
Drama um Bella (3): Ermittler durchsuchen jetzt das Elternhaus!
Der Tod eines dreijĂ€hrigen MĂ€dchens im schleswig-holsteinischen Preetz hat ein juristisches Nachspiel. Staatsanwaltschaft Kiel und Polizeidirektion Kiel haben am Mittwoch ein Ermittlungsverfahren gegen die Eltern eingeleitet â wegen des Verdachts der fahrlĂ€ssigen Tötung durch Unterlassen. Seit dem Mittag durchsuchen EinsatzkrĂ€fte die Wohnanschrift der Familie in der Wakendorfer StraĂe.
Es geht um den Anfangsverdacht, dass ein VerstoĂ gegen Aufsichts- und weitere Sorgfaltspflichten zum Ertrinkungstod des Kindes gefĂŒhrt haben könnte. FĂŒr die Eltern gilt selbstverstĂ€ndlich die Unschuldsvermutung.
Ein Kind, das nie hĂ€tte sterben dĂŒrfen
Die DreijĂ€hrige war vergangene Woche als vermisst gemeldet worden. Einen Tag spĂ€ter fand die Polizei sie tot â in einem Pool im Garten ihrer Eltern. Medienberichten zufolge war das MĂ€dchen Autistin, ein Kind also, das Gefahren anders wahrnimmt als andere.
Die angeordnete Obduktion ergab: Das Kind ertrank. Hinweise auf eine Gewalttat gab es nach Angaben der Staatsanwaltschaft nicht. Die aktuelle Durchsuchung diene laut Behörden dem Auffinden und Sichern von Beweismitteln sowie der Dokumentation von Fundort und Umgebung. Weitere AuskĂŒnfte wĂŒrden derzeit nicht erteilt.
Der Pool, den niemand richtig kontrollierte
Und hier beginnt der Teil der Geschichte, der viele BĂŒrger fassungslos zurĂŒcklĂ€sst. Denn das Kind lag auf dem eigenen GrundstĂŒck â dort, wo gesucht wurde. Nach Angaben der Polizei war der Pool zuvor mehrfach in Augenschein genommen worden, laut Medienberichten allerdings nur "oberflĂ€chlich".
Ein GroĂaufgebot, Suchtrupps, Helfer, ein ganzer Tag Ungewissheit. Und am Ende war das MĂ€dchen die ganze Zeit dort, wo EinsatzkrĂ€fte lĂ€ngst standen. Wie kann das passieren?
Es geht um die vollstÀndige AufklÀrung des Einsatzablaufs und möglicher Fehler.
Der Landtag will Antworten
Der Polizeieinsatz wird deshalb zum Politikum. Der innen- und rechtspolitische Sprecher der FDP im Kieler Landtag, Bernd Buchholz, teilte mit, das Innenministerium mĂŒsse am 19. August im Innen- und Rechtsausschuss umfassend Bericht erstatten. Zentrale Frage: Warum wurde das Kind erst nach eintĂ€giger Suche gefunden, obwohl es im Pool auf dem elterlichen GrundstĂŒck verunglĂŒckt war?
Das Landeskriminalamt veröffentlichte nach dem Fall aktuelle Zahlen: Rund 375 Menschen gelten in Schleswig-Holstein derzeit als vermisst. Die meisten FÀlle enden laut LKA glimpflich. Dieser hier nicht.
Wenn der Staat den BĂŒrger prĂŒft â und sich selbst?
Aus Sicht unserer Redaktion ist es richtig, dass jeder Todesfall eines Kindes lĂŒckenlos aufgeklĂ€rt wird. Aufsichtspflicht ist kein Formalismus, sondern die vielleicht hĂ€rteste Verantwortung, die Eltern tragen. Ob sie hier verletzt wurde, hat allein die Justiz zu klĂ€ren â nicht die Ăffentlichkeit, nicht das Netz, nicht ein Kommentarspalten-Tribunal.
Genauso konsequent muss aber die zweite Frage beantwortet werden: die nach der LeistungsfĂ€higkeit des staatlichen Apparats. Ein Verfahren gegen trauernde Eltern binnen Tagen â und gleichzeitig eine Suchaktion, deren Ablauf erst ein parlamentarischer Ausschuss durchleuchten soll. Beobachter dĂŒrften genau hinsehen, mit welcher GrĂŒndlichkeit beide StrĂ€nge verfolgt werden.
FĂŒr die Familie beginnt derweil das, was kein Ermittlungsverfahren rĂŒckgĂ€ngig machen kann: ein Leben ohne das eigene Kind.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die EinschÀtzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Rechtsberatung dar.
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