
Epstein-Skandal erreicht das Weltwirtschaftsforum: WEF-Präsident Brende räumt seinen Posten
Die Schockwellen des Epstein-Skandals reißen nicht ab – und sie treffen nun das Herz der globalen Machtelite. Børge Brende, seit 2017 Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, hat am Donnerstag seinen Rücktritt erklärt. Der Grund: seine Verstrickungen in die Affäre um den 2019 verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Er wolle, so die offizielle Begründung, nicht länger von der Arbeit des Forums ablenken. Eine bemerkenswert euphemistische Formulierung für jemanden, der über 100 Nachrichten mit einem verurteilten Pädokriminellen ausgetauscht haben soll.
Über 100 Nachrichten und Geburtstagsfeier im Epstein-Stadthaus
Die Faktenlage ist erdrückend. Laut neu veröffentlichten Dokumenten pflegte der ehemalige norwegische Außenminister über einen langen Zeitraum engen Kontakt zu Epstein. Mehr als hundert Nachrichten sollen die beiden ausgetauscht haben. Brende war zudem mehrfach in Epsteins berüchtigtem New Yorker Stadthaus zu Gast – jenem Ort, der mittlerweile zum Symbol eines unfassbaren Netzwerks aus Macht, Geld und Missbrauch geworden ist. Besonders pikant: Seinen 53. Geburtstag feierte Brende ausgerechnet dort. Wer feiert seinen Geburtstag bei einem verurteilten Sexualstraftäter – und behauptet anschließend, nichts gewusst zu haben?
Denn genau das tat Brende. Noch im November hatte er wahrheitswidrig behauptet, keinerlei Kontakt zu Epstein gehabt zu haben. Eine dreiste Lüge, die nun durch die Aktenlage pulverisiert wurde. Man fragt sich unweigerlich: Was wäre geschehen, hätten diese Dokumente nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt? Würde Brende dann noch immer unbehelligt auf der Davoser Bühne stehen und der Welt erklären, wie eine bessere Zukunft auszusehen habe?
Das WEF gibt sich betont gelassen
Die Reaktion des Weltwirtschaftsforums auf den Rücktritt seines Präsidenten ist bezeichnend. Die beiden Co-Präsidenten André Hoffmann und Larry Fink – letzterer bekanntlich Chef des weltgrößten Vermögensverwalters BlackRock – hätten Brendes Entscheidung „akzeptiert" und ihm ihren „aufrichtigen Dank für seine bedeutenden Beiträge" ausgesprochen. Seine Führungsqualitäten seien von „großer Bedeutung" gewesen. Man reibt sich die Augen. Ein Mann, der nachweislich über seine Verbindungen zu einem Sexualstraftäter gelogen hat, wird mit warmen Worten verabschiedet, als ginge er in den wohlverdienten Ruhestand.
Eine vom WEF eingeleitete „unabhängige Untersuchung" sei mittlerweile abgeschlossen. Das Ergebnis, wenig überraschend: Es gebe „keine weiteren Bedenken, die über die bereits offengelegten hinausgehen." Wie beruhigend. Der Schweizer Alois Zwinggi übernimmt nun als Interimspräsident – Geschäft geht weiter, der nächste bitte.
Die Moralapostel der Welt und ihr schmutziges Geheimnis
Was dieser Fall einmal mehr offenbart, ist die atemberaubende Heuchelei jener selbsternannten Weltelite, die sich jedes Jahr im verschneiten Davos versammelt, um dem Rest der Menschheit Lektionen in Sachen Klimaschutz, Gleichberechtigung und sozialer Gerechtigkeit zu erteilen. Dieselben Leute, die uns vorschreiben wollen, wie wir zu leben, zu heizen und zu essen haben, pflegten offenbar ganz andere Interessen hinter verschlossenen Türen. Das WEF unter seinem Gründer Klaus Schwab hat sich stets als moralische Instanz inszeniert – als Hüter einer „besseren Welt". Doch welche Welt meinen diese Herrschaften eigentlich?
Jeffrey Epstein war kein unbeschriebenes Blatt. Bereits 2008 wurde er wegen der Prostitution einer Minderjährigen verurteilt und verbrachte 13 Monate in Haft. Dass hochrangige Politiker und Wirtschaftsführer nach dieser Verurteilung weiterhin engen Kontakt zu ihm pflegten, wirft Fragen auf, die weit über den Fall Brende hinausgehen. Wie tief reichen die Tentakel dieses Netzwerks? Welche Namen werden als nächstes fallen? Und vor allem: Warum beschränken sich die Konsequenzen bislang auf bloße Rücktritte statt auf strafrechtliche Verfolgung?
Ein Muster, das sich wiederholt
Der Fall Brende reiht sich ein in eine lange Liste von Enthüllungen rund um den Epstein-Komplex. Von Prinz Andrew über zahlreiche US-amerikanische Politiker und Wirtschaftsgrößen bis hin zu europäischen Spitzenfunktionären – das Netzwerk des verstorbenen Milliardärs scheint grenzenlos gewesen zu sein. Und mit jeder neuen Enthüllung wächst das Misstrauen gegenüber jenen Institutionen, die vorgeben, im Interesse der Allgemeinheit zu handeln.
Für den deutschen Bürger sollte dieser Vorgang ein weiterer Weckruf sein. Denn auch die Bundesrepublik war und ist eng mit dem WEF verflochten. Deutsche Spitzenpolitiker pilgern regelmäßig nach Davos, lassen sich dort hofieren und kehren mit großen Worten über „Transformation" und „Nachhaltigkeit" zurück. Ob auch deutsche Akteure in den Epstein-Sumpf verstrickt sind, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt jedoch: Wo so viel Macht und so wenig Transparenz herrschen, ist Skepsis nicht nur angebracht – sie ist eine Bürgerpflicht.
Eines steht fest: Das Vertrauen in die globalen Eliten und ihre Institutionen erodiert mit jedem solchen Skandal weiter. Und das ist, bei aller Tragik der Umstände, vielleicht die einzig positive Entwicklung in dieser ganzen schmutzigen Angelegenheit.
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