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25.02.2026
08:40 Uhr

Fast eine Milliarde Dollar: Wie Chinas Militärlabore amerikanische Forschungsgelder abschöpfen

Was wie ein schlechter Spionageroman klingt, ist bittere Realität: Knapp eine Milliarde US-Dollar an amerikanischen Steuergeldern sind in Forschungsprojekte geflossen, an denen chinesische Verteidigungslabore direkt beteiligt waren. Eine neue Studie des Center for Research Security and Integrity (CRSI) legt das erschreckende Ausmaß einer Sicherheitslücke offen, die man getrost als strategisches Versagen bezeichnen darf.

1.800 Forschungsarbeiten – ein Sicherheitsdesaster mit Ansage

Der am 19. Februar veröffentlichte Bericht identifiziert nahezu 1.800 wissenschaftliche Publikationen aus dem Zeitraum zwischen Januar 2019 und Juli 2025, die auf Kooperationen zwischen US-amerikanischen Einrichtungen und chinesischen Verteidigungslaboren zurückgehen. Rund ein Drittel dieser Arbeiten wurde ausdrücklich mit Verweis auf US-Bundesförderung veröffentlicht. Der geschätzte Gesamtwert dieser Projekte beläuft sich auf etwa 943,5 Millionen Dollar – wobei die tatsächliche Summe aufgrund undurchsichtiger Fördermechanismen noch deutlich höher liegen könnte.

Die Themenfelder lesen sich wie ein Wunschkatalog für militärische Aufrüstung: gerichtete Energiesysteme, energetische Materialien, Radar- und Sensortechnologie, künstliche Intelligenz, flexible Elektronik und Hochleistungs-Computerphysik. Es handele sich um kritische Technologiefelder, die künftige militärische Fähigkeiten grundlegend verändern könnten, warnen die Autoren der Studie unmissverständlich.

Chinas raffinierte Tarnung: Wenn „Verteidigung" aus dem Namen verschwindet

Besonders perfide ist die Verschleierungstaktik der chinesischen Seite. Die Studie identifiziert 45 chinesische Labore, die von Peking selbst als staatliche Verteidigungslabore auf höchster Ebene anerkannt werden. Fast alle diese Einrichtungen hätten jedoch die Begriffe „Verteidigung" oder „Landesverteidigung" aus ihren offiziellen englischen Bezeichnungen entfernt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Diese mangelnde Transparenz erschwere amerikanischen Institutionen die Sorgfaltsprüfung und Risikobewertung erheblich, so der Bericht.

Ein Paradebeispiel liefert das State Key Laboratory of Powder Metallurgy an der Central South University in Changsha. In den vergangenen fünf Jahren haben dessen Mitarbeiter sage und schreibe 285 Artikel gemeinsam mit amerikanischen Forschern verfasst – 80 davon unter ausdrücklicher Nennung von US-Regierungsförderung. Das Labor wurde 1989 von Huang Peiyuan gegründet, einem Schlüsselwissenschaftler bei Chinas erstem Atomwaffen- und Raketenprogramm. Der aktuelle Leiter Zhou Kechao arbeitete an Projekten, die von der Ausrüstungsentwicklungsabteilung der Volksbefreiungsarmee finanziert wurden. Und dennoch fehlt das Wort „Verteidigung" im offiziellen chinesischen Namen des Labors.

Die „Sieben Söhne der Landesverteidigung"

Noch brisanter wird es bei einem nationalen Schweißtechniklabor, das vom wichtigsten chinesischen Raketenentwickler und -hersteller betrieben wird – der China Academy of Launch Vehicle Technology. Dieses Labor befindet sich innerhalb des Harbin Institute of Technology, einer Spitzenuniversität und Mitglied der sogenannten „Sieben Söhne der Landesverteidigung", einem Verbund chinesischer Hochschulen mit tiefen Verbindungen zur Volksbefreiungsarmee. Dass amerikanische Forscher mit solchen Einrichtungen kooperieren und dafür auch noch Steuergelder erhalten, grenzt an strategische Selbstverstümmelung.

Wer zahlt die Zeche? Der amerikanische Steuerzahler

Die National Science Foundation (NSF) erweist sich als größter Geldgeber und finanziert mehr als 71 Prozent der identifizierten Bundesmittel für diese Kooperationen. Zwar unterstütze die NSF vorrangig theoretische und grundlegende Forschung im Frühstadium, räumt der Bericht ein. Doch die beteiligten chinesischen Labore verfolgten ganz offensichtlich das Ziel, diese Erkenntnisse für Verteidigungszwecke und sogar für die Waffenentwicklung nutzbar zu machen.

Auch das Pentagon und das Energieministerium (DOE) tauchen als Geldgeber auf. Zehn vom DOE finanzierte Forschungszentren hätten Wissenschaftler beschäftigt, die mit chinesischen Verteidigungslaboren zusammenarbeiteten. Am Argonne National Laboratory etwa seien seit 2019 mindestens 19 Artikel gemeinsam mit identifizierten chinesischen Laboren verfasst worden – finanziert mit US-Regierungsgeldern.

Ein systemisches Versagen der westlichen Sicherheitsarchitektur

Jeffrey Stoff, Gründer des CRSI und ehemaliger China-Berater der US-Regierung, bringt das Problem auf den Punkt: Der US-Regierung und der akademischen Welt fehle es an „Willen, Ressourcen oder Prioritäten", um Forschung und Innovation wirksam zu schützen. Es gebe schlicht kaum Vorschriften, die solche Kooperationen einschränkten. Forschungseinrichtungen, einschließlich staatlicher Labore, kümmerten sich nicht um den Schutz nationaler Interessen – selbst wenn die Forschung vom Steuerzahler finanziert werde.

Man muss sich diese Aussage auf der Zunge zergehen lassen. Während westliche Demokratien über Gendersprache und Klimaneutralität debattieren, nutzt Peking die Naivität des Westens eiskalt aus, um seine militärischen Fähigkeiten auf Kosten eben jener Nationen auszubauen, die es als strategische Rivalen betrachtet. Die fundamentale Frage, die der Bericht aufwirft, ist so simpel wie erschütternd: Wenn die Zusammenarbeit mit chinesischen Verteidigungslaboren kein inakzeptables Risiko darstellt, das eingeschränkt werden sollte – was dann?

Lehren auch für Europa und Deutschland

Was in den USA geschieht, sollte auch in Europa und insbesondere in Deutschland die Alarmglocken schrillen lassen. Die deutsche Forschungslandschaft ist ebenfalls eng mit chinesischen Institutionen vernetzt. Ob deutsche Universitäten und Forschungseinrichtungen ähnliche Sicherheitslücken aufweisen, wird kaum systematisch untersucht. Angesichts der Tatsache, dass Deutschland unter der neuen Großen Koalition ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur aufgelegt hat und gleichzeitig die Bundeswehr modernisieren will, wäre es geradezu fahrlässig, die eigene Forschungssicherheit nicht auf den Prüfstand zu stellen.

Das Pentagon hat immerhin angekündigt, seine Bemühungen zum Schutz steuerfinanzierter Forschung zu intensivieren. Emil Michael, Unterstaatssekretär für Forschung und Ingenieurwesen, erklärte, man wahre die Integrität der amerikanischen Wissenschaftsgemeinschaft. Ob diesen Worten auch Taten folgen, bleibt abzuwarten. Die NSF, das Energieministerium und das Argonne National Laboratory reagierten bezeichnenderweise nicht auf Anfragen.

Eines steht fest: Die Zeiten, in denen man sich bei der Forschungskooperation mit autoritären Regimen auf Vertrauen und guten Willen verlassen konnte, sind endgültig vorbei. Wer das nicht begreift, wird einen hohen Preis zahlen – und zwar nicht nur in Dollar, sondern in strategischer Sicherheit.

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