
Deutschlands Mittelstand vor dem Kollaps: 114.000 Betriebe jährlich vor dem Aus

Das Rückgrat der deutschen Wirtschaft bröckelt. Was jahrzehntelang als Erfolgsmodell galt, steht nun vor einer existenziellen Krise: Der deutsche Mittelstand droht in den kommenden Jahren regelrecht auszubluten. Eine aktuelle Untersuchung der Förderbank KfW zeichnet ein düsteres Bild, das jeden wirtschaftspolitisch interessierten Bürger alarmieren sollte.
Die erschreckenden Zahlen sprechen für sich
Jährlich 114.000 Unternehmensschließungen – diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Nicht etwa wegen mangelnder Nachfrage oder wirtschaftlicher Schwierigkeiten, sondern schlicht und ergreifend, weil der Chef in Rente geht und niemand das Ruder übernehmen will oder kann. Bis Ende 2029 streben sage und schreibe 569.000 Unternehmen keine Fortführung mehr an. Das ist keine Delle, das ist ein wirtschaftlicher Tsunami.
Die demographische Entwicklung spricht Bände: 57 Prozent der mittelständischen Unternehmer sind mittlerweile 55 Jahre oder älter. Vor zwanzig Jahren lag dieser Anteil noch bei bescheidenen 30 Prozent. Eine ganze Generation von Unternehmern verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand – und hinterlässt eine gähnende Lücke.
Bürokratie als Sargnagel des Unternehmertums
Doch es wäre zu einfach, allein den demographischen Wandel verantwortlich zu machen. KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher bringt es auf den Punkt: Die überbordende Bürokratie erstickt jegliche Gründungsbereitschaft im Keim. Der Anteil der Unternehmer, die explizit die Bürokratie für ihre geplante Stilllegung verantwortlich machen, ist innerhalb eines Jahres um zwölf Prozentpunkte auf erschreckende 42 Prozent gestiegen.
„Der Bürokratieabbau ist ein Baustein, der zu mehr Gründungen führen kann."
Diese Erkenntnis des KfW-Chefvolkswirts klingt fast schon zynisch angesichts der Realität. Während die Politik seit Jahren vollmundige Versprechungen zum Bürokratieabbau macht, ersticken Unternehmer weiterhin in einem Wust aus Vorschriften, Dokumentationspflichten und Regulierungen. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar Besserung gelobt, doch die Erfahrung lehrt: Zwischen Ankündigung und Umsetzung liegen oft Welten.
Ein Teufelskreis der Investitionszurückhaltung
Besonders perfide ist der wirtschaftliche Dominoeffekt, den die Nachfolgeproblematik auslöst. Unternehmer ohne gesicherte Nachfolge investieren weniger – verständlicherweise. Warum sollte man Millionen in Maschinen und Anlagen stecken, wenn das Unternehmen in wenigen Jahren ohnehin geschlossen wird? Diese Investitionszurückhaltung schwächt nicht nur die betroffenen Betriebe selbst, sondern die gesamte Volkswirtschaft.
Immerhin: In 545.000 mittelständischen Unternehmen wird bis Ende 2029 eine Nachfolgeregelung angestrebt. Doch die Suche nach einem passenden Nachfolger gestaltet sich für viele als Sisyphusarbeit. Wer will es jungen Menschen auch verdenken, dass sie angesichts der bürokratischen Hürden, der unsicheren wirtschaftlichen Lage und der politischen Rahmenbedingungen lieber den sicheren Weg in ein Angestelltenverhältnis wählen?
Was Deutschland jetzt braucht
Die Lösung liegt auf der Hand, wird aber seit Jahren verschleppt: radikaler Bürokratieabbau, steuerliche Entlastungen für Unternehmensnachfolgen und eine grundlegende Wertschätzung des Unternehmertums in der Gesellschaft. Stattdessen werden Unternehmer oft als Ausbeuter diffamiert, während der Staat ihnen gleichzeitig immer mehr Steine in den Weg legt.
Der deutsche Mittelstand war einst der Neid der Welt. Wenn die Politik nicht endlich aufwacht, wird er bald nur noch eine nostalgische Erinnerung sein.










