruch, der die Notenbanker vor ein Dilemma stellt – und Präsident Donald Trump die Gelegenheit bietet, die Weichen für die amerikanische Geldpolitik neu zu stellen.
Powell vor dem Abgang: Letzte Zinssenkung bereits Geschichte?
Die Händler an den Terminmärkten haben ihre Wetten bereits platziert: Mit einer Wahrscheinlichkeit von nur noch 44 Prozent rechnen sie bis April mit einer weiteren Zinssenkung – zuvor lag diese Einschätzung noch bei etwa 50 Prozent. Die nächste Lockerung der Geldpolitik wird nun frühestens im Juni erwartet, wenn Jerome Powell längst nicht mehr an der Spitze der mächtigsten Zentralbank der Welt steht.
Powells Amtszeit endet am 15. Mai, und Trump hat bereits angekündigt, einen Nachfolger auserkoren zu haben, der seinen Wünschen nach deutlich niedrigeren Zinsen entspricht. Der Präsident hatte Powell wiederholt scharf attackiert, weil dieser nicht die gewünschten massiven Zinssenkungen lieferte. Eine Ankündigung des neuen Fed-Chefs wird noch in diesem Monat erwartet.
Arbeitsmarkt: Trügerische Ruhe vor dem Sturm?
Die Zahlen des Arbeitsministeriums offenbaren ein gespaltenes Bild der amerikanischen Wirtschaft. Einerseits sank die Arbeitslosenquote von 4,5 auf 4,4 Prozent – ein Rückgang, der die Dringlichkeit für weitere Zinssenkungen zunächst mindert. Andererseits wurden im gesamten Jahr 2025 lediglich 548.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, verglichen mit rund zwei Millionen im Vorjahr.
„Der Rückgang der Arbeitslosenquote sollte die jüngste Dringlichkeit der Fed dämpfen, einen schwächelnden Arbeitsmarkt zu stützen. Allerdings kann die schwache Schlagzeile beim Beschäftigungswachstum nicht einfach beiseitegeschoben werden."
So kommentierte Olu Sonola, Leiter der US-Wirtschaftsforschung bei Fitch Ratings, die Lage. Besonders beunruhigend: Mehr als ein Viertel aller Arbeitslosen sucht bereits seit über einem halben Jahr nach einer Stelle, und die Zahl der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten ist deutlich gestiegen.
Warnsignale für die Zukunft
Die Ökonomen von Pantheon Macro warnen vor einem möglichen Anstieg der Entlassungen in den kommenden Monaten. Dies könnte den Druck auf die Fed erhöhen, bereits im März zu handeln – noch unter Powells Führung. Derzeit sehen die Märkte allerdings nur eine Wahrscheinlichkeit von unter 30 Prozent für eine so frühe Zinssenkung.
Trumps Schatten über der Geldpolitik
Die Personalie an der Fed-Spitze ist mehr als nur eine Fußnote der Wirtschaftsgeschichte. Sie markiert einen potenziellen Paradigmenwechsel in der amerikanischen Geldpolitik. Trump hat unmissverständlich klargemacht, dass er einen Notenbank-Chef wünscht, der seinen expansiven Kurs unterstützt. Die Unabhängigkeit der Federal Reserve, lange Zeit ein Grundpfeiler der amerikanischen Wirtschaftsordnung, steht damit auf dem Prüfstand.
Für Anleger bedeutet diese Gemengelage erhöhte Unsicherheit. Die Kombination aus schwächelndem Arbeitsmarkt, politischem Druck auf die Notenbank und der bevorstehenden Führungswechsel schafft ein Umfeld, in dem traditionelle Wertaufbewahrungsmittel wie physische Edelmetalle als Absicherung gegen geldpolitische Experimente zunehmend an Bedeutung gewinnen könnten. Gold und Silber haben sich historisch als Stabilitätsanker in Zeiten politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit bewährt – eine Eigenschaft, die angesichts der aktuellen Entwicklungen in Washington durchaus relevant erscheint.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger ist für seine Investitionsentscheidungen selbst verantwortlich und sollte vor einer Anlageentscheidung eigene Recherchen durchführen oder einen qualifizierten Finanzberater konsultieren.










