
EVP-Fraktion im Panikmodus: Weber greift zu autoritÀren Mitteln gegen eigene Abgeordnete
Was sich derzeit hinter den verschlossenen TĂŒren des EuropĂ€ischen Parlaments abspielt, offenbart das wahre Gesicht der selbsternannten Demokratieverteidiger in BrĂŒssel. Die EuropĂ€ische Volkspartei, jene Fraktion, die sich so gerne als HĂŒterin europĂ€ischer Werte inszeniert, hat soeben ein Regelwerk verabschiedet, das an die Methoden autoritĂ€rer Regime erinnert. Manfred Weber, der bayerische Strippenzieher an der Spitze der EVP, lĂ€sst die Daumenschrauben anziehen â und zwar gegen die eigenen Leute.
Sechs Monate politische QuarantĂ€ne fĂŒr Andersdenkende
Die neuen Sanktionsregeln, die in einer geschlossenen Sitzung in StraĂburg durchgepeitscht wurden, haben es in sich. Wer es kĂŒnftig wagt, bei einem Misstrauensvotum gegen die EU-Kommission aus der Reihe zu tanzen, wird fĂŒr ein halbes Jahr faktisch mundtot gemacht. Kein Rederecht im Plenum, keine Rolle als Fraktionssprecher, keine Leitung von Positionspapieren â kurz gesagt: politische Isolation auf Knopfdruck. Der niederlĂ€ndische Abgeordnete Jeroen Lenaers, seines Zeichens FraktionsgeschĂ€ftsfĂŒhrer, hat dieses Disziplinierungsinstrument federfĂŒhrend ausgearbeitet.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Fraktion, die vorgibt, fĂŒr Demokratie und Meinungsfreiheit einzustehen, bestraft ihre Mitglieder dafĂŒr, dass sie von ihrem demokratischen Stimmrecht Gebrauch machen. Die Botschaft könnte kaum deutlicher sein â LoyalitĂ€t gegenĂŒber der BrĂŒsseler Machtelite wiegt schwerer als das freie Mandat.
Der Auslöser: Rebellion gegen von der Leyens Kommission
Was hat Weber und seine Getreuen derart in Panik versetzt? Im Oktober vergangenen Jahres hatten mehrere EVP-Abgeordnete bei einem Misstrauensantrag gegen die Kommission mit den Kritikern gestimmt â also gegen jenes Gremium, das von Ursula von der Leyen gefĂŒhrt wird und von Kommissaren aus dem eigenen politischen Lager dominiert wird. Besonders die französischen Republikaner unter François-Xavier Bellamy, immerhin stellvertretender Fraktionsvorsitzender, zeigten RĂŒckgrat und stellten nationale Interessen ĂŒber den BrĂŒsseler Fraktionszwang.
Dass nun am Donnerstag erneut eine Abstimmung ĂŒber einen Misstrauensantrag ansteht â diesmal eingebracht von der Fraktion der Patrioten als Reaktion auf das umstrittene Mercosur-Handelsabkommen â dĂŒrfte die NervositĂ€t in der EVP-FĂŒhrung ins Unermessliche gesteigert haben. Die Angst vor weiteren Abweichlern sitzt tief.
Flucht zu den Patrioten
Wie berechtigt diese Sorge ist, zeigt der jĂŒngste Abgang: Laurent Castillo, einer der französischen Rebellen vom Oktober, hat die EVP verlassen und sich den Patrioten angeschlossen. Ein Fanal, das Weber offenbar mit noch hĂ€rteren Bandagen beantworten will, anstatt sich zu fragen, warum immer mehr Abgeordnete das Weite suchen.
Demokratie als Fassade
Die Abstimmung ĂŒber die neuen Strafregeln selbst entbehrt nicht einer gewissen Ironie: groĂe Mehrheit dafĂŒr, niemand dagegen, lediglich fĂŒnf Enthaltungen. So sieht sie also aus, die vielgepriesene europĂ€ische Demokratie â ein Schauspiel der Geschlossenheit, erzwungen durch die Androhung von Sanktionen. Nicht Ăberzeugung, sondern EinschĂŒchterung hĂ€lt diese Fraktion zusammen.
Was Weber und seine Mitstreiter dabei geflissentlich ĂŒbersehen: Das freie Mandat ist ein Grundpfeiler parlamentarischer Demokratie. Abgeordnete sind ihrem Gewissen verpflichtet, nicht der FraktionsfĂŒhrung. Doch in BrĂŒssel scheint man diese GrundsĂ€tze lĂ€ngst ĂŒber Bord geworfen zu haben. Die EVP definiert LoyalitĂ€t als Voraussetzung fĂŒr Einfluss â wer nicht pariert, wird kaltgestellt.
Ein Symptom des europÀischen Demokratiedefizits
Dieser Vorgang ist mehr als nur eine interne Fraktionsangelegenheit. Er offenbart das strukturelle Demokratiedefizit der EuropÀischen Union in seiner ganzen HÀsslichkeit. Eine Kommission, deren PrÀsidentin nie direkt vom Volk gewÀhlt wurde, wird von einer Parlamentsfraktion mit autoritÀren Mitteln vor jeder Kritik abgeschirmt. Wer sich diesem System widersetzt, wird bestraft.
FĂŒr den deutschen BĂŒrger, der ohnehin zunehmend das Vertrauen in die europĂ€ischen Institutionen verliert, ist dies ein weiterer Beweis dafĂŒr, dass in BrĂŒssel die Interessen einer abgehobenen Elite ĂŒber dem Willen der Völker stehen. Die EVP, einst als konservative Kraft gestartet, hat sich lĂ€ngst zu einem Instrument der Machterhaltung gewandelt â koste es, was es wolle. Selbst die eigene demokratische GlaubwĂŒrdigkeit.










